Eigentlich wollen sie nur Kunden beraten, Tickets kontrollieren oder im Bahnhof saubermachen. Doch die offizielle Statistik zeigt: Wer bei der Bahn arbeitet, erlebt oft Aggression.
Jeden Tag fünf Bahnbeschäftigte körperlich attackiert

Laut der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage des Linken-Politikers Dietmar Bartsch wurden bei der Deutschen Bahn in den ersten zehn Monaten 2025 im Durchschnitt jeden Tag fünf Mitarbeiter körperlich angegriffen. Zusätzlich gab es statistisch gesehen vier Fälle von Bedrohung pro Tag. Bei der Bundespolizei wurden täglich 30 Mitarbeiter Opfer einer Straftat. Die Tendenz ist steigend.
Statistik für die Zeit von Januar bis Oktober
Gemäß dem Innenministerium waren im Zeitraum von Januar bis Ende Oktober 2025 insgesamt 2.987 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bahn Opfer von Straftaten. Darunter fielen 1.148 Fälle von Bedrohung, 1.231 Fälle von Körperverletzung und 324 Fälle von gefährlicher Körperverletzung.
Die Statistik der Bundespolizei zeigt, dass im Zeitraum 9.329 Mitarbeiter Opfer einer Straftat wurden. Darunter waren 7.529 Fälle von Widerstand, 2.981 tätliche Angriffe und 1.796 Fälle von Bedrohung, wie das Ministerium mitteilte. Die Datengrundlage bildet die Polizeiliche Eingangsstatistik der Bundespolizei.
«Trauriger Rekord»
Im Jahr 2024 erstatteten 3.151 Mitarbeiter der Deutschen Bahn Anzeigen wegen Körperverletzung oder Bedrohungen. Die Zahl der erfassten Opfer von Straftaten gegen Angehörige der Bundespolizei betrug 10.726 im Jahr 2024. Diese Zahlen wurden ebenfalls von Bartsch abgefragt.
Nimmt man die noch nicht erfassten Monate November und Dezember dazu, geht Bartsch für 2025 von einem «traurigen Rekordjahr» aus. «Mehr als 10.000 angepöbelte, angespuckte und körperlich angegriffene Bundespolizisten und Bahnmitarbeiter – diese inakzeptablen Zahlen stellen unserem Land ein verheerendes Zeugnis aus», meinte der Linken-Politiker. «Diese Verrohung darf nicht hingenommen werden.» Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) müsse einen Plan mit Schutzmaßnahmen vorlegen.
«Jeder Übergriff zu viel»
Ein Bahnsprecher betonte auf Anfrage: «Jeder Übergriff auf einen DB-Beschäftigten ist einer zu viel. Die Sicherheit unserer Mitarbeitenden – wie die aller Fahrgäste – hat oberste Priorität. Deshalb setzen wir im Rahmen unserer drei Sofortprogramme 2026 auch genau hier einen besonderen Schwerpunkt: bei der Sicherheit und Sauberkeit an den Bahnhöfen.»
Der ehemalige Bahnchef Richard Lutz erklärte im letzten Jahr, dass etwa die Hälfte der Übergriffe Zugpersonal im Regionalverkehr betrifft. Aber auch Reinigungskräfte, Servicekräfte am Bahnhof, Kundenberaterinnen und Busfahrer wurden angegriffen. Ab 2024 stattet die Bahn schrittweise und auf freiwilliger Basis Personal im Nahverkehr mit Bodycams für den Kontakt mit Fahrgästen aus.








