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Deutsche Wirtschaft schwächelt stark, Prognosen gesenkt

Ifo und OECD erwarten nur 0,2% Wachstum in Deutschland, OECD sieht Weltwirtschaft unter Druck.

Die OECD erwartet deutlich weniger Wachstum für die deutsche Wirtschaft.
Foto: Markus Scholz/dpa

Handelskonflikte und ein schwacher Konsum belasten die deutsche Wirtschaft stärker als bisher angenommen. Sowohl das Ifo-Institut als auch die OECD haben ihre Prognosen deutlich gesenkt und auf zahlreiche Unsicherheiten hingewiesen. Die deutsche Konjunktur folgt somit dem Weltwirtschaftstrend – jedoch von einem sehr niedrigen Niveau, das in kaum einem anderen Industrieland zu finden ist. Auch Verbraucher werden dies bald zu spüren bekommen.

Deutschland ohne USA «erheblich ärmer»

Das Ifo-Institut hat seine Prognose für das Wachstum der deutschen Wirtschaft im laufenden Jahr auf 0,2 Prozent gesenkt. Im Winter hatten die Münchner Wirtschaftsforscher noch von 0,4 Prozent ausgegangen.

Der Rückzug der USA aus Europa und ihr Protektionismus bedeuteten, dass Deutschland «erheblich ärmer» sei, als es das sonst wäre, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. «Das bedeutet, dass uns nichts davor bewahren kann, entweder den Gürtel enger zu schnallen oder mehr zu leisten.» Nur mit Schulden lasse sich das Problem jedenfalls nicht aus der Welt schaffen.

Die Ifo-Experten erwarten erst im Jahr 2026 wieder ein leichtes Wachstumspotenzial von 0,8 Prozent. Alle Ifo-Werte beziehen sich auf das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt.

Im OECD-Vergleich sehr schwach

Im Ranking der OECD-Länder liegt Deutschland derzeit auf dem vorletzten Platz. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat die Prognose für das Wirtschaftswachstum Deutschlands im Jahr 2025 erneut deutlich gesenkt: Statt um 0,7 Prozent wird die Wirtschaftsleistung voraussichtlich nur um 0,4 Prozent steigen. Nur Mexiko steht noch schwächer da, das unter dem Handelsstreit von US-Präsident Donald Trump stark leidet.

Die OECD sieht jedoch nicht nur Deutschland unter Druck, sondern die gesamte Weltwirtschaft. Handelskriege und geopolitische Konflikte schaffen ein Klima, in dem Unternehmen weniger investieren und Verbraucher ihr Geld zurückhalten. Daher kommt der Konsum nicht in Gang, obwohl die Kaufkraft in vielen Ländern wieder gestiegen ist.

Die Fachleute der OECD haben aufgrund dieses Eindrucks ihre Prognosen für das weltweite Wirtschaftswachstum in diesem und im nächsten Jahr gesenkt. Besonders stark betroffen sein werden 2025 Mexiko und Kanada. Auch die USA zählen im nächsten Jahr zu den Ländern mit den größten Einbußen. Im Gegensatz dazu zeigt sich in Deutschland im nächsten Jahr ein positiver Trend: Die OECD prognostiziert ein Wachstum von 1,1 Prozent.

Preise dürften stärker steigen als erwartet

Die Zölle beeinträchtigen nicht nur das Wachstum, sondern erhöhen auch die Preise. Obwohl die Inflation in den meisten Ländern voraussichtlich erneut leicht zurückgehen wird, wird für Deutschland in diesem Jahr mit einer Teuerungsrate von 2,4 Prozent gerechnet – fast auf dem Niveau des Vorjahres. Im Dezember hatten sie noch mit 2,0 Prozent gerechnet.

Die Daten zeigen, dass vor allem im Dienstleistungssektor, wie Friseursalons und Kfz-Werkstätten, eine positive Entwicklung zu verzeichnen ist. Insbesondere Lohnabschlüsse könnten die Inflation in diesem Bereich antreiben.

Wie eine Trendwende gelingen könnte

Die OECD-Zahlen berücksichtigen die von den USA angekündigten Zölle gegen Kanada und Mexiko sowie mögliche Gegenmaßnahmen. Daher könnten die Prognosen deutlich positiver ausfallen, wenn es im Zollstreit zu einer Einigung kommt. In einer OECD-Modellrechnung mit geringeren Handelsbeschränkungen wurde festgestellt, dass vor allem Kanada, Mexiko und die USA profitieren würden, aber auch die G20-Nationen.

Fuest forderte in Bezug auf die Situation in Deutschland etwa, den Trend zu immer mehr Teilzeitarbeit zu stoppen – auch durch eine verbesserte Kinderbetreuung. Außerdem sollte es sich lohnen, mehr zu arbeiten.

Laut Ifo-Experte Timo Wollmershäuser werden die Zahlen des Ifo derzeit noch die Pläne der voraussichtlich künftigen Bundesregierung ausklammern. Die Regierung plant, hunderte Milliarden in Rüstung und Infrastruktur zu investieren. Wenn dies erfolgreich umgesetzt wird, gibt es laut Wollmershäuser deutliches Aufwärtspotenzial.

DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov sagte, das Milliardenpaket könne nur fruchten, wenn gleichzeitig strukturelle Reformen angegangen würden. «Verfahren vereinfachen und beschleunigen, Steuern und Kosten für wirtschaftliches Handeln in unserem Land reduzieren und die Verwaltungen effizienter machen.» Derlei Impulse müsse eine neue Regierung setzen. «Wieder oben mitzuspielen, auch im OECD-Ranking, das sollte unser Anspruch sein.»

dpa