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Inflation hartnäckiger als erhofft: Wie geht es 2026 weiter?

Die Preiswelle nach dem russischen Überfall auf die Ukraine ist zwar abgeflaut. Doch das Leben in Deutschland hat sich spürbar verteuert. Was hinter den hartnäckig hohen Preisen steckt.

Das Leben in Deutschland ist seit dem russischen Überfall auf die Ukraine deutlich teurer geworden. (Symbolbild)
Foto: Jan Woitas/dpa

Die Ära der hohen Inflationsraten ist vorbei, aber Verbraucher sind dennoch ernüchtert. Besonders bei Dienstleistungen wie Restaurantbesuchen, Autoversicherungen und Pauschalreisen sind die Preise signifikant gestiegen. Auch Lebensmittel sind spürbar teurer geworden. Es wird wohl nicht so schnell wie erhofft passieren, dass die Inflationsrate unter die psychologisch wichtige Marke von zwei Prozent fällt. Was sind die Gründe dafür? Und was können Verbraucher im neuen Jahr erwarten?

Wie hat sich die Teuerung zuletzt entwickelt?

Die Inflationsrate in Deutschland liegt seit Monaten über zwei Prozent, im November betrug sie 2,3 Prozent. Besonders Dienstleistungen wie Pauschalreisen im Inland und Bahntickets sind überdurchschnittlich teurer geworden. Dies ist häufig auf Personalmangel und Lohnerhöhungen zurückzuführen, die von Unternehmen an die Kunden weitergegeben werden.

Immerhin: Der Preisanstieg bei Lebensmitteln hat sich verlangsamt, zuletzt stiegen die Preise nur noch um gut ein Prozent. Dennoch sind die Energiepreise nach den deutlichen Rückgängen der vergangenen Jahre kaum noch gesunken.

Warum wird die Inflation oft überschätzt?

Die Preiswelle, die Deutschland nach dem russischen Überfall auf die Ukraine erfasst hatte, ist zwar ausgelaufen. Energie und Lebensmittel verteuerten sich damals rasant, was zu einer Inflationsrate von 6,9 Prozent im Jahr 2022 und 5,9 Prozent im Jahr 2023 führte. Erst im Jahr 2024 normalisierte sich die Inflationsrate auf 2,2 Prozent.

Laut einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) wird die Inflation jedoch als viel höher wahrgenommen: Die Befragten schätzten die Teuerungsrate für 2024 auf 15,3 Prozent – also etwa siebenmal höher als die tatsächliche Rate.

Das liegt nicht zuletzt an teureren Nahrungsmitteln. Der Europäischen Zentralbank zufolge sind die Lebensmittelpreise in Deutschland seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 um über ein Drittel Prozent gestiegen – und die spüren Verbraucher beim täglichen Einkauf besonders. So ist auch von «Supermarkt-Inflation» die Rede.

Wie wird die Inflationsrate eigentlich berechnet?

Das Statistische Bundesamt überprüft monatlich die Preisentwicklung. Dazu erfassen Statistiker in Geschäften die Preise für Obst und Gemüse, Schuhe und Möbel. Auch die Wohnungsmiete und Spritpreise an Tankstellen werden erfasst. Tausende Preise von Waren und Dienstleistungen werden nach einem festen Schema erfasst. Die durchschnittliche Preisentwicklung für eine Produktkategorie wird dann entsprechend dem Ausgabenanteil gewichtet, den die Haushalte für diese Kategorie haben.

Was beschreibt der Verbraucherpreisindex?

Gemessen wird die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte für Konsumzwecke kaufen. Darunter fallen Nahrungsmittel, Bekleidung und Autos ebenso wie Mieten, Reinigungsdienste oder Reparaturen. Berücksichtigt werden dabei alle Ausgaben, die in Deutschland getätigt werden, das heißt auch die von Touristen aus dem Ausland. Die Veränderung des Verbraucherpreisindex zum Vorjahresmonat oder Vorjahr wird als Inflationsrate bezeichnet.

Was waren die auffälligsten Preissprünge bei Lebensmitteln?

Laut dem Statistischen Bundesamt stiegen die Preise im November 2025 besonders stark für Sauerkirschen. Aufgrund schlechter Ernten lagen sie knapp 50 Prozent höher als im Vorjahr. Auch die Tafel Schokolade verteuerte sich deutlich um gut ein Viertel. Die Preise für Bohnenkaffee und Rinderhack stiegen zudem um mehr als 22 Prozent.

Wurde überhaupt etwas billiger?

Ja. Laut Statistischem Bundesamt sank der Preis für Butter innerhalb eines Jahres um etwa ein Fünftel (22 Prozent), ähnlich wie bei Weintrauben. Die Preise für Olivenöl fielen zwischen November 2024 und November 2025 um etwa 17 Prozent, bei Kartoffeln um rund 16 Prozent. Auch außerhalb von Lebensmitteln gab es Preisrückgänge: Fernseher und Smartphones waren im Herbst deutlich günstiger.

Wie geht es weiter mit der Inflation?

Volkswirte erwarten, dass sich die Menschen in Deutschland weiter mit Teuerungsraten oberhalb der Zwei-Prozent-Marke abfinden müssen. «Der Rückgang der Inflationsrate in Deutschland verläuft etwas zäher als gedacht», sagte jüngst Bundesbank-Präsident Joachim Nagel. Wegen des Lohnwachstums und der weniger stark fallenden Energiepreise werde die Rate langsamer sinken als erwartet. 

Laut dem Ifo-Institut wird die Inflationsrate in diesem Jahr voraussichtlich bei 2,2 Prozent und im Jahr 2027 bei 2,3 Prozent liegen. Die Energiepreise sollen weiterhin sinken, während der Preisdruck bei Dienstleistungen bestehen bleibt.

Welche Zielmarke gilt bei der Inflation und warum?

Die Europäische Zentralbank betrachtet die mittelfristige Inflation im Euroraum von 2,0 Prozent als ihr wichtigstes Ziel, um einen stabilen Euro zu gewährleisten und die Kaufkraft der Menschen zu erhalten. Dauerhaft niedrige Preise werden als Risiko für die Wirtschaft angesehen, da Unternehmen und Verbraucher Investitionen oder Käufe verschieben könnten, in der Hoffnung, dass es bald noch günstiger wird. Ein zu starkes Ansteigen der Preise ist ebenfalls schädlich für die Wirtschaft, da Verbraucher dann an Kaufkraft verlieren, was den Konsum als wichtige Konjunkturstütze beeinträchtigt.

dpa