Spezielle Systeme sollen Unfälle auf Schienen verhindern. Welche Technik in Deutschland bereits im Einsatz ist und welche Pläne die EU zwecks einer europäischen Vereinheitlichung verfolgt.
Mit welchen Sicherheitssystemen die Bahn arbeitet

Nach dem schweren Zugunglück im Süden Spaniens mit Dutzenden Toten stellt sich die Frage nach der Sicherheit in Deutschland. Eine zentrale Rolle spielen Zugbeeinflussungssysteme. Sie sorgen dafür, dass Züge zum Stehen kommen, wenn Signale nicht beachtet oder die zulässigen Geschwindigkeiten nicht eingehalten werden.
Sicherheitssysteme im deutschen Fern- und Nahverkehr
Laut einer Sprecherin sind im 33.000 Kilometer langen Netz der Deutschen Bahn seit 2018 alle Strecken mit einem Zugbeeinflussungssystem ausgestattet. Die Punktförmige Zugbeeinflussung (PZB) wurde flächendeckend installiert.
Das elektronische System basiert auf punktuellen Überprüfungen an bestimmten Stellen der Strecke durch Sensoren an Gleis und Fahrzeug. Wenn ein Zug ein Haltesignal überfährt, wird automatisch eine Zwangsbremsung eingeleitet. Zudem wird die Einhaltung der zulässigen Geschwindigkeit überwacht, um Kollisionen zu vermeiden. Laut einem Bericht der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung besteht jedoch die Möglichkeit, dass Lokführer die automatisch eingeleitete Zwangsbremsung unter bestimmten Umständen aufheben können.
Im Fernverkehr auf Hochgeschwindigkeitsstrecken wird die Linienzugbeeinflussung (LZB) bevorzugt eingesetzt. Im Unterschied zur punktförmigen Überwachung der PZB überwacht die LZB die gesamte Strecke. Der Zug wird kontinuierlich gesteuert. Laut der Bahn-Sprecherin wird das System auf etwa 8 Prozent des Streckennetzes verwendet.
Ziel ist ein digitales System in den EU-Ländern
Es gibt mehr als 20 verschiedene solcher Systeme in Europa. Diese sollen ersetzt und vereinheitlicht werden. Die Europäische Union plant, dass das European Train Control System (ETCS) als Standard die nationalen Sicherungssysteme ersetzt und den grenzüberschreitenden Verkehr sicherer und effizienter macht. ETCS überträgt Informationen wie Geschwindigkeit, Signalstellung und erlaubte Fahrwege digital und direkt in die Lokführer-Kabine. Das System überwacht die Geschwindigkeit und hält automatisch Sicherheitsabstände ein.
In Deutschland steht der Ausbau des ETCS jedoch noch am Anfang. Allianz pro Schiene kritisiert, dass Ende 2024 nur etwa 1,6 Prozent des Bundesschienennetzes mit dieser Technik ausgestattet waren. Der Interessenverband sieht das Ziel des Bundes, das gesamte Netz bis spätestens 2040 umzurüsten, in Gefahr. Zuletzt wurde bei der Sanierung von Bahnstrecken teilweise eine Doppelausrüstung mit ETCS und PZB vorgenommen – zum Beispiel bei der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim.








