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Mehr Frust als Lust: Vizemeister VfB vermurkst den Start

Zwei Spiele, ein Punkt. Stuttgart kommt in der Liga noch nicht in Fahrt – und hat ein knackiges Programm vor sich. Nach dem 3:3 gegen Mainz gilt der Ärger der Defensivarbeit und dem Schiedsrichter.

Enttäuscht nach dem Remis gegen Mainz: Die Stuttgarter Anrie Chase (l.) und Josha Vagnoman.
Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa

Das Spektakel erinnerte phasenweise an die furiose Vorsaison des VfB Stuttgart. Eine große weiße Fan-Karawane zog vor dem Spiel zum Stadion, die Schwaben führten schnell mit 2:0 und Joker Fabian Rieder brachte die Arena mit seinem vermeintlichen Siegtor zum Beben – doch dann crashte Maxim Leitsch die Party und holte den Vizemeister mit dem Ausgleich in der Nachspielzeit zurück in die Gegenwart.

Das 3:3 (2:1) Unentschieden gegen den 1. FSV Mainz 05 am Samstag hat den Stuttgartern mehr Frust als Freude bereitet. Ihr Ärger richtete sich auch gegen Schiedsrichter Timo Gerach, aber sie sollten bei der Fehlersuche bei sich selbst anfangen. Der Start in die Fußball-Bundesliga-Saison ist misslungen. Nach zwei Spieltagen hat der VfB nur einen Punkt, muss defensiv dringend verbessern – und nach der Länderspielpause ein schweres Programm bewältigen.

Gladbach, Real und Dortmund warten

In Summe gehe es «in die richtige Richtung», meinte VfB-Trainer Sebastian Hoeneß. Auch Sportvorstand Fabian Wohlgemuth sieht die Stuttgarter «auf dem richtigen Weg». Natürlich könne man mit der bisherigen Ausbeute aber «nicht ganz glücklich» sein, räumte der 45-Jährige ein. Von den bisherigen vier Pflichtspielen in dieser Saison hat der VfB nur eines gewonnen – in der ersten Runde des DFB-Pokals mit 5:0 bei Preußen Münster. Der Sieg in der vergangenen Woche war wichtig nach den Niederlagen im Supercup in Leverkusen und zum Liga-Auftakt in Freiburg, der Zweitligist letztlich allerdings auch kein Gradmesser.

Die Stuttgarter müssen sich vor allem hinten schnell verbessern, damit aus dem Stotterstart kein kompletter Fehlstart wird. Die nächsten Gegner in der Bundesliga sind Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund, dazwischen steht das Champions League-Spiel gegen Real Madrid an. Es warten hohe Hürden. Trainer Hoeneß hat bereits angekündigt, dass man weiter an den defensiven Abläufen arbeiten wird. Denn dem Coach ist bewusst, dass sechs Gegentore in zwei Liga-Spielen zu viel sind – und nicht nur aufgrund von Personalmangel.

Defensivprobleme und Kontrollverlust

Die Abwehr, in der auch der 20-jährige Anrie Chase wieder von Anfang an ran durfte, sei «nicht immer sattelfest» gewesen, sagte Sportchef Wohlgemuth nach dem Remis gegen Mainz. Das Comeback des lange verletzten Außenverteidigers Josha Vagnoman in der zweiten Halbzeit war da schon mal ein Mutmacher. Wohlgemuth war aber auch aufgefallen, dass die Mannschaft wie in Freiburg phasenweise «das Spiel aus der Hand gegeben» hatte. Das hat weniger mit dem Personal zu tun, ist derzeit aber ein zentrales Problem des VfB. 

Nach den Treffern von Enzo Millot (8. Minute) und Jamie Leweling (15.) hätten die Stuttgarter möglicherweise frühzeitig die Partie entscheiden können. Sie verlangsamten jedoch das Tempo des Spiels – und ermöglichten den Mainzern so, wieder ins Spiel zu kommen. Nadiem Amiri per Foulelfmeter (43.) und Jonathan Burkardt (62.) sorgten für den Ausgleich. Rieder (88.) brachte den VfB wieder in Führung, der ebenfalls eingewechselte Leitsch (90.+4) schlug noch einmal zurück.

Ärger über strittige Schiedsrichter-Entscheidungen

Den ersten beiden Mainzer Toren waren strittige Szenen vorausgegangen, die Stuttgarter daher angefressen. «Zu wenig für einen Elfmeter» sei das gewesen, meinten Wohlgemuth und Hoeneß über das Duell zwischen Millot und Burkardt vor dem 1:2. Der Mainzer war zu Fall gekommen, weil er einen «Gehfehler» verpasst bekommen habe, wie er selbst schilderte. Vor dem 2:2 habe es ein Handspiel der Gäste gegeben, befanden die Schwaben. Der Referee habe «auch nicht seinen allerbesten Tag» gehabt, fasste Sportchef Wohlgemuth zusammen.

Wieder einmal gibt es viel Aufregung beim VfB, der sich nach einem erneuten Kaderumbruch im Sommer noch in der Findungsphase befindet und an seine neue Rolle als gejagter Vizemeister gewöhnen muss. Noch bereitet ihm dies mehr Frust als Lust.

dpa