Die DHB-Riege setzte sich im Halbfinale gegen Kroatien durch und sicherte sich eine Medaille. Im Finale am Sonntag warten Dänemark oder Island.
Deutschlands Handballer greifen nach EM-Gold

Deutschlands Handballer sind auf dem Weg zum EM-Gold. Die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason besiegte im Halbfinale den Angstgegner Kroatien mit 31:28 (17:15) und hat somit ihre erste Medaille bei einer Europameisterschaft seit dem Titel 2016 sicher. Im Endspiel am Sonntag wird der Olympia-Zweite entweder auf die dänischen Überflieger um Welthandballer Mathias Gidsel oder auf den Außenseiter Island treffen.
Vor 15.000 Zuschauern in Herning, Dänemark, war Lukas Zerbe mit sechs Treffern der beste Torschütze des DHB-Teams. Es war der erste Pflichtspielsieg der deutschen Auswahl gegen das Team von Ex-Bundestrainer Dagur Sigurdsson seit 2019. Deutschland gewann zwei Testspiele in der unmittelbaren Vorbereitung auf die EM.
Durch das Erreichen des Finales hat die DHB-Mannschaft bereits eine Gesamtprämie von 430.000 Euro gesichert. Wenn Deutschland zum dritten Mal Europameister wird, steigt sie auf 575.000 Euro.
Sigurdssons Ausraster heizt Stimmung an
Für Sigurdsson war es eine ganz spezielle Partie, führte er Deutschland 2016 doch sensationell zum Titel. Aus dem aktuellen DHB-Kader waren damals schon Andreas Wolff, Jannik Kohlbacher und Rune Dahmke mit dabei. «Für 60 Minuten pausiert die Freundschaft», hatte Kohlbacher angekündigt.
Spätestens nach Sigurdssons Ausraster am Vorabend gab es keinen Zweifel daran. In einer Schimpftirade prangerte der 52-Jährige die enge Spieltaktung und Reisestrapazen für sein Team an. Im Gegensatz zu Deutschland spielte Kroatien zuletzt zwei Partien an zwei aufeinanderfolgenden Tagen und musste am spielfreien Donnerstag von Schweden nach Dänemark reisen. Die EHF kündigte Änderungen der Spielpläne für zukünftige Turniere an.
Wolff ist sauer – und pariert
In der Anfangsphase war vor allem bei Wolff Wut zu spüren, der regelmäßig seine Vorderleute zusammenstauchte. Ohne den weiterhin kranken Abwehrchef Tom Kiesler zeigte Deutschland große Lücken und ermöglichte den Kroaten einige einfache Tore vom Kreis. Auch aus dem Rückraum knallte die Mannschaft von der Adria die Harzkugel ein ums andere Mal an Wolff vorbei – besonders der langjährige Bundesligaprofi Ivan Martinovic.
Wolff glich die eigenen Ballverluste im Angriffsspiel zunächst mit Paraden aus, so dass es nach einer Viertelstunde 7:7 stand. Deutschland hatte insgesamt Probleme mit der offensiven Deckung des WM-Zweiten. Obwohl Spielmacher Knorr in der ersten Halbzeit viel Torgefahr ausstrahlte, agierte er ab und zu zu verspielt.
Justus Fischer block und blockt und blockt
Nachdem Wolff bis zur Halbzeit acht Paraden gemacht hatte, sah Gislason keinen Grund, einen Torwartwechsel vorzunehmen. Dank einer starken Defensivleistung zog Deutschland auf 20:16 davon. Die zu Beginn noch lautstarken kroatischen Fans verstummten in dieser Phase. Und bei der DHB-Mannschaft lief plötzlich alles reibungslos. Besonders Kreisläufer Justus Fischer stach mit drei Blocks innerhalb weniger Sekunden heraus.
«Wie geil verteidigen wir denn da bitte gerade», schwärmte Handball-Ikone Stefan Kretzschmar bei Dyn. Beim 26:19 eine Viertelstunde vor Spielende glaubten nur noch die Wenigsten an ein kroatisches Handball-Wunder. Auch, weil Deutschlands Außenspieler Lukas Mertens und Lukas Zerbe nahezu fehlerfrei spielten.
In der Endphase traten erneut einige Fehler im deutschen Spiel auf, aber die DHB-Auswahl ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen.








