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Russlands Ölexporte übersteigen Vor-Krieg-Niveau – Einnahmen sinken dennoch

Russland exportiert trotz westlicher Sanktionen mehr Öl als vor Beginn des Ukraine-Kriegs. Laut aktuellen Analysen liegen die Ausfuhrmengen über dem Niveau von 2021 – gleichzeitig sinken jedoch die Einnahmen deutlich, weil Moskau erhebliche Preisnachlässe gewähren muss.

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Foto: NF24 / KI

Im vierten Jahr des Kriegs in der Ukraine exportiert Russland mehr Rohöl als vor Beginn des Kriegs 2022, trotz umfangreicher westlicher Sanktionen. Laut einer aktuellen Analyse der Denkfabrik Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) lag das Exportvolumen im Jahr 2025 rund sechs Prozent über dem Niveau von 2021, dem letzten vollständigen Jahr vor der Invasion.

Mehr Volumen trotz Sanktionen

Die Untersuchung zeigt, dass Russland den Absatz seiner Rohölexporte auch unter Druck steigern konnte. Insgesamt wurden im Zeitraum von zwölf Monaten bis Februar 2026 rund 215 Millionen Tonnen Rohöl ausgeführt, was etwa sechs Prozent über dem Vergleichszeitraum bis Februar 2022 liegt. Hauptabnehmer sind laut CREA weiterhin China, Indien und die Türkei.

Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung ist, dass Russland seine Exporte umstrukturiert hat, um Sanktionshindernisse zu umgehen: Etwa durch eine sogenannte „Schattenflotte“ aus oft schlecht versicherten, älteren Tankern und durch Umleitung von Lieferungen über Drittländer, wodurch westliche Maßnahmen teilweise ausgehebelt werden.

Einnahmen deutlich rückläufig

Trotz der höheren exportierten Mengen sackten die Einnahmen aus dem Ölgeschäft jedoch deutlich ab. Die CREA-Daten zeigen, dass Russland im betrachteten Zeitraum rund 18 Prozent weniger Einnahmen aus dem Verkauf seines Rohöls erzielte als im Vorjahr. Hauptursache sind laut Experten Tiefe Preisabschläge, die Moskau seinen Kunden zugestehen muss, damit diese weiterhin russisches Öl abnehmen – etwa weil es aufgrund der Sanktionen schwieriger und teurer ist, Transport und Versicherungen zu organisieren.

Zudem liegen die Erlöse trotz des gesteigerten Exportvolumens unter dem Niveau von vor Kriegsbeginn, was auf die negative Wirkung der Preisabschläge und verschärften Regulierungen zurückgeführt wird.

Logistik und globale Märkte

Neben dem Schiffsverkehr spielt auch der Ausbau von Exportwegen über verschiedene Seegebiete – etwa Baltische, Schwarzes Meer und Fernost-Häfen – eine Rolle bei der Aufrechterhaltung hoher Ausfuhrmengen. Laut einer Monitorstudie wurden in einigen Seehäfen im Januar 2026 sogar Rekordmengen verschifft, obwohl der internationale Druck auf Russland weiter steigt.

Internationale Reaktionen und Ausblick

Die fortgesetzten hohen Exportmengen werfen ein Schlaglicht auf die Herausforderungen, denen sich Sanktionen im Energiesektor gegenübersehen: Zwar können Mengen weiterhin relativ stabil gehalten werden, doch die finanziellen Erträge schmelzen ab. Westliche Staaten, insbesondere die EU und das Vereinigte Königreich, verschärfen ihre Maßnahmen – etwa durch weitere Sanktionsrunden oder gezielte Restriktionen gegen Betreiber der Schattenflotte –, um den Druck auf Russland weiter zu erhöhen.

Die Kombination aus starkem Exportvolumen bei gleichzeitig sinkenden Einnahmen unterstreicht die komplexen Effekte der internationalen Sanktionspolitik auf Russlands wichtigste Einnahmequelle. Beobachter erwarten, dass die Debatte über weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Öl-Exporte angesichts des anhaltenden Kriegs und drohender EU-Restriktionen weiter an Intensität gewinnen wird.

bh
Quellen: n-tv.de