Der karamellige Biscoff-Geschmack erinnert an winterliche Spekulatius-Abende, wird jetzt jedoch das ganze Jahr über genossen. Sind Sie bei diesem Trend auf dem Laufenden?
Karamellkeks-Trend: Ist Spekulatius nun ganzjährig angesagt?

Was früher nur an dunkle Winternachmittage denken ließ, ist jetzt ein Ganzjahresaroma: der Karamellkeks. Meist einzeln verpackt liegt das kleine Gebäck in Cafés und Restaurants neben der Tasse – als korrespondierender Keks zum Kaffee. Oft handelt es sich dabei um den sogenannten Biscoff vom Branchenriesen Lotus, der früher «Speculoos» hieß.
Den Karamellkeksgeschmack, der an Spekulatius erinnert, gibt es inzwischen auch im Brotaufstrich, in Eiscreme, Mousse, Kuchen. Viele sagen, diese Kekse schmeckten «nach Weihnachten». Ist jetzt das ganze Jahr Christmas?
Auch in Friseursalons, die ein Getränk anbieten, wird Karamellkeks oft serviert. Es gibt nicht nur «Biscoff», es gibt auch Marken wie «Caramellino» oder «Karamellgebäck» unter dem Label «Hellma» oder «Stereo».
Die Backwarenkette LeCrobag bietet derzeit Croissants mit Biscoff-Füllung an, während andere Systemgastronomen Zimtschnecken mit Biscoff-Crumbles verkaufen. Foodblogger steigern bereits das Produkt mit Zucker und Zimt – für verschiedene kalorienreiche Dessert-Kreationen.
«Schreiend süß, schmeckt immer so ein bisschen nach Spekulatius»
«Überall seh’ ich nur noch: Lotus-Kekse. Der belgische Karamellkeks», sagt Produktentwickler Sebastian Lege in der ZDF-Sendung «Lege packt aus – Süße Supermarkt-Sünden». Ständig begegne ihm auf Social Media dieser Biscoff. «Schreiend süß, schmeckt immer so ein bisschen nach Spekulatius.» Lege baute den Keks dann nach: Mehl, Kandiszuckersirup, Palmfett, Zimt.
Die Welt der Kekse sei den Produzenten aber eben nicht genug – siehe etwa den Brotaufstrich als Alternative zu Nuss-Nougat-Creme oder Erdnussbutter. Leges Rat: «Hype hin, Hype her, so Karamellkeksbrotaufstrich sollte man nicht jeden Tag genießen.»
Ein Blick auf die Nährwerttabelle offenbart: Die «Karamell-Keks-Creme (creamy)» von «Rewe Beste Wahl» zum Beispiel hat knapp 590 Kalorien pro 100 Gramm. 39 Gramm sind Fett und 31 Gramm Zucker («Nutella» zum Vergleich: 540 Kalorien pro 100 Gramm; 31 Gramm Fett, 56 Gramm Zucker).
Ist ein Karamellkeks das gleiche wie Spekulatius oder nicht?
Einige Mitbewerber der Aufstriche «Biscoff creamy» oder «Biscoff crunchy» nennen ihr Produkt auch «Spekulatiuscreme». Jetzt wird es verwirrend. Ist «Biscoff» jetzt das gleiche wie Spekulatius – oder ist es das eben nicht?
Beim Unternehmen Lotus Bakeries wehrt man sich ein wenig: Nein, Biscoff-Kekse seien kein Spekulatius. «Zum einen handelt es sich nicht um ein saisonales Gebäck, sondern um ein Produkt, das ganzjährig im Handel erhältlich ist. Zum anderen unterscheidet sich der Geschmack deutlich von Spekulatius», meint ein Sprecher am deutschen Sitz von Lotus in Düsseldorf.
Der Biscoff habe eine eigene Rezeptur, die ihm die karamellige Note gebe, sagt der Lotus-Sprecher. Zwar basierten beide Gebäcke auf ähnlichen Grundzutaten wie Mehl und braunem Zucker, «Spekulatius enthält jedoch die typischen weihnachtlichen Gewürze wie etwa Muskatnuss, Nelken, Ingwerpulver, Kardamom sowie teilweise Anis oder Koriander».
