Spanien gegen Frankreich: Das Gigantenduell bei der EM hat es in sich. Der Deutschland-Bezwinger beweist seine Klasse und erreicht das Finale. Teenager Yamal trägt sich in die Rekordbücher ein.
Spanien jubelt über EM-Finale – Yamal jüngster Torschütze

Spanien hat nicht nur Deutschland besiegt, sondern auch Frankreichs Minimalisten-Fußballer. Der Junior-Künstler Lamine Yamal will sich nun zum EM-Rekordsieger krönen. Im Halbfinale besiegte die Mannschaft von Nationaltrainer Luis de la Fuente den zweimaligen Titelträger mit dem endlich von der Maske befreiten Kylian Mbappé mit 2:1 (2:1).
Spanien strebt nach 1964, 2008 und 2012 den vierten EM-Triumph an. Im Finale am Sonntag in Berlin wollen sich die spanischen Fußball-Artisten um den jüngsten EM-Torschützen Yamal, der vor rund 65.000 Zuschauern in München mit gerade einmal 16 Jahren und 362 Tagen den Ausgleich erzielt hatte, auch nicht von England oder den Niederlanden entzaubern lassen.
Imposante Frankreich-Serie endet
Das frühe Tor der Franzosen durch den ehemaligen Frankfurter Randal Kolo Muani in der 9. Minute beunruhigte die Spanier in dem sommerlichen München nicht besonders. Yamal mit einem fantastischen Schuss (21.) und der Leipziger Dani Olmo (25.) brachten der Equipe Tricolore die erste K.o.-Niederlage nach 90 Minuten seit 2014. Damals war im WM-Viertelfinale Endstation gegen den späteren Titelträger Deutschland (0:1) gewesen.
Wenn das aufregende und spannende Viertelfinale zwischen EM-Gastgeber Deutschland und Spanien (1:2 nach Verlängerung) das vorgezogene Finale war, was war dann dieses Halbfinale der Iberer gegen Frankreich? Ebenfalls nichts weniger als ein vorgezogenes Finale. Ein Knaller mit sehenswerten Toren und hoher Intensität. Von Anfang an.
Mbappé, der Superstar, spielte zum ersten Mal ohne Maske, nachdem er sich bei der französischen Eröffnung gegen Österreich (1:0) das Nasenbein gebrochen hatte. Der neue Star von Real Madrid wirkte befreit und stellte den bereits 38-jährigen Jesus Navas – neben Nacho und dem Leipziger Olmo einer von drei Neulingen in der Startelf der La Roja – auf der rechten spanischen Abwehrseite vor eine schwierige Aufgabe.
Dauerpfiffe gegen Cucurella
Marc Cucurella auf der linken Seite erlebte eine Nervenprobe. Der Außenverteidiger mit dem mächtigen Lockenkopf wurde bei jedem Ballkontakt deutlich hörbar ausgepfiffen. Warum? Das hatte mit dem Deutschland-Aus zu tun.
Viele Fans waren verärgert über das Handspiel des Abwehrspielers des FC Chelsea im Viertelfinale. Cucurella hatte einen Schuss von Jamal Musiala mit der nicht direkt am Körper anliegenden Hand geblockt. Trotzdem wurde kein Elfmeter gegeben. Spanische Anhänger reagierten auf die Pfiffe und starteten mehrmals Cucurella-Sprechchöre.
Der erste Jubelschrei gehörte jedoch Frankreich, das mit einem soliden Fußballansatz und zuvor nur drei Toren im Turnier gekämpft hatte. Eine Flanke von Mbappé wurde von Kolo Muani aus fünf Metern mit dem Kopf versenkt – es war der Beginn eines spannenden Fußballabends.
Yamal schießt sich in EM-Rekordbücher
Die Spanier konterten mit einem genialen Moment von Supertalent Yamal, dessen Traumtor aus 25 Metern den linken Innenpfosten touchierte und im Kasten des machtlosen Schlussmanns Mike Maignan landete.
Das Juwel des FC Barcelona löste mit 16 Jahren den Schweizer Johan Vonlanthen als jüngsten EM-Torschützen ab. Vonlanthen war 2004 bei seinem Treffer beim 1:3 der Schweiz gegen Frankreich 18 Jahre und 141 Tage alt gewesen. Yamal wird einen Tag vor dem Endspiel in Berlin am Sonntag (21.00 Uhr) 17.
Olmos Botschaft
«Ich fühle mich gut, die Mannschaft fühlt sich gut. Wir wollen eine klare Botschaft an unsere Fans senden: Nämlich dass wir Zuversicht haben und gut spielen wollen», sagte Dani Olmo vor dem Start in das Gigantenduell.
Der Spieler aus Leipzig, der mit einem Tor und einer Vorlage gegen Deutschland entscheidend war, bestätigte seine mutigen Aussagen auch auf dem Spielfeld. Ein abgefälschter Flankenball von Jesus Navas landete im Sechzehner direkt vor seinen Füßen. Selbst der rechte Außenverteidiger Frankreichs, Jules Koundé, konnte den kräftigen Schuss kurz vor der Torlinie nicht mehr abwehren.
Deschamps-Wechsel ohne Wirkung
Spanien behielt auch nach dem Wechsel weitgehend die Kontrolle über die Franzosen. Besonders gefährlich wurde die Equipe Tricolore nach Standards. Die Kopfbälle von Aurélien Tchouaméni (53.) oder Dayot Upamecano (63.) setzten Torhüter Unai Simon jedoch nicht unter Druck. Der Schuss von Mbappé (56.) aus acht Metern auf das Tor des spanischen Schlussmanns war schon eine Seltenheit.
Didier Deschamps musste handeln. Schließlich kam der wahlspanische Antoine Griezmann, der Frankreich bereits im Alter von 14 Jahren verlassen hatte, aber diesmal zunächst auf der Bank Platz nehmen musste, anstelle von Ousmane Dembélé. In der Offensive fiel ihnen jedoch weiterhin nicht viel ein. Frankreich hoffte vergeblich auf einen genialen Moment von Mbappé.








