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Deutschland scheitert im Halbfinale der Heim-EM an übermächtigen Dänen

Deutschlands Handballer verlieren gegen Dänemark und spielen um Bronze und ein Direktticket für die Olympischen Sommerspiele in Paris.

Aus der Traum vom Finale: Juri Knorr und die DHB-Auswahl mussten sich Dänemark knapp geschlagen geben.
Foto: Tom Weller/dpa

Deutschlands Handballmannschaft hat eine Sensation verpasst und ist im Halbfinale der Heim-EM an den übermächtigen Dänen gescheitert. Die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason hat nach großem Kampf gegen den skandinavischen Titel-Favoriten mit 26:29 (14:12) verloren und wird voraussichtlich am Sonntag (15.00 Uhr) gegen Schweden um die Bronzemedaille spielen.

Das Drei-Kronen-Team musste sich im Halbfinale zunächst den Franzosen mit 30:34 geschlagen geben – kurz danach legten die Skandinavier jedoch Protest gegen die Wertung ein. Wenn es zu einem Duell zwischen dem DHB-Team und Schweden kommt, geht es nicht nur um Bronze, sondern auch um ein Direktticket für die Olympischen Sommerspiele in Paris. Es steht noch keine Entscheidung fest.

Deutschland strebt nach seinem dritten Titel bei Europameisterschaften, nachdem es 2004 in Slowenien triumphierte und vor acht Jahren in Polen einen Goldrausch erlebte. Trotzdem hat das DHB-Team, bei dem Renars Uscins mit fünf Toren bester Werfer war, erstmals seit fünf Jahren wieder die Möglichkeit, eine Medaille zu gewinnen. Damals verlor Deutschland das kleine Finale gegen Frankreich bei der Heim-WM und wurde Vierter.

Deutschland zaubert in der Anfangsphase

Gislason hatte von seiner Mannschaft «das beste Spiel der letzten Jahrzehnte» gefordert, seine Spieler hofften auf einen «magischen Tag». Und tatsächlich versprühte die deutsche Sieben im Kölner Hexenkessel zunächst einen gewissen Zauber. Die Abwehr mit dem Innenblock-Duo Johannes Golla und Julian Köster stand kompakt, die Chancenverwertung war deutlich verbessert – und Dänemark wirkte gegen auftrumpfende DHB-Profis ideenlos.

Deutschland war aufmerksam und zwang das nordeuropäische Star-Ensemble, bestehend aus den Füchse-Profis Hans Lindberg und Mathias Gidsel, zu vielen technischen Fehlern. Die dominante Handballmacht Dänemark geriet ins Wanken und die Zuschauer begleiteten jeden ihrer Angriffe mit lautem Pfeifen.

Häfner abgereist, Kastening krank

Deutschland behielt seine knappe Führung, jedoch beging es immer mehr Fehler im Angriffsspiel, ohne den angeschlagenen Rechtsaußen Timo Kastening und den aus privaten Gründen bereits abgereisten Routinier Kai Häfner. Wie immer konnte man sich in dieser schwachen Phase auf Torhüter Andi Wolff und die deutschen Abwehrspieler verlassen, die immer wieder den Ball von Dänemark stahlen. Zweieinhalb Minuten vor der Halbzeit baute das DHB-Team seinen Vorsprung erstmals auf drei Tore aus. Die Halle war außer sich.

Zur Halbzeit lobte der DHB-Sportvorstand Axel Kromer den Mut der deutschen Mannschaft. Er sagte: «Wahnsinnig intensiv, emotional, gnadenlos in der Abwehr und Renars Uscins ist wie Phönix aus der Asche gekommen», und befand, dass der U21-Weltmeister viele erfolgreiche Akzente setzte.

Emil Nielsen in Höchstform

Deutschland verlor seinen Mut unmittelbar nach der Halbzeit und Dänemark drehte das Spiel. Der Weltmeister konnte nicht komplett entkommen, dank des einmal mehr überragend parierenden Wolff. Das DHB-Team erholte sich kurzzeitig und die Abwehr bewegte sich erstklassig. In der Kölner Arena blieb niemand mehr sitzen.

Keeper Emil Nielsen auf der dänischen Seite zeigte jetzt seine beste Leistung und vereitelte einen deutschen Angriff nach dem anderen. Die Mannschaft von Gislason kämpfte, wirkte jedoch erschöpft. Die Bewegungen waren nicht mehr so flüssig wie in der ersten Halbzeit. Rund 14 Minuten vor Spielende ging der Top-Favorit erstmals mit drei Toren in Führung. Der Olympia-Zweite gab diesen Vorsprung nicht mehr ab und zerstörte somit die deutschen Träume von einer Goldmedaille bei der Heim-EM.

dpa