Die riesige Überraschung ist perfekt: Bielefeld schlägt im DFB-Pokal auch Doublesieger Leverkusen. Erstmals seit 2001 steht wieder ein Drittligist im Endspiel. Bayer droht eine titellose Saison.
Sensationell ins Pokalfinale: Arminia wirft Leverkusen raus
Der Drittligist Arminia hat Titelverteidiger Bayer Leverkusen aus dem DFB-Pokal geworfen und zum ersten Mal das Finale in Berlin erreicht. Mit einem 2:1-Sieg besiegten die Ostwestfalen die hochfavorisierte Mannschaft von Startrainer Xabi Alonso an einem denkwürdigen Fußballabend auf der Bielefelder Alm.
Nach einem harten Kampf zog Bielefeld erstmals in seiner Vereinsgeschichte ins Finale ein. Marius Wörl (20. Minute) und Maximilian Großer (45.+3) erzielten vor 26.601 Zuschauern die bejubelten Tore für den krassen Außenseiter. Die Arminia-Fans feierten eine historische Party-Nacht.
Leverkusen droht nun Saison ohne Titel
Zum ersten Mal seit dem 1. FC Union Berlin im Jahr 2001 steht wieder ein Club aus der dritten Liga im Finale. Am 24. Mai wird die Arminia entweder gegen den VfB Stuttgart oder RB Leipzig in Berlin spielen, die sich am Mittwoch im zweiten Halbfinale messen (20.45 Uhr/ZDF und Sky).
Bayer 04 droht nach dem Double im letzten Jahr eine titellose Saison. In der Bundesliga liegt Leverkusen sechs Punkte hinter dem FC Bayern München. Die Rheinländer sind bereits aus der Champions League ausgeschieden. Ohne ihren verletzten Superstar Florian Wirtz fehlte es den Leverkusenern in der Offensive an Durchschlagskraft. Bayer zeigte sich seltsam uninspiriert und leistete sich ungewohnte Unaufmerksamkeiten in der Abwehr. Nur Jonathan Tah erzielte ein Tor für die Werkself (17.).
Ausgelassene Stimmung schon lange vor dem Spiel
Die Atmosphäre in Bielefeld war seit Tagen elektrisiert. Die Fans stimmten sich mit einem Fanmarsch und Pyrotechnik auf den Abend ein. Sie zogen an prächtig geschmückten Häusern vorbei, die mit Fahnen und Schals dekoriert waren. Sowohl die Bielefelder als auch die Leverkusener Fans begrüßten die Mannschaften mit aufwändigen Choreografien.
«Wir müssen den letzten Schweißtropfen auf dem Platz lassen», sagte Bielefelds Trainer Mitch Kniat vor dem Spiel bei Sky. Von Beginn an entwickelte sich ein packender Pokalfight. Leverkusen übernahm die Kontrolle, Bielefeld hielt mit viel Einsatz dagegen. Dennoch nutzten die Gäste eine Ecke zur frühen Führung. Alejandro Grimaldo flankte, Amine Adli verlängerte und Nationalverteidiger Tah traf aus kurzer Distanz.
Arminia zeigt extrem starke Reaktion auf frühen Rückschlag
Wer jedoch dachte, dass Leverkusen damit Arminia den Mut genommen hätte, sah sich getäuscht. Fast sofort glich Bielefeld aus. Bayers Piero Hincapie legte ungewollt vor und Wörl traf präzise ins Eck. Für den 20-Jährigen war es bereits der dritte Treffer im Wettbewerb.
Und die Gastgeber machten weiter: Schon Noah Sarenren Bazee hatte das 2:1 auf dem Fuß. Der Stürmer scheiterte aber frei an Bayer-Keeper Lukas Hradecky, der erstmals in dieser Pokalsaison den Vorzug vor Matej Kovar erhielt. Kurz vor der Pause wurde die Alm dann endgültig zum Tollhaus. Louis Oppie schlug einen perfekten Freistoß und Großer drückte den Ball im Sprung über die Linie. «Was ist hier Los?», brüllte der Stadionsprecher ungläubig ins Mikrofon.
Bayer 04 fehlt Kreativität
Auch nach der Unterbrechung fand Leverkusen nicht zu seinem Spiel. Bayer 04 konnte kaum Geschwindigkeit in seine Aktionen bringen und suchte vergeblich nach Lücken in der gut organisierten Bielefelder Defensive. Nervös lief Alonso in seiner Coachingzone auf und ab. Der Spanier versuchte immer wieder korrigierend einzugreifen. Es half nicht.
Bielefeld war dem dritten Tor lange näher als Leverkusen dem Ausgleich. Erst in der Schlussphase kamen die Gäste zu gefährlicheren Abschlüssen. Bielefelds Torwart Jonas Kersken und der Pfosten retteten jedoch der Arminia den knappen Vorsprung.