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Oxfam: Vermögen von Milliardären legt rasant zu

Debattenstoff für das Weltwirtschaftsforum in Davos: Oxfam macht sich Sorgen über die politische Macht der Reichsten.

Oxfam fordert höhere Steuern für die Reichsten. (Archivbild)
Foto: Hannes P Albert/dpa

Laut einem Bericht von Oxfam gibt es immer mehr Milliardäre auf der Welt, deren Vermögen kontinuierlich zunimmt. Die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation veröffentlichte diesen Bericht zum Beginn des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos.

Laut Oxfam besaßen die rund 3.000 Milliardärinnen und Milliardäre weltweit im vergangenen Jahr ein Vermögen von 18,3 Billionen US-Dollar (ungefähr 15,75 Billionen Euro). Seit 2020 wurden sie inflationsbereinigt um mehr als 80 Prozent reicher. Gleichzeitig lebt fast die Hälfte der Menschheit in Armut.

Dem Bericht liegen Daten aus verschiedenen Quellen zugrunde. So führte Oxfam etwa «Forbes»-Schätzungen zum Vermögen von Milliardären mit Daten der Weltbank und solchen aus dem UBS-Weltvermögensreport zusammen.

«Ära der Milliardäre»

Im Jahr zuvor sei das Vermögen der Milliardäre um ungefähr 16 Prozent gestiegen – und somit dreimal schneller als im Durchschnitt der Vorjahre, erklärt Oxfam. Die zwölf Reichsten hätten jetzt mehr Geld als die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung, das sind über vier Milliarden Menschen.

«Wir befinden uns in der Ära der Milliardär*innen – und das ist keine gute Nachricht für die Welt», kommentiert Charlotte Becker, die Vorständin von Oxfam Deutschland. Der Reichtum an der Spitze konzentriere sich in nie dagewesenem Tempo, allein im vergangenen Jahr hätten Milliardärinnen und Milliardäre 2,5 Billionen US-Dollar hinzugewonnen. «Das ist so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung besitzt», sagt Becker. 

Oxfam-Rechnung zu Elon Musk

Elon Musk, der reichste Mann der Welt, verdient laut Oxfam in vier Sekunden so viel wie ein Durchschnittsmensch in einem Jahr. Um sein Vermögen zu verringern, müsste er mehr als 4.500 Dollar pro Sekunde verschenken.

Weitere Berechnungen der Entwicklungsorganisation:

  • «Die vier reichsten Männer sind mehr wert als alle Kühe der Welt zusammen.»
  • «Die Milliardäre dieser Welt könnten mehr als 600 Milliarden Labubu-BlindBoxes kaufen – es würde fast sechs Millionen Jahre dauern, sie alle auszupacken.» (Blind Boxes sind zufällig verpackte Labubu-Sammlerfiguren.)
  • «Milliardäre verdienen durchschnittlich 6.000 Dollar während eines 20-minütigen Powernaps und 145.000 Dollar während eines achtstündigen Schlafs.»

Deutschland hat die viertmeisten Milliardäre

Auch in Deutschland ist die Anzahl der Milliardäre laut Oxfam im letzten Jahr signifikant gestiegen, und zwar um ein Drittel auf nun 172. Damit hat Deutschland weltweit die viertgrößte Anzahl an Milliardären. Ihr Gesamtvermögen ist ebenfalls inflationsbereinigt um etwa 30 Prozent auf 840,2 Milliarden US-Dollar gestiegen.

Insgesamt, so rechnet Oxfam, verdiene ein deutscher Milliardär in weniger als anderthalb Stunden das durchschnittliche Jahreseinkommen in Deutschland. Die Entwicklungsorganisation warnt, die große Lücke zwischen Arm und Reich sei auch hier «ein idealer Nährboden für antidemokratische Kräfte». Dem müsse die Bundesregierung mit höheren Steuern für die Reichsten entgegensteuern, forderte Oxfam. Zuletzt hatte die SPD eine höhere Steuer auf Erbschaften in Millionenhöhe vorgeschlagen, die Union lehnt das aber ab. 

Sorge wegen politischer Macht

Sorgen macht Oxfam, dass sich die Wirtschaftsmacht der Milliardäre deutlich sichtbar auch in politischer Macht niederschlage. Das sei etwa in den USA zu beobachten, und es höhle die Demokratie immer weiter aus, kritisiert Oxfams Deutschland-Chefin Becker. «Forbes» schreibt über den US-Präsidenten: «Donald Trump steht der lukrativsten Präsidentschaft in der amerikanischen Geschichte vor und hat sein Vermögen um Milliarden erhöht, vor allem durch den Handel mit Kryptowährungen.»

Laut dem Oxfam-Bericht haben 100 Milliardärsfamilien im vergangenen US-Präsidentschaftswahlkampf die Rekordsumme von 2,6 Milliarden Dollar investiert. Es ist etwa 4.000 Mal wahrscheinlicher, dass ein Milliardär ein politisches Amt bekleidet, als ein normaler Bürger. Sieben der zehn größten Medienhäuser sind ebenfalls zumindest teilweise im Besitz von Milliardären.

dpa