Die Taliban haben in Afghanistan ein neues Strafgesetz erlassen, das Männern erlaubt, ihre Ehefrauen unter bestimmten Bedingungen körperlich zu bestrafen. Menschenrechtsorganisationen sprechen von einer Legalisierung häuslicher Gewalt und warnen vor einem weiteren massiven Rückschritt für die Rechte von Frauen im Land.
Neues Taliban-Gesetz sorgt für Empörung: Männer dürfen ihre Frauen schlagen

In Afghanistan haben die herrschenden Taliban einen neuen Strafrechtskodex verabschiedet, der international für Empörung sorgt. Der rund 90 Seiten umfassende Entwurf wurde vom obersten Führer der Islamisten, Hibatullah Akhundzada, unterzeichnet und an Gerichte im ganzen Land verteilt. Er enthält mehrere Bestimmungen, die Frauenrechte massiv einschränken und häusliche Gewalt faktisch legalisieren.
Gewalt gegen Ehefrauen und Kinder wird erlaubt
Ein zentrales Element des neuen Strafgesetzes ist Artikel 32, der Männern – vor allem Ehemännern – erlaubt, ihre Frauen und Kinder körperlich zu bestrafen, solange dabei keine Knochenbrüche oder offene Wunden entstehen. In solchen Fällen gilt die Tat nicht als strafbare Gewalttat. Erst bei sichtbaren schweren Verletzungen drohen dem Täter maximal 15 Tage Haft, und selbst dann müssen Opfer den Nachweis der Verletzung vor Gericht erbringen – unter Bedingungen, die es in der Praxis nahezu unmöglich machen, Gerechtigkeit zu erlangen.
Weitere Einschränkungen für Frauen
Der Gesetzestext sieht zusätzliche Bestimmungen vor, die die Autonomie von Frauen weiter beschneiden: So können Frauen, die ohne Zustimmung des Ehemanns das Haus verlassen oder Verwandte besuchen, mit bis zu drei Monaten Haft bestraft werden. Der Zugang zu Recht und Schutz wird erschwert, weil Frauen vor einem Gericht erscheinen müssen, das von männlichen Wächtern dominiert wird, und oft selbst von einem männlichen Verwandten begleitet werden müssen – womit der Täter bei häuslicher Gewalt häufig zugleich „Begleiter“ ist.
Internationale Kritik und Reaktionen
Menschenrechtsgruppen, Religionsvertreter und internationale Beobachter haben den neuen Strafkodex scharf verurteilt. Kritiker sehen in den Bestimmungen eine Institutionalisierung häuslicher Gewalt und eine weitere Erosion der Rechte von Frauen und Mädchen in Afghanistan. Prominente Stimmen – etwa der indische Autor und Social-Media-Aktivist Javed Akhtar – fordern religiöse und politische Führer weltweit dazu auf, die Regelungen zu verurteilen und nicht mit islamischer Lehre zu rechtfertigen.
Auch Menschenrechtsorganisationen warnen, dass der neue Kodex die rechtliche Grundlage für Gewalt in der Familie legitimiert und Frauen in rechtlicher und gesellschaftlicher Hinsicht weiter marginalisiert. Sie argumentieren, dass Afghanistan damit weiter von internationalen Standards der Gleichberechtigung abgetrieben werde.
Kontext: Rückschritt bei Frauenrechten
Seit der Rückkehr der Taliban an die Macht im Jahr 2021 hat sich die Lage für Frauen in Afghanistan kontinuierlich verschlechtert. Mädchen wurde wiederholt der Zugang zu weiterführender Bildung verwehrt, Frauen aus öffentlichen Ämtern ausgeschlossen, und ihre Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt – unter anderem durch Vorschriften, die eine männliche Begleitung in der Öffentlichkeit verlangen. Der neue Strafkodex reiht sich in diese Reihe restriktiver Maßnahmen ein und verstärkt den systematischen Ausschluss von Frauen aus vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens.
Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklung mit wachsender Besorgnis, doch konkrete Maßnahmen gegen die Taliban-Regierung blieben bisher begrenzt. Die neue Gesetzgebung dürfte den Druck auf Staaten und Menschenrechtsinstitutionen erhöhen, sich stärker mit der Lage in Afghanistan auseinanderzusetzen.








