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Psychiater warnt: Vierfachmörder von Solingen hochgefährlich für die Gesellschaft

Der 40-jährige Angeklagte ist ein langjähriger Drogenkonsument und hat bereits umfassend gestanden. Sein Motiv war "Stress mit der Vermieterin".

Die Anwältin sieht Hinweise auf eine rechtsradikale Motivation. (Archivbild)
Foto: Federico Gambarini/dpa

Laut dem psychiatrischen Gutachter Professor Pedro Faustmann ist der mutmaßliche Vierfachmörder von Solingen äußerst gefährlich und sollte in Sicherungsverwahrung genommen werden. Der 40-jährige Mann sei ein langjähriger Drogenkonsument und habe trotz mehrfacher Entgiftungstherapien zuletzt weiterhin große Mengen Amphetamine konsumiert. Aufgrund seiner Gewöhnung sei dies im Alltag jedoch nicht erkennbar gewesen.

Der mutmaßliche Mörder und Brandstifter hat bereits umfassend gestanden. Bei dem von ihm entfachten tödlichen Feuer am 25. März vergangenen Jahres starb in Solingen eine bulgarische Familie im Dachgeschoss – die 28 und 29 Jahre alten Eltern und ihre beiden Töchter im Alter von drei Jahren sowie wenigen Monaten. Als Motiv gab der Angeklagte «Stress mit der Vermieterin» an. Ihm war wegen Mietrückständen gekündigt worden.

«Zerstörung von Orten» seiner Vergangenheit

Die Brandstiftungen hätten weniger den betroffenen Menschen gegolten, sondern seien eher eine «Zerstörung von Orten» seiner Vergangenheit, sagte der Psychiater. Der Solinger habe die Brandstiftungen mit viel Energie und großem Aufwand vorbereitet, die Brandsätze sehr penibel hergestellt. 

«Es geht um ihn selbst, um seine Selbststabilisierung», erläuterte der Psychiater vor Gericht. Dies sei «in hohem Maße gefährlich». Die Kriterien für eine Sicherungsverwahrung seien erfüllt. 

Unzufriedenheit mit sich selbst

Der Angeklagte hat Ausbildungen abgebrochen und in den letzten Jahren nicht gearbeitet. Seine Unzufriedenheit mit sich selbst habe er an Spielautomaten ausgeglichen. Bestimmte Dinge nehme er überempfindlich wahr. Der Psychiater konnte jedoch keine psychische Erkrankung feststellen. Daher sei er voll schuldfähig, so sein Verteidiger.

Laut dem Psychiater war „die Trennung seiner Eltern ein Bruch in seiner Biografie“, der ihn als Grundschüler aus seiner vertrauten Umgebung in Solingen nach Mecklenburg-Vorpommern katapultierte. Dort geriet er in die Drogenszene.

Der deutsche Angeklagte hat zugegeben, neben mehreren Brandlegungen auch eine Macheten-Attacke durchgeführt zu haben, bei der er einen Bekannten lebensgefährlich verletzte, indem er ihm mehrmals auf den Kopf schlug. Der 40-Jährige steht in Wuppertal vor Gericht, angeklagt wegen vierfachen Mordes und Mordversuchen an bis zu 21 Personen. Der Prozess wird am nächsten Montag fortgesetzt.

dpa