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Kribbeln, Kugeln, Glamour: Nagelsmanns WM-Auslosung

Der Trump-Faktor ist bei der Glamour-Gala zur Auslosung der WM-Gruppen nicht zu übersehen. Für Julian Nagelsmann geht es aber nicht um Party oder Politik, sondern um seinen amerikanischen Traum.

Der WM-Pokal ist im kommenden Sommer das Objekt der Begierde (Archivbild).
Foto: Christian Charisius/dpa

Das «Kribbeln im Körper» ist da, wie Julian Nagelsmann zugibt. Die Anspannung steigt. Mit seiner Landung in Washington wird für den Bundestrainer der große WM-Auftrag konkret. Bei der Auslosung der erstmals zwölf Vorrundengruppen mit 48 Mannschaften geht es heute (18.00 Uhr/ZDF) im John F. Kennedy Center for the Performing Arts um den Turnierweg der Fußball-Nationalmannschaft im Sommer 2026. 

Nagelsmanns Lage: 

Der deutsche Fußball ist ein halbes Jahr vor dem Beginn der WM am 11. Juni noch immer von Unsicherheiten geprägt. Ist der Traum vom fünften WM-Titel realistisch? Die Qualifikation verlief holprig. Die Freude über die Aufnahme in den besten Lostopf mit den WM-Favoriten Argentinien, Spanien und Frankreich war riesig. Insgesamt sind acht Top-Teams und die drei Gastgeber als Gruppengegner ausgeschlossen.

Ungemütlich kann es dennoch werden. Von Kolumbien bis Japan, Norwegen und den Playoff-Italienern. Es sind viele Kontrahenten möglich, die WM-Stress auslösen können. Einen besonderen «Reiz» hätte für den Bundestrainer ein Premieren-Duell mit Außenseitern wie Usbekistan, Curacao oder Kap Verde.

Die logistische Konstellation ist mindestens genauso wichtig wie ein gutes Los des Gegners. Deutschland bevorzugt es, an der Ostküste oder im Mittleren Westen der USA zu spielen. Abhängig von der festgelegten Gruppenzugehörigkeit wird dies bei der Auslosung berücksichtigt, um keine langen Reisewege und eine gute Infrastruktur für das Team-Camp zu gewährleisten.

Die Regeln:

Die 42 bisher fest qualifizierten Teams wurden basierend auf ihrer Weltranglistenposition in vier Töpfe aufgeteilt. Die Gastgeber USA, Mexiko und Kanada wurden zusammen mit den neun besten Teams in Topf 1 platziert. Die 22 Mannschaften, die im März 2026 die restlichen WM-Teams in sechs Playoff-Pfaden ermitteln, sind zusammen mit den sechs am schlechtesten platzierten Teams als Platzhalter in Topf 4 in ihren jeweiligen Playoff-Gruppen.

Jedes Team wird einer der zwölf Gruppen zugelost. Teams aus derselben Konföderation können nicht gegeneinander spielen, außer in Europa. Dort werden in vier Gruppen jeweils zwei Teams sein und in den restlichen acht Gruppen jeweils ein Team.

Die FIFA wird die Anstoßzeiten der Gruppenspiele und die genauen Spielorte der Vorrunde erst am Samstag (18.00 Uhr/MEZ) bekannt geben. Der Weltverband arbeitet bis dahin an einem Plan, um sicherzustellen, dass möglichst alle Spiele zu günstigen Zeiten in den Heimatländern im Fernsehen übertragen werden können.

Deutschland wird also um die Mittagszeit oder am Nachmittag spielen – am deutschen Abend. Möglicherweise finden auch Spiele in Dallas, Atlanta und Houston statt, je nach Gruppenzugehörigkeit. Die Stadien dort verfügen über ein Dach und sind klimatisiert. Ein Anpfiff um 12.00 Uhr Ortszeit und somit um 19.00 Uhr in Deutschland wäre trotz großer Hitze kein Problem.

Die Show: 

Die FIFA ruft, und die Stars kommen. Heidi Klum moderiert, Robbie Williams, Nicole Scherzinger und Trumps Opern-Liebling Andrea Bocelli treten als musikalische Show-Acts auf. Und da auch noch die Village People den von Trump im Wahlkampf okkupierten Kultsong YMCA performen, könnte man den Eindruck bekommen, dass das Skript im Weißen Haus abgesegnet wurde.

Mit Kanadas Eishockey-Legende Wayne Gretzky ist auch ein Lospate auf der Bühne, der eine Nähe zum US-Präsidenten hat. Drei weitere Sport-Superstars komplettieren das Quartett, das die 48 Kugeln aus den vier Töpfen ziehen wird: Footballer Tom Brady, Basketballer Shaquille O’Neal und Baseballer Aaron Judge haben alle US-Sportgeschichte geschrieben.

Die Auszeichnung: 

Ist es nur ein Freundschaftsdienst? Oder eine ernst gemeinte politische Botschaft? Mit der von allen erwarteten Verleihung des neuen FIFA-Friedenspreises an Trump hat Gianni Infantino wieder einmal für einen Reizpunkt gesorgt. Die Kooperation von US-Präsident und FIFA-Chef ist vielfach kritisiert oder zumindest verwundert zur Kenntnis genommen worden.

Hat Trump den Preis verdient? Hat er die Welt vereint, wie es von Preisträgern erwartet wird? Noch ist gar nicht offiziell, dass dem 79-Jährigen die Ehrung zuteil wird, aber alle im FIFA-Dunstkreis reden darüber. Bekommt Trump den Preis nicht, wäre es jetzt ein Affront.

dpa