Der harte russische Winter wird seinem Ruf gerecht. Die Hauptstadt Moskau und besonders die fernöstliche Halbinsel Kamtschatka kämpfen mit Schneemassen. Es gibt auch Tote und andere schwere Folgen.
«Schnee-Apokalypse» in Russland – Tote auf Kamtschatka

Derzeit sind weite Teile Russlands von eisigen Temperaturen und Schneemassen mit teils tödlichen Folgen geprägt. Die fernöstliche Halbinsel Kamtschatka, die auch oft von starken Erdbeben und Tsunami-Gefahr erschüttert wird, erlebt gerade einen Jahrhundertwinter.
Seit Tagen gilt in der Pazifikregion der Ausnahmezustand. Russische Medien berichten von einer «Schnee-Apokalypse» mit eingeschneiten Häusern und Autos, Versorgungsengpässen und auch Opfern. In der Hauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski wurden laut Behörden zwei Männer von Schneemassen, die von Dächern zu Boden krachten, erschlagen.
Meteorologen bezeichnen die aktuellen Schneefälle als die heftigsten seit rund 30 Jahren. Innerhalb weniger Tage fiel so viel Schnee wie normalerweise in Monaten. Sowohl Studenten als auch Soldaten sind mobilisiert, um den Menschen in Not zu helfen. Einige Bewohner waren von den Schneemassen eingeschlossen; insbesondere ältere Menschen konnten sich nicht selbst befreien.
Helfer schaufeln eingeschneite Häuser frei
Die tagelangen Niederschläge vorige Woche brachten stellenweise bis zu fünf Meter hohe Schneeverwehungen an Häusern, wie Medien berichten und Videos zeigen. «Nicht alle können solch eine Situation alleine durchstehen», sagt der Student Pawel Scherebkin in einem Video des lokalen Nachrichtenportals «Kamtschatka Sergodnja», während er die Wege zu Häusern freischaufelt. Aber täglich kämen mehr Helfer hinzu. «Wir kommen mit den Folgen des Zyklons klar.»
„Wissenschaftler sagen, dass die extremen Bedingungen auf wiederkehrende Zyklone über dem Pazifik zurückzuführen sind, die große Mengen an Feuchtigkeit mit sich bringen. Aufgrund der kalten Luft und der komplexen geografischen Gegebenheiten Kamtschatkas wird diese Feuchtigkeit in reichlich schweren Schnee umgewandelt.“
Die Einwohner Kamtschatkas sind in ganz Russland bekannt für ihre besondere Härte und Geduld im Umgang mit den Extremen der bei Touristen beliebten Halbinsel, die viele aktive Vulkane hat. Im Jahr 2023 fiel über den bereits hohen Schnee auch noch eine Aschedecke nach dem Ausbruch des Riesenvulkans Schiwelutsch. Laut Vulkanologen handelte es sich damals um den größten Ascheregen seit 60 Jahren.
In den sozialen Medien sind viele Videos von den teilweise bedrohlichen Bedingungen im Umlauf. Man sieht eine Frau, die ihr Fenster öffnet und mit einem Eimer durch den Schnee grabt, den sie dann in die Badewanne kippt. In einem anderen Video sitzen zwei Männer in einem Auto unter einem meterhohen Schneeteppich. Sie haben einen langen Tunnel zum Fahrzeug gegraben.
Auch Gebäude, an denen nicht nur der Eingang, sondern auch die ersten Etagen eingeschneit sind, sind vielerorts zu sehen. Laut örtlichen Medien verließen einige Bewohner ihre Wohnungen über das Fenster, da sie sich nicht selbst von den Schneemassen befreien konnten.
Gouverneur räumt Versorgungsengpässe ein
Gouverneur Wladimir Solodow hat bei einer Krisensitzung angeordnet, dass wichtige Straßen und Kreuzungen schnellstmöglich geräumt werden sollen, nachdem es Beschwerden über Chaos und Versorgungsengpässe gegeben hatte. „Die Situation ist kritisch“, sagte er. Es sei notwendig, Hauseingänge freizumachen und den Müll wegzubringen – viele Container können aufgrund der Schneemassen nicht genutzt werden. Auch Ampeln und Verkehrsschilder müssen laut ihm freigeschaufelt werden. Er geht davon aus, dass die Arbeiten noch mehrere Tage dauern werden.
Solodow zeigt sich in seinem Telegram-Kanal während eines Besuchs in einem Supermarkt. Es gibt seit Tagen Probleme mit Obst und Gemüse, da keine Lieferwagen fahren können oder Gewächshäuser eingeschneit sind. Der Politiker hört sich Berichte über Hamsterkäufe an. Der Leiter des Supermarkts habe ihm erzählt, dass einige Leute 120 Brötchen auf einmal gekauft hätten, um sie dann anderswo gewinnbringend weiterzuverkaufen.
Gezeigt wird aber auch, dass es Eier, Milch und in der hauseigenen Bäckerei gebackenes Brot gebe. Es ist der Versuch einer Antwort auf die ebenfalls kursierenden Videos von leeren Regalen und vielen Klagen von Bewohnern in entlegenen Orten, dass es nichts mehr zu essen gebe. Solodow wies an, die Versorgung mit Brot, Milch und Eiern sowie Treibstoff überall sicherzustellen – und drohte Verantwortlichen mit «Konsequenzen», sollten sie versagen.
«Der vorübergehende Mangel an einigen Waren in einigen Geschäften ist ausschließlich auf den Zustand der Infrastruktur zurückzuführen», sagte der Gouverneur. Betroffen seien kleine Läden. Sobald die Zufahrten und Eingänge freigeschaufelt seien, seien auch wieder Lieferungen möglich. Die Produktion der Lebensmittel laufe jedenfalls ununterbrochen.
Schneechaos verbreitet in Russland – auch Moskau kämpft
Die Situation bleibt angespannt bei niedrigen Minustemperaturen. Schulen sind geschlossen und haben teilweise auf Fernunterricht umgestellt. Räumfahrzeuge sind rund um die Uhr im Einsatz, um die letzten Straßen freizubekommen.
Die Eltern in Petropawlowsk-Kamtschatski wurden von der Stadtverwaltung aufgefordert, ihre Kinder nicht auf die Straßen zu lassen. Die Warnung besagt, dass sie von Schneemassen von Dächern oder riesigen Eiszapfen erschlagen werden könnten. Solodow kritisierte, dass es bisher oft keine Warnschilder gebe. «Das geht gar nicht», sagte er. Das Problem gibt es fast überall in Russland. Immer wieder gibt es deshalb Todesfälle.
Auch in Moskau, der Hauptstadt, die auch Rekordniederschläge verzeichnete, sind bis heute Einsatzkräfte auf den Dächern unterwegs, um den Schnee zu räumen. Am 9. Januar sprachen Meteorologen von einem der heftigsten Schneestürme in den letzten 146 Jahren der Wetteraufzeichnung.
Bei den Schneeräumarbeiten auf den Dächern sind ganze Bürgersteige gesperrt. In der Stadt fahren überall Lastwagen, um die Schneemassen an sichere Orte zu transportieren. Sogar am Roten Platz, dem Machtzentrum des Riesenreichs, türmen sich Berge von Schnee an der Kremlmauer und an der Basiliuskathedrale. Der Abtransport lässt auf sich warten.
Es gibt keine Entspannung in Sicht. Meteorologen haben für die kommende Woche auch weiterhin Temperaturen von um die minus 20 Grad Celsius für die Hauptstadt angekündigt.








