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Skandalöser Missbrauchsprozess in Frankreich, 72-jähriger Rentner und 50 mutmaßliche Mittäter vor Gericht

Angeklagte riskieren bis zu 20 Jahre Haft für Vergewaltigung von Frau, die über Jahre betäubt wurde und nichts davon mitbekam.

Das Opfer will den Angeklagten im Gerichtssaal in die Augen blicken.
Foto: Christophe Simon/AFP/dpa

Ein Rentner (72) in Avignon steht mit 50 mutmaßlichen Mittätern vor Gericht, weil er seine Frau mit Medikamenten betäubt und von dutzenden Männern vergewaltigen lassen haben soll. Es handelt sich um einen erschütternden Missbrauchsprozess.

Die Angeklagten im Prozess, der auf vier Monate angesetzt ist, könnten für den angeblichen Missbrauch, der über etwa zehn Jahre stattgefunden haben soll, bis zu 20 Jahre Haft drohen. Die frühere Ehefrau, die mittlerweile geschieden ist, kam mit ihren drei Kindern in den Gerichtssaal. „Sie möchte den Angeklagten in die Augen sehen“, sagte ihre Anwältin dem Sender TF1.

Angeklagte aus allen Schichten der Gesellschaft

Die Angeklagten, von denen 18 in Untersuchungshaft sind, waren zur Tatzeit zwischen 21 und 68 Jahre alt. Es handelt sich um Männer, die ein breites Spektrum der Gesellschaft repräsentieren – darunter Klempner, Kraftfahrer, Journalisten und Unternehmer – und die bisher wenig Kontakt mit der Justiz hatten.

Laut Anklage soll der Rentner den Kontakt zu ihnen über eine Onlineplattform für Sexualkontakte hergestellt haben. Er soll von den Männern kein Geld verlangt haben, sondern es ging ihm angeblich um die Befriedigung seiner sexuellen Fantasien.

Der Sender France Info berichtete, dass die meisten der Angeklagten die Taten zugegeben hätten. Eine Minderheit habe jedoch behauptet, dass sie nicht gewusst hätten, dass das Opfer unter Drogen gestanden habe und sie geglaubt hätten, die Frau würde nur so tun, als würde sie schlafen. Ein Verteidiger, der sechs der Angeklagten vertritt, betonte, dass die Männer jede Vergewaltigungsabsicht bestritten und davon ausgingen, dass es sich um ein Sexspiel des Paares handelte.

Der langjährige Missbrauch wurde erst entdeckt, als der Rentner bei Filmaufnahmen unter den Röcken von Supermarktkundinnen festgenommen wurde. Bei einer Durchsuchung fanden die Ermittler auf seinem Computer Hunderte Videos der Taten. Laut den Aufnahmen wurden 72 Männer an der Frau straffällig, von denen jedoch nicht alle von der Polizei identifiziert werden konnten. Sogar an ihrem Geburtstag wurde die Frau angeblich missbraucht.

Frau klagte über Gedächtnislücken und Müdigkeit

Die Frau bemerkte den langjährigen Missbrauch nicht, da ihr Mann sie stark mit Medikamenten beeinflusste. Sie litt jedoch schon lange unter Gedächtnislücken und extremer Müdigkeit. Trotz vieler Arztbesuche konnten Ärzte keine Verbindung zwischen ihren kognitiven, neurologischen und gynäkologischen Problemen feststellen, möglicherweise auch, weil ein solches Verbrechen für unmöglich gehalten wurde. Freunde des Paares befürchteten sogar, dass die Frau an Alzheimer erkrankt sei.

Als die Polizei sie über die Taten informiert habe, sei dies eine «absolut schreckliche Tortur» gewesen, sagte der Rechtsbeistand der Rentnerin. Inzwischen habe sie mithilfe ihrer Kinder und Enkelkinder ihr Leben wieder in die Hand genommen, nachdem sie lange Zeit gedacht habe, an einer schweren Krankheit zu leiden.

[Skandalöser Missbrauchsprozess in Frankreich, 72-jähriger Rentner und 50 mutmaßliche Mittäter vor Gericht],[Angeklagte riskieren bis zu 20 Jahre Haft für Vergewaltigung von Frau, die über Jahre betäubt wurde und nichts davon mitbekam.]

 

dpa