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Italiens «Waldfamilie» an Weihnachten nur kurz vereint

Sie führten ein Aussteiger-Leben, doch nun sind die Kinder im Heim und die Eltern bekommen ein Psycho-Gutachten: Das Schicksal der «Waldfamilie» bewegt Italien. Warum griff das Jugendamt ein?

Matteo Salvini spricht erneut von «Schande». (Archivbild)
Foto: Domenico Stinellis/AP/dpa

Gerade an Weihnachten sind sie nicht zu Hause, am Heiligen Abend nicht bei der Familie: Das Schicksal der fünfköpfigen Familie, die in den Abruzzen in einem abgelegenen Steinhaus ohne fließendes Wasser und Strom lebte, löst zu den Feiertagen in Italien eine emotionale Debatte aus. Die sogenannte Waldfamilie kann wahrscheinlich nur am ersten Weihnachtstag einige Stunden zusammen sein. Und die Eltern müssen sich einer psychologischen Untersuchung unterziehen – und die Kinder werden wohl Monate im Heim bleiben müssen.

Zweieinhalb Stunden an Weihnachten 

Die Familie lebt in einfachsten Verhältnissen ohne Strom und fließend Wasser in der Nähe des Ortes Palmoli in den Abruzzen. Bürgermeister Giuseppe Masciulli sagte der Agentur Ansa, dass der Vater am ersten Weihnachtstag zweieinhalb Stunden mit den drei kleinen Kindern und seiner Frau im Kinderheim verbringen darf. Genehmigt wurde ein Besuch von 10.00 bis 12.30 Uhr.

Im November wurde dem britisch-australischen Elternpaar aufgrund der Lebensumstände vorübergehend das Sorgerecht entzogen und ihre achtjährige Tochter sowie die zwei sechsjährigen Zwillingsgeschwister vorläufig in einem Heim untergebracht.

Das Jugendgericht von L’Aquila hat den Beschluss nun erneuert – und angeordnet, ein Gutachten über die Kompetenzen und die psychologische Verfassung der Eltern zu erstellen. Die Kinder sollen bis zum Abschluss der Untersuchungen im Heim bleiben. Eine Psychiaterin soll 120 Tage Zeit für das Gutachten haben, berichten italienische Medien.

Salvini: Schande ohne Ende 

Einige Kommentatoren äußerten ihr Unverständnis. „Was sind schon zweieinhalb Stunden – ausgerechnet an Weihnachten“, sagte der konservative Mediaset TGcom24. Auch der Vize-Ministerpräsident und Chef der rechten Regierungspartei Lega, Matteo Salvini, äußerte sich erneut.

«Schande ohne Ende», wetterte Salvini auf der Plattform X. «Man sollte den psychischen Zustand eines anderen überprüfen, nicht den von zwei Eltern, die ihre Kinder jahrelang großgezogen, gepflegt, erzogen und geliebt haben, bevor die „Justiz“ das Leben einer ruhigen und anständigen Familie ruinierte.» 

https://x.com/matteosalvinimi/status/2003427249953923526

Erstmals Dusche gesehen 

Die Eltern hatten sich entschieden, ein Leben außerhalb der Konsumgesellschaft zu führen. Sowohl Sozialdienste als auch Richter bewerteten die Situation im Wald aufgrund der hygienischen Bedingungen und vor allem der Bildungslücken der Kinder als ungeeignet. Laut Angaben könne das achtjährige Mädchen weder Englisch noch Italienisch lesen und schreiben. Die Kinder entdeckten im Heim erstmals Lichtschalter und eine Dusche, wie Medien berichteten.

Die Familie geriet ins Visier des Jugendamts, nachdem die Kinder vor ungefähr einem Jahr mit einer Pilzvergiftung ins Krankenhaus kamen.

dpa