Umweltaktivisten wollen die Besetzung eines Waldes am Tesla-Werk nicht so schnell aufgeben. Die Polizei greift bislang nicht ein. Wird der Protest gegen den US-Autobauer Wochen dauern?
Proteste im Baumhaus gegen Tesla gehen weiter

Die Umweltschützer planen, das Waldstück in Grünheide bei Berlin weiter zu besetzen, um gegen den E-Autobauer Tesla zu protestieren. Einige Aktivisten beabsichtigen, die Nacht in den selbst gebauten Baumhäusern in einigen Metern Höhe zu verbringen. Die Tesla-Fabrik von Elon Musk befindet sich in der Nähe des Protestcamps im Kiefernwald. Die Polizei hat vorerst keine Pläne einzugreifen.
Mit der Besetzung will die Initiative «Tesla stoppen» eine Rodung des Waldstücks und eine Erweiterung des Tesla-Geländes verhindern. Zudem tobt ein Streit zwischen dem Unternehmen und dem zuständigen Wasserverband wegen einer Überschreitung von Abwassergrenzwerten.
Forderung an Brandenburgs Regierungschef
Die Bürgerinitiative Grünheide forderte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) auf, das Camp zu besuchen und mit den Besetzern zu sprechen. Am Donnerstag versammelten sich rund 100 Aktivisten im Wald bei der E-Autofabrik, darunter auch einige, die bereits an Protestaktionen im Hambacher Forst oder im Braunkohle-Dorf Lützerath teilgenommen hatten.
Waldbesetzer wollen ausharren
Sie haben angekündigt, dass sie längere Zeit in ihren Baumhäusern im Wald ausharren werden und nicht freiwillig gehen wollen. Die Polizei hat vorerst auch nicht die Absicht, das Camp aufzulösen. Die Proteste können bis Mitte März fortgesetzt werden, wie die Behörde am Donnerstag bekannt gab.
Die Umweltschützer kritisieren neben der geplanten Rodung von Wald unter anderem auch den Abbau von Lithium für Batterien. Sie werfen Tesla eine Gefährdung des Trinkwassers vor und schlechten Arbeitsschutz. «Saubere Autos sind eine dreckige Lüge» und «Wasser ist ein Menschenrecht» war auf Plakaten zu lesen.
Ostbeauftragter: Protest bei Planung mitdenken
Der Ostbeauftragte Carsten Schneider rät den Unternehmen, bei den Menschen vor Ort für sich zu werben, angesichts des Widerstands gegen Großfabriken wie Tesla. Laut Schneider sind Industrieansiedlungen auch in Ostdeutschland nicht mehr selbstverständlich. «Ich nehme da in Ostdeutschland eine Veränderung wahr», sagte der SPD-Politiker der dpa.
«Früher wurde praktisch jedes Großprojekt begrüßt, solange es nur Arbeitsplätze brachte. Jetzt gibt es vereinzelt auch mal Widerstände. Das muss man bei der Planung künftig mitdenken.» Die Erweiterungspläne des US-Elektroautobauers waren bei einem Bürgerentscheid in der betroffenen Gemeinde Grünheide vor einigen Tagen mehrheitlich abgelehnt worden.
Wasserverband beruft Sitzung ein
Heute wird der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) bei einer außerordentlichen Versammlung darüber beraten, ob die Abwasserentsorgung bei Tesla eingestellt werden soll. Denn Tesla hat bestimmte Abwassergrenzwerte nach offiziellen Messungen überschritten. Der Landkreis Oder-Spree sieht jedoch keine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung, wie er auf Anfrage mitteilte.
Gemäß der dpa lag der Phosphorwert seit der Inbetriebnahme der Tesla-Fabrik vor fast zwei Jahren fünfmal über dem behördlichen Grenzwert, vier Überschreitungen wurden im Rahmen des Vertrags mit dem Wasserverband Strausberg-Erkner festgestellt. Die Werte basieren auf eigenen Messungen von Tesla, die dem Landkreis vorliegen.








