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Tempo 30 in Städten: Weniger Unfälle und sichere Straßen

Eine niedrigere Geschwindigkeit reduziert Unfälle und erhöht die Lebensqualität in Innenstädten, wie Studien zeigen.

Eine neue Studie beleuchtet die Wirkung von Tempo-30-Zonen auf Straßen. (Symbolbild)
Foto: Jörg Carstensen/dpa

Laut einer Studie führt Tempo 30 auf Straßen zu weniger Unfällen, und trotz der geringeren Geschwindigkeit dauert die Fahrt in der Regel kaum länger. Dies wurde von der Björn-Steiger-Stiftung mitgeteilt, die nach einer Untersuchung von 14 Städten zu dem Schluss kommt: Eine flächendeckende Einführung einer solchen Geschwindigkeitsbegrenzung hat das Potenzial, Innenstädte sicherer, gesünder und lebenswerter zu machen.

Laut eigenen Angaben hat die Björn-Steiger-Stiftung Studien ausgewertet, die Innenstädte mit Tempo-Limits wie Berlin, Belfast, Graz, Helsinki, London und Toronto betrachtet haben. Graz in Österreich habe bereits 1992 als erste europäische Großstadt beschlossen, dass auf 80 Prozent ihres Straßennetzes nicht schneller als 30 Stundenkilometer gefahren werden dürfe. Seither haben auch andere Städte nachgezogen. Nicht immer sind Autofahrer begeistert.

Wie wirkt sich Tempo 30 auf das Unfallrisiko aus?

In Berlin werden laut der Senatsverwaltung für Verkehr oft Tempolimits vor Grundschulen und Kindergärten sowie an Unfallhäufungsstellen eingeführt, um die Kinder zu schützen. Diese Maßnahmen dienen auch dem Schutz der Nachtruhe. Kritik gab es jedoch auch für die Aufhebung von 30er-Zonen auf einigen Abschnitten in der Hauptstadt.

Laut der Björn-Steiger-Stiftung hat eine geringere Geschwindigkeit einen positiven Einfluss auf die Sicherheit. Die Wahrscheinlichkeit für tödliche Verletzungen eines Fußgängers bei einem Zusammenstoß mit einem Fahrzeug, das etwa 24 Kilometer pro Stunde (km/h) fährt, beträgt 3,5 Prozent – bei 49,9 km/h liegt sie bereits bei 37 Prozent.

In Graz sei die Anzahl der Unfälle zwei Jahre nach Einführung der Regelung um 12 Prozent gesunken, in Bologna in Italien ein Jahr nach Einführung des Tempolimits im Großteil des Stadtgebiets um 13 Prozent. In Edinburgh in Schottland sei die Anzahl der Verletzten bei Unfällen innerhalb von drei Jahren um 43 Prozent gesunken. In allen betrachteten Städten nahm daher die Anzahl der Unfälle, Verletzten und Getöteten ab.

Brauchen Autofahrer länger?

Es wurde auch überprüft, ob mit der Einführung von Tempo 30 weniger Fahrzeuge unterwegs waren. Rückgänge wurden beispielsweise in Edinburgh und Bologna festgestellt. Allerdings lagen keine belastbaren Ergebnisse für alle untersuchten Gebiete vor, wie es in der Studie der Stiftung steht, die sich um moderne Nothilfe und lebensrettende Projekte kümmert.

Werden Autofahrer länger unterwegs, wenn nur noch 30 erlaubt sind? Die Studie zeigt eine Analyse von GPS-Daten im Vereinigten Königreich auf, die besagt, dass sich die Fahrtzeiten nach der Einführung in Wohngebieten um drei Prozent und im Stadtzentrum um fünf Prozent erhöhten. Dies führt zu einer Zunahme der Reisezeit von weniger als einer Minute auf einer fünf Meilen (rund 8 Kilometer) langen Strecke.

Was sind Schlussfolgerungen?

«Insgesamt erweist sich die Einführung von Tempo 30 als wirkungsvoller Hebel für die Stadtentwicklung», sagte der Leiter der Björn-Steiger-Unfallforschung, Siegfried Brockmann. «Sie verbessert die Verkehrssicherheit, reduziert Emissionen und Lärmbelastung und steigert gleichzeitig die Lebensqualität.»

Brockmann forderte die Städte in Deutschland auf, die Möglichkeiten der Straßenverkehrsordnung konsequenter zu nutzen: «An hochfrequentierten Schulwegen und vor Zebrastreifen muss grundsätzlich Tempo 30 gelten.»

Was sagen andere Studien?

Das Umweltbundesamt hatte in einer Studie von 2023 festgestellt, wegen der deutlich positiven Wirkungen auf die Lärmentlastung und die Verkehrssicherheit sei es sinnvoll, «Tempo 30 als innerörtliche Regelgeschwindigkeit einzuführen». 2024 bekamen Städte und Gemeinden vom Bund mehr Spielraum für die Einrichtung von Tempo-30-Zonen.

Die Umwelthilfe beklagt auf ihrer Webseite, bisher gebe es in Deutschland auf Hauptverkehrsstraßen nur vereinzelt Tempo-30-Anordnungen und dann auch nur auf kurzen Strecken oder zu bestimmten Zeiten. Das reiche nicht aus, um positive Effekte zu erzielen. «Deswegen fordern wir bundesweit Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in geschlossenen Ortschaften.»

dpa