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Suche nach «la bellezza» – Modeschöpfer Valentino ist tot

Jahrzehntelang verzauberte er die Modewelt mit seinen Kreationen. Bei dem italienischen Star-Designer Valentino Garavani drehte sich alles um Schönheit. Vor allem aber verehrte er schöne Frauen.

Valentino ist im Alter von 93 Jahren in Rom gestorben.
Foto: Claudio Onorati/epa/ANSA/dpa

Star-Designer Valentino beherrschte beide Königsdisziplinen der Modewelt: Sowohl die Haute Couture, also die gehobene Schneiderkunst mit extravaganten Elementen, als auch Prêt-à-porter, die tragfertige Kleidermode. Hauptsache das Kleidungsstück war schön. Kaum etwas lag dem italienischen Modeschöpfer so sehr am Herzen wie «la bellezza» – die Schönheit. «Ich liebe einfach die Schönheit – ich kann nichts dafür», sagte er einmal. Nun ist Valentino im Alter von 93 Jahren in Rom gestorben, wie seine Stiftung mitteilte.

Mit Vornamen bekannt geworden

Valentino war über viele Jahrzehnte ein fester Bestandteil der Modewelt. Er zählte zu den renommiertesten und erfolgreichsten Designern weltweit. Sein Modehaus stand im Wettbewerb mit Größen wie Giorgio Armani, Christian Dior, Coco Chanel sowie den Familien Gucci und Prada. Sie alle teilten den großen Erfolg. Während jedoch die anderen mit ihren Nachnamen als Markennamen bekannt wurden, schaffte Valentino dies mit seinem Vornamen. Nur wenigen dürfte sein Nachname etwas sagen.

Geboren wurde der extrovertierte Modemacher als Valentino Garavani im norditalienischen Voghera. Früh interessierte er sich für Mode. Erste Inspirationen als kleiner Junge waren Hollywood-Filme. «Als Junge stellte ich mich schlafend und träumte von Kinostars, von allen schönen Dingen der Welt», sagte er einmal. Insbesondere das Filmmusical «Mädchen im Rampenlicht» (1940) hatte es ihm angetan. «Als ich als 13-jähriger Junge diese einzigartige Schönheit sah, beschloss ich, Kleidung für Damen zu entwerfen.»

«Valentino-Rosso» sein Markenzeichen

Als Teenager ging Valentino nach Paris, um sich zum Designer ausbilden zu lassen. Im Jahr 1960 gründete er gemeinsam mit seinem langjährigen Lebens- und Geschäftspartner Giancarlo Giammetti das Modehaus Valentino. Es folgten Jahrzehnte des kreativen und kommerziellen Erfolgs. Ab den 1970er-Jahren präsentierte er auf den Laufstegen der Modemetropolen Paris, Mailand, London und New York seine Kleider. Später vermarktete Valentino auch Parfüms, Schmuck und Handtaschen sowie Accessoires.

Seine Kreationen waren seit jeher von den Farben Schwarz, Weiß und Rot durchzogen – um genauer zu sein dem «Valentino-Rosso». Der kräftige Farbton wurde eines seiner Markenzeichen. Seine Kleider waren stets von Eleganz mit einfachem Design geprägt. Dies kombinierte er meist mit Paillettenstickereien, Spitze, Blumenmustern, Perlen oder Edelmetallen. Für seine Haute Couture nutzte er immer die edelsten Stoffe: Seide, Samt, Chiffon und Kaschmir.

Glamour im Blut

Valentino behauptete, dass er das Geheimnis der Frauen kenne. «Ich weiß, was Frauen wollen: Sie wollen schön sein», sagte er einmal in einem Interview. «Ich liebe eine schöne Dame, einen schönen Hund, ein schönes Möbelstück. Ich liebe einfach Schönheit.» Wenig bescheiden behauptete der immer braun gebrannte Designer, der bis ins hohe Alter seine Haare färbte und zahlreiche Schönheitsoperationen hinter sich hatte, Glamour im Blut gehabt zu haben.

Valentino war immer von Schönen und Reichen umgeben, darunter Hollywood-Schauspielerinnen wie Audrey Hepburn, Elizabeth Taylor und Rita Hayworth sowie der europäische Adel. Später trugen Stars wie Julia Roberts, Meryl Streep und Gwyneth Paltrow seine Kleider auf dem roten Teppich. Für ihre Hochzeit mit dem griechischen Milliardär Aristoteles Onassis stattete er die Kennedy-Witwe Jacqueline mit einem weißen Kleid aus.

Wegen seines Stils «Modekaiser» genannt

Valentino war kein Revolutionär auf dem Gebiet der Mode, sondern vielmehr ein klassischer Perfektionist. «Von der alten Schule», wie sein Partner Giammetti einmal sagte. Niemals habe er sich dem Lauf der Zeit, flüchtigen inhaltsleeren und marketingorientierten Trends hingegeben, urteilen Modeexperten. Oft präsentierte er seine Mode vor riesigen Gemälden, in alten Palazzi, an der Spanischen Treppe in Rom oder in Theatern. Sein aristokratisches Auftreten und sein vornehmer Stil machten ihn zum «Modekaiser».

Die Perfektion, die er selbst anstrebte, forderte er auch von seinen Mitarbeitern. In dem Dokumentarfilm «Valentino – The Last Emperor» («Valentino – Der letzte Kaiser», 2008) ist dies zu sehen. Nichts fürchteten Schneiderinnen mehr als einen wütenden Valentino, sagte eine darin hinter vorgehaltener Hand. Unkontrollierbar nannten sie ihn – im positiven wie negativen Sinne.

Rückzug nach Wandel der Modeindustrie

Um die Jahrtausendwende gab es grundlegende Veränderungen in der Modeindustrie, auch beim Modehaus Valentino. Anteile des Unternehmens wurden an eine Holding verkauft, die das Unternehmen später weiterverkaufte. Aufgrund des finanziellen Drucks litt die Kreativität. Valentino zog sich 2007 zurück und präsentierte 2008 seine letzte Kollektion.

Eine neue Generation von Designern war am Zug, die jedoch mit dem Ursprung des Hauses kaum mehr etwas zu tun hatte. Bei Valentinos Abschied sagte Giammetti: «Valentino wird einer der letzten dieser Generation großer Namen sein, der den Unterschied zwischen gestern und heute definieren wird.»

Valentino lebte zuletzt zurückgezogen und war nur noch gelegentlich per Videochat bei Valentino-Schauen zugeschaltet.

dpa