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Ohne Geweih, doch mit Stimmgewalt: Bester Hirschrufer gekürt

Viele röhrten, einer überzeugte. Nach intensiven Rufduellen bei der Deutschen Meisterschaft der Hirschrufer hat die Jury ihren Favoriten gekürt.

Klang von allen Teilnehmern am besten wie ein Hirsch: Der Gewinner der Deutschen Meisterschaft der Hirschrufer, Thomas Soltwedel (links).
Foto: Max Lametz/dpa

Sie klingen mal kampfbereit und kraftstrotzend, mal schmachtend und paarungswillig – und stets sehr nah dran am Original: Bei der deutschen Meisterschaft der Hirschrufer auf der Messe «Jagd & Hund» haben in Dortmund in diesem Jahr knapp ein Dutzend Teilnehmer aus sechs Bundesländern um die Wette geröhrt. 

Am Ende konnte sich Thomas Soltwedel aus Dobbin-Linstow in Mecklenburg-Vorpommern gegen die Konkurrenz in den drei Disziplinen behaupten. Der Klang eines Hirsches variiert je nach Alter, Gemütsverfassung und Dauer der Brunft. Dieses Jahr mussten zwei gleichstarke Hirsche ein hoch erregtes Rufduell auf dem Höhepunkt der Brunft austragen. Zuvor wurden ein alter, suchender Hirsch und ein Platzhirsch vor weiblichen Tieren benötigt.

Die Sprache der Hirsche zu lernen ist anspruchsvoll

Zum Einsatz kommen bei den Hirschrufern Hilfsmittel wie Ochsenhörner, Glaszylinder oder Tritonmuscheln, die den Klang verstärken. Eine Jury aus Förstern, Jägern und Experten für Rotwild vergab die Punkte wie immer «blind»: Sie lauschten den Klängen der Wettbewerbsteilnehmer über Kopfhörer – ohne zu sehen, wer gerade als Hirschrufer antrat.

Das skurrile Spektakel soll das anspruchsvolle Handwerk der Lock- und Rufjagd lebendig halten: Erfahrene Hirschrufer können die Tiere so gut nachahmen, dass sie sie anlocken können. Der Wettbewerb wird seit 25 Jahren vom Jagdmagazin «Wild & Hund»mitorganisiert. 

Um die Sprache der Hirsche zu verstehen, benötigt man jahrelange Erfahrung und intensive Auseinandersetzung mit dem Verhalten und den Lebensgewohnheiten des Rotwildes, wie die Veranstalter betonen. Der Wettbewerb soll auch auf die problematische Situation des größten heimischen Wildtieres aufmerksam machen: In isolierten Populationen leidet das Rotwild oft unter Inzucht und gerät zunehmend unter Druck in seinem Lebensraum.

dpa