Ein Kind wird an Silvester durch Pyrotechnik schwer verletzt, mutmaßlich durch eine illegale Kugelbombe. Polizei-Gewerkschafter bekräftigen ihre Forderung nach einem Böllerverbot.
Schwerstverletztes Kind in Berlin – illegale Kugelbombe?

Unfallmediziner in Berlin berichten von einem durch illegale Böller schwerstverletzten Kind. «Weitere 5 Bölleropfer wurden zu uns ins UKB gebracht. Darunter ein dramatischer Fall eines Kindes mit vermuteter Kugelbomben-Verletzung», schrieb das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in einem Post auf der Plattform X. Eine Hand des Kindes sei vollständig zerstört, und am Körper müssten weitere tiefe Verletzungen versorgt werden. Zunächst hatte der RBB berichtet.
Im letzten Jahr wurde bereits ein siebenjähriger Junge in Berlin lebensgefährlich verletzt, als er von einer Kugelbombe getroffen wurde. Nach einer Notoperation musste er zahlreiche weitere Eingriffe über sich ergehen lassen. Der Junge ist heute schwer gezeichnet und kämpft um seine Genesung.
Kugelbomben oder Feuerwerkskugeln enthalten verschiedene pyrotechnische Mischungen und können mehrere Kilogramm wiegen. Aufgrund der großen Menge an Explosivmasse und ihrer komplexen Funktionsweise sind die Kugeln in Deutschland nicht für den Allgemeingebrauch, sondern ausschließlich für staatlich geprüfte Pyrotechniker zugelassen. Der Name leitet sich von der kugelförmigen Form ab. Die mit den pyrotechnischen Mischungen gefüllte Hülle erzeugt bei der Explosion Lichteffekte am Himmel.
Brauchen «Pyrotechnikverbot für den Privatgebrauch»
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin fordert angesichts erneuter Feuerwerksexzesse zu Silvester ein Böllerverbot. «Wir brauchen ein Pyrotechnikverbot für den Privatgebrauch», sagte Benjamin Jendro, Sprecher der GdP, im RBB-Inforadio. Es müsse sich was an den Rahmenbedingungen verändern. Sonst würde man in einem Jahr erneut über schlimme Ausschreitungen sprechen.
Jendro bestätigte, dass es in der vergangenen Silvesternacht ruhiger als noch im Vorjahr war – dennoch sei man immer noch weit entfernt von einem aus polizeilicher Sicht hinnehmbaren Zustand. «Wir können nicht von einer normalen oder friedlichen Silvesternacht sprechen», sagte er. Es habe zahlreiche Angriffe mit Böllern, Batterien und Raketen auf Einsatzkräfte gegeben. «Das darf niemals Normalität werden.»
Man erlebe als Polizist im Silvestereinsatz eine Szenerie, wo man von überall beschossen werde, führte Jendro aus. «Das macht natürlich auch was mit Menschen.» Es fehle an einer wirklichen Handhabe, um Täter hart zu bestrafen und so andere potenzielle Täter abzuschrecken. «Wir sind nicht vollzugsfähig», betonte er. Die Realität sehe so aus, dass viele Täter nie eine Anklagebank sehen würden. Wenn dann mal einer verurteilt wird, gebe es «drei Stunden Brabbelkreis und Delfin-Therapie».
«Existierende Gesetze anwenden»
Der Berufsverband Rettungsdienst äußert Zweifel, ob Strafverschärfungen für Angriffe auf Helfer abschreckend wirken. Es gebe bereits entsprechende Gesetze für hohe Strafen, die aber nicht angewendet würden, sagte der Verbandsvorsitzende Frank Flake den Zeitungen der Funke Mediengruppe über die schon jetzt geltende Rechtslage. Bis es zu Prozessen komme, dauere es Monate, manchmal Jahre, «bis dahin ist das Geschehene schon fast vergessen».
Das mögliche Strafmaß, das schon jetzt bei bis zu fünf Jahren liege, werde fast nie ausgereizt. «Den Vorschlag, jetzt den Strafrahmen zu erhöhen, halte ich deshalb für wenig zielführend», sagte Flake. «Es würde reichen, wenn wir die existierenden Gesetze anwenden.»
Bundesjustizministerium will härter vorgehen
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hat kurz vor Silvester den geplanten Gesetzentwurf zum verbesserten Schutz von Polizisten, Feuerwehrleuten und Rettungskräften präsentiert. Dieser beinhaltet strengere Mindeststrafen für Angriffe auf diese Gruppen.
Gemäß dem Justizministerium werden in Zukunft Freiheitsstrafen von mindestens sechs anstelle von bisher mindestens drei Monaten verhängt. In besonders gravierenden Fällen soll die Mindeststrafe von einem Jahr anstelle von bisher sechs Monaten drohen.
Auch in dieser Silvesternacht gab es in verschiedenen Städten in Deutschland erneut Angriffe auf Einsatz- und Rettungskräfte. In Berlin wurden von der Polizei 35 verletzte Beamte registriert, darunter 2 so schwer, dass sie in Krankenhäusern stationär behandelt werden mussten.








