Harry will bei seiner Klage gegen den Verlag der «Daily Mail» wohl selbst in den Zeugenstand treten. Es ist bereits das dritte Verfahren dieser Art und wohl das letzte. Was treibt ihn an?
Kreuzzug gegen Boulevard: Prinz Harrys letzte Schlacht?

Prinz Harry (41) geht erneut rechtlich gegen die britische Boulevardpresse vor. In einer Zivilklage von Harry, Popstar Elton John (78) und weiteren Prominenten um eine angebliche Bespitzelung durch den Verlag der «Daily Mail» beginnt heute in London das Verfahren.
Es wird erwartet, dass Harry in der ersten Woche persönlich im Gerichtssaal anwesend sein wird. Am Donnerstag soll der jüngere Sohn von König Charles III. (77) Berichten zufolge selbst als Zeuge aussagen. Insgesamt sind neun Wochen Verhandlungszeit vorgesehen.
Harry und seine Mitkläger behaupten, dass der Verlag Associated Newspapers Limited (ANL) illegale Recherchemethoden in Auftrag gegeben hat. Der Verlag bestreitet alle Vorwürfe.
Wanzen in Wohnungen und Autos?
Laut den Klägern sollen Journalisten unter anderem Privatdetektive beauftragt haben, Wanzen in Wohnungen und Autos ihrer mutmaßlichen Opfer anzubringen, um Material für Schlagzeilen zu finden. Außerdem sollen Telefongespräche abgehört sowie Krankenakten und Bankdaten unrechtmäßig eingesehen worden sein. Dies alles soll sich in den Jahren 1993 bis 2011 zugetragen haben.
Für Harry ist es schon die dritte Klage dieser Art. Er klagte bereits erfolgreich gegen den Verlag des «Daily Mirror» und einigte sich auf einen Vergleich mit dem Verlag der «Sun».
Harry führt regelrechten Kreuzzug
Im Prozess gegen den «Mirror-Verlag» saß er schon einmal im Zeugenstand – ein äußerst ungewöhnlicher Vorgang für ein Mitglied der britischen Königsfamilie. Die Royals vermeiden solche Auftritte, um nicht ungewollt noch mehr aus ihrem Privatleben offenbaren zu müssen. Daher gilt im Palast die Devise: «Never complain, never explain» («Nie beschweren, nie erklären»).
Doch der Prinz, der sich 2020 aus dem inneren Kreis der Royals löste und mit seiner Frau Herzogin Meghan (44) und den beiden gemeinsamen Kindern in den USA lebt, führt seit Jahren einen regelrechten Kreuzzug gegen die «Tabloid Press», wie die britische Boulevardpresse genannt wird. Er will eigenen Angaben zufolge zeigen, dass die illegalen Methoden System hatten.
Es könnte jedoch die endgültige Auseinandersetzung sein: Einerseits hat Harry die meisten Karten vor Gericht gespielt und das Potenzial für Klagen weitgehend ausgeschöpft. Andererseits wird auch darüber spekuliert, dass er eine Versöhnung mit seinem Vater anstreben könnte.
Harrys Beziehung zu seinem Vater galt lange als zerrüttet, aber es kam kürzlich zu einer ersten Annäherung. Im September 2025 besuchte Harry Charles im Londoner Clarence House. Berichten zufolge hatten Vater und Sohn sich seit etwa anderthalb Jahren nicht mehr gesehen – das Treffen war daher eine kleine Sensation.
2011 kam es zu einem Skandal
Dass einige britische Boulevardjournalisten damals nicht vor illegalen Methoden zurückschreckten, ist unumstritten. Ziel von Abhör- und Bespitzelungsaktionen waren nicht nur Prominente, sondern auch Verbrechensopfer und deren Angehörige. Im Jahr 2011 kam es zu einem Skandal um die Wochenzeitung «News of the World», die zum Medienimperium von US-Geschäftsmann Rupert Murdoch gehörte. Das Blatt wurde daraufhin eingestellt. Dass in ihrem Auftrag Prinz Harrys Telefon abgehört wurde, gestand der Verlag später ein.
Doch ob die Kläger auch im Verfahren gegen ANL Erfolg haben werden, gilt als fraglich. So widerrief ein wichtiger Zeuge frühere Aussagen, wonach er als Privatdetektiv im Auftrag der «Daily Mail» an illegalen Recherchemethoden beteiligt gewesen sein soll.
Was treibt Prinz Harry an?
Harry hat mehrmals betont, dass er die Verantwortung für den Tod seiner Mutter Prinzessin Diana im Jahr 1997 in Paris den Paparazzi zuschreibt, die sie und ihre Begleiter damals verfolgten. Er hat mehrmals angedeutet, dass er befürchtet, dass seiner Frau Meghan ein ähnliches Schicksal widerfahren könnte.
Auch für den Austritt aus dem engeren Kreis der Königsfamilie, den er und Meghan vor gut fünf Jahren vollzogen hatten, und das Zerwürfnis mit Angehörigen auf beiden Seiten macht er teilweise die Boulevardmedien verantwortlich, die ihm seit seiner Kindheit auf Schritt und Tritt folgen.








