Deutscher Städtetag sieht Neustart als Chance für nachhaltige Konzepte, während 16 Filialen geschlossen werden.
Galeries Karstadt Kaufhof: 76 Filialen bleiben erhalten

Der Deutsche Städtetag sieht den Erhalt von voraussichtlich 76 Filialen bei Galeria Karstadt Kaufhof als gute Nachricht für die Kommunen und die Mitarbeiter der Häuser. «Wir haben den Eindruck, dass mit diesem Neustart außerhalb der Signa-Gruppe jetzt wirklich eine Zeit nachhaltiger Konzepte für die Standorte beginnt», sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy der dpa. Trotzdem seien es «bittere Nachrichten» für die Standorte, die nicht gerettet werden könnten. Die geplanten Schließungen würden hart für die betroffenen Städte und die Beschäftigten in den Filialen.
Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern plant, 16 seiner 92 Filialen zu schließen. Dies wurde von der Deutschen Presse-Agentur aus Unternehmenskreisen erfahren. Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus wird heute Details zu den betroffenen Standorten und zum Zeitplan bekannt geben. Von den rund 12.800 Mitarbeitern, die noch bei dem insolventen Unternehmen beschäftigt sind, sollen 11.400 ihre Stelle behalten. 1.400 Mitarbeiter müssen demnach gehen.
Zukunftsfähiges Konzept gemeinsam mit Städten finden
Dedy betonte, zukunftsfähige Konzepte für die Häuser fänden sich am besten gemeinsam mit den Städten. Helfen würde den Städten, wenn sie grundsätzlich ein Vorkaufsrecht für alle Grundstücke im Stadtgebiet hätten. «Für eine positive Innenstadtentwicklung können wir es uns nicht leisten, dass Grundstücke jahrelang brachliegen. Die Innenstädte in großen und auch kleineren Städten attraktiv zu halten und wieder neu zu beleben, bleibt eine Herausforderung mindestens für dieses Jahrzehnt.»
Experte Johannes Berentzen von der Handelsberatungsfirma BBE zeigte sich skeptisch. Mit der Schließung der 16 Häuser seien die großen Herausforderungen der verbleibenden Häuser und des Galeria-Geschäftsmodells nicht gelöst, sagte er der dpa. Es gehe um mehr Unternehmertum vor Ort, Investitionen in die Fläche, in Personal und in die Verknüpfung von Online- und Offlinewelt. Zusätzlich müssen Strukturen und Prozesse in den Zentralfunktionen angepasst werden. «Ich bin sehr skeptisch, dass Zeit und Geld ausreichen für diese Mammutaufgabe», sagte der BBE-Geschäftsführer.
Dritte Insolvenz innerhalb von dreieinhalb Jahren
Der Einzelhandelskonzern hatte zu Beginn des Jahres einen Antrag auf Insolvenz gestellt. Dies ist bereits die dritte Insolvenz innerhalb von dreieinhalb Jahren. Galeria-Chef Olivier Van den Bossche nannte damals die Insolvenzen der Signa-Gruppe des bisherigen Eigentümers René Benko als einen Grund für die schwierige Situation. Die Schieflage der Signa-Gruppe hatte direkte Auswirkungen: Die Finanzmittel für die Sanierung der Warenhauskette, die zuvor im Zuge der Insolvenz von Benko zugesagt worden waren, wurden nicht mehr bereitgestellt.
Van den Bossche und Denkhaus erklärten im Januar, dass die Suche nach einem neuen Eigentümer und der Erhalt von Galeria ihre Ziele seien. Das Unternehmen gab bekannt, dass es mit mehreren potenziellen Investoren verhandelte. Seit Anfang April ist bekannt, dass ein Konsortium aus der US-Investmentgesellschaft NRDC und der Gesellschaft BB Kapital SA des Unternehmers Bernd Beetz die Kaufhauskette übernehmen möchte.