Deutschlands Süßwarenindustrie zählt klassischen Spekulatius – ebenso wie etwa Dominosteine und Zimtsterne – zur Kategorie «Herbstgebäck». Alle Jahre wieder liegt es von September bis Dezember massenhaft in den Läden. Ein paar Regale weiter findet man aber ganzjährig Karamellgebäck – oft zwischen Cantuccini, Löffelbiskuits, Amarettini oder Waffelgebäck.
Marktforscher stellen einen Spekulatius-Trend fest
Laut den Absatzzahlen des Marktforschungsunternehmens Nielsen IQ sind Lebkuchen die bevorzugte Wahl deutscher Verbraucherinnen und Verbraucher, wenn es um Herbstgebäck geht. Allerdings wird danach – noch vor Stollen – der Spekulatius genannt, der in den letzten Jahren stark an Beliebtheit gewonnen hat. Auch im Jahr 2025 soll das Segment für Spekulatius im Bereich der saisonalen Backwaren sowohl beim Umsatz als auch beim Absatz besonders stark gewachsen sein, so Nielsen IQ. Man könnte also sagen: Zimtiges Mürbegebäck ist derzeit sehr gefragt.
«Aktuelle Trends um Gewürzkekse appellieren an das nostalgische Gefühl vergangener Feiertage», sagt der Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder. «In der unsicheren und schnellen Welt von heute suchen Menschen Produkte, die ein Gefühl von Behaglichkeit vermitteln. Die Wintergewürze und vor allem Zimt sind dabei mit Komfortessen assoziiert, die Geborgenheit und Wärme spenden.»
«Niedrigschwelliger Keks, vertraut in Geschmack und Konsistenz»
Der Kulturwissenschaftler von der Universität Regensburg sagt auch, der Biscoff-Keks sei «strukturell konservativ», «ein niedrigschwelliger Keks, vertraut in Geschmack und Konsistenz». «In Zeiten permanenter Selbstkontrolle ist er klein genug, um durch das Raster der Selbstbeherrschung zu fallen. Ein kleiner Keks. Den wird man doch wohl noch essen dürfen.»
Hinter dem Erfolg des – wir sagen jetzt nur noch spekulatiusähnlichen – Biscoff-Kekses steckt seit Jahrzehnten eine geschickte Marketingstrategie. 1932 auf dem Land in Flandern gegründet, wurde der Speculoos-Keks ab den 50er Jahren gezielt in Gaststätten und Cafés als Plätzchen zum Kaffee platziert.
Das Wort «Biscoff» wurde aus Biscuit und Coffee gebildet
In Amerika wurde der Keks ab den 80ern bei Airlines als Bordsnack etabliert. Vor rund 40 Jahren bekam er dann im US-Markt mit «Biscoff» einen für die Globalisierung geeigneteren Namen – aus der Verschmelzung der englischen Begriffe «Biscuit» (Keks) und «Coffee» (Kaffee). Offiziell auf Verpackungen kam dieser Produktname aber erst 2013, wie Lotus erklärt. In den Heimatmärkten, also in den Benelux-Staaten, geschah dies sogar erst vor fünf Jahren.
Auch historisch ist «Speculoos» nicht gleich «Speculaas». Speculaas ist ursprünglich ein niederländisches Produkt, das zur Kolonialzeit entstand und im Unterschied zum flämischen Keks Speculoos (bei Lotus heute Biscoff genannt) in der Tat mehr exotische Zutaten aufweist.
In Deutschland wird häufig auch über Gewürzspekulatius gesprochen (im Gegensatz zum weniger würzigen Butterspekulatius). Es ist jedoch wichtig festzuhalten: Nicht jeder kann die Unterschiede in den Gewürzen schmecken. In der jungen Generation könnte das Wort Spekulatius vielleicht sogar bald aussterben. Lassen Sie uns spekulieren. Denn: Das bedeutet doch Biscoff.








