Bali lockt jedes Jahr Millionen Urlauber. Verkehrschaos, Müll und schlechtes Benehmen bereiten Ärger. Nun sollen Finanznachweise und strengere Einreiseregeln Abhilfe schaffen. Aber wie?
Qualität statt Masse: Bali plant Geldnachweis für Touristen

Wer nach Bali reist, braucht bislang vor allem Lust auf Strand, Tempel und tropisches Lebensgefühl – und nur wenige formale Nachweise. Das könnte sich bald ändern: Künftig müssen ausländische Besucher möglicherweise Kontoauszüge, Rückflugtickets und detaillierte Reisepläne vorlegen. Die balinesische Provinzregierung arbeitet an einer neuen Verordnung, mit der sie den Tourismus auf der Insel stärker regulieren will – im Namen eines «Qualitäts-Tourismus».
Der Gouverneur Wayan Koster erklärte, dass die Regierung sicherstellen möchte, dass Reisende in der Lage sind, ihren Aufenthalt finanziell vollständig zu bestreiten. Wer nur über ein Budget für sieben Tage verfügt, solle entsprechend auch nur eine Woche bleiben.
Mehr Respekt, weniger Exzesse
Der Gouverneur von Bali betont seit geraumer Zeit, dass die Insel hauptsächlich Besucher anziehen soll, die Respekt für die lokale Kultur und religiösen Traditionen mitbringen.
Immer wieder machen andere Bilder Schlagzeilen: Touristen, die spärlich bekleidet in Tempeln posieren, betrunken Roller fahren oder sich in Bars mit «Bucket Drinks» zudröhnen – hochprozentigen Mixgetränken, die in Eimern serviert werden und besonders in Partyhochburgen wie Kuta oder Seminyak beliebt sind.
«Es ist wichtig festzulegen, welche ausländischen Touristen einreisen dürfen und welche nicht, damit die Besucher keine Probleme verursachen, sondern einen positiven Beitrag zum Tourismussektor leisten», sagte Koster laut der staatlichen Nachrichtenagentur Antara. «Künftig werden wir uns auf Qualitäts-Tourismus und nicht nur auf Besucherzahlen konzentrieren.»
Gemäß dem aktuellen Entwurf müssten ausländische Touristen bei der Einreise Banknachweise der letzten drei Monate, einen bestätigten Rückflug sowie Angaben zur Dauer und Art ihres Aufenthalts vorlegen. Eine konkrete Mindestsumme wurde bisher nicht genannt. Die Behörden möchten insbesondere überprüfen, ob die verfügbaren Geldmittel zum Reiseplan passen.
Was ist bisher für die Einreise nötig?
Die neuen Bestimmungen würden auch Reisende betreffen, die derzeit visafrei oder mit Visum bei Ankunft nach Indonesien einreisen – wie Staatsbürger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die meisten Touristen beantragen mittlerweile das Visum vorab als elektronisches e-VoA, was die Formalitäten bei der Ankunft zuletzt erheblich erleichtert hatte.
Zurzeit ist unklar, ob die geplanten Nachweise am Flughafen von Denpasar durchgeführt werden sollen oder in den Visa-Prozess vor der Abreise integriert werden sollen. Letzteres hält etwa der frühere Vize-Tourismusminister Sapta Nirwandar für die bessere Lösung: «Wenn die Touristen einmal auf der Insel angekommen sind, wäre die Überprüfung der Bankdaten am Flughafen schwierig», sagte er.
Viele Probleme durch Massentourismus
Bali zählt zu den beliebtesten Reisezielen Südostasiens: Surfer-Strände, Vulkane, hinduistische Tempel, Yoga-Retreats und vergleichsweise günstige Preise sowie die gut ausgebaute touristische Infrastruktur begeistern Besucher aus aller Welt. Nach Angaben der Provinzverwaltung kamen 2025 rund 7,1 Millionen internationale Gäste auf die «Insel der Götter» – bei einer Einwohnerzahl von nur etwas mehr als vier Millionen.
Die Probleme nehmen mit steigenden Besucherzahlen zu: Staus sind an vielen Orten alltäglich, die Menge an Müll steigt, Wasser wird knapp in der Trockenzeit. Für viele langjährige Bali-Fans hat sich die Trauminsel unter dem Druck des Massentourismus in einen Alptraum verwandelt.
Die Behörden berichten wiederholt von Vorfällen mit ausländischen Touristen, die ihr Visum überziehen, illegal arbeiten oder sich respektlos gegenüber Einheimischen und religiösen Traditionen verhalten. In einigen Fällen wurden Geldstrafen oder medizinische Rechnungen nicht beglichen. Als Reaktion darauf führten die Behörden Abschiebungen durch.
Die Einnahmen aus der Touristensteuer von rund acht Euro, die seit zwei Jahren von jedem Ausländer vor der Einreise bezahlt werden müssen, entsprachen bisher nicht den Erwartungen, so Koster. Denn ob tatsächlich bezahlt wurde, wird in der Regel nicht überprüft, da es noch keine festen Kontrollpunkte gibt.
Zweifel an der praktischen Umsetzung
Experten im Tourismus betonen, dass Kontoauszüge allein nicht ausreichen, um die tatsächliche Zahlungsfähigkeit zu beurteilen. Es ist möglich, dass Gelder auf verschiedenen Konten liegen oder kurzfristig verfügbar sind. Auch Fragen zum Datenschutz und zur Privatsphäre werden erörtert.
Vertreter der Hotel- und Gastronomiebranche auf Bali warnen auch vor Zurückhaltung, da es sich um einen frühen Entwurf handelt. Öffentliche Diskussionen über unvollendete Regeln könnten Unsicherheit auf internationalen Märkten verursachen – und von konkurrierenden Reisezielen genutzt werden, warnte beispielsweise der Hotel- und Restaurantverband PHRI Bali.
Die geplanten Änderungen werden laut Provinzregierung in Kürze dem Regionalparlament vorgelegt und – falls zugestimmt wird – noch in diesem Jahr umgesetzt. Reisende sollten vorerst wachsam bleiben und sich vor der Abreise über mögliche neue Einreisebestimmungen informieren.








