Die USA unter Trump sichern sich Venezuelas Ölreserven und leiten damit eine Ära des ökologischen Kalten Krieges ein. Zwei Blöcke ringen um Energiedominanz.
Trump krallt sich das Öl: Das ist der Beginn des neuen Kalten Kriegs

Der bevorstehende ökologische Kalte Krieg
Was könnte der zentrale Konflikt im neuen Kalten Krieg sein? Anfang September analysierte der Historiker Nils Gilman in einem Essay im angesehenen Magazin „Foreign Policy“, dass die Energiewende bald ins Fadenkreuz internationaler Spannungen geraten könnte. Die traditionellen Mächte, die auf fossile Energien angewiesen sind, stehen demnach in einem Konflikt mit Regionen, die sich durch eine Abhängigkeit von diesen Ressourcen eine einmalige Möglichkeit erhoffen, sich wirtschaftlich zu emanzipieren.
Öl und geopolitische Ambitionen
Gilmans Vorhersagen erhielten prompt Bestätigung in den ersten Januartagen des Jahres: Die USA intervenierten in Venezuela. Anders als im Irak vor zwanzig Jahren gab US-Präsident Donald Trump diesmal offen zu, dass es um den Zugang zu Öl geht. Der größte Ölproduzent der Welt versucht, die Kontrolle über die enormen Ölreserven in Venezuela zu erlangen.
Gleichzeitig nähern sich die USA dadurch dem Ziel, China von einem Teil seines Ölbedarfs abzuschneiden. Laut dem Center on Global Energy Policy hat Venezuela im vergangenen Jahr die Hälfte seiner stark sanktionierten Erdölproduktion nach China exportiert, teilweise zur Begleichung von Schulden. Für China stellt das venezolanische Öl jedoch lediglich drei Prozent aller Ölimporte dar. Dieser Verlust ist zwar verkraftbar, könnte jedoch die chinesische Regierung in ihrer Energiestrategie zusätzlich bestärken.
Chinas strategischer Fokus auf grüne Technologien
China agiert als Hauptgegner der USA in diesem neuen Kalten Krieg. Obwohl Kohle und Öl nach wie vor den Großteil des Energiemixes in China ausmachen, verfolgt Peking seit über einem Jahrzehnt eine Strategie, die auf die Führerschaft im Bereich der grünen Technologien abzielt. Staatspräsident Xi Jinping, der 2013 sein Amt antrat, initiierte bereits im Juni 2014 eine „Energierevolution“. Xi erkannte, was Europa erst 2022 schmerzhaft lernen musste: Die Abhängigkeit von fossilen Energien birgt ein erhebliches geopolitisches Risiko. Regierungen, die imperialistische Ambitionen hegen, müssen demnach in der Lage sein, ihre Energieressourcen selbst zu kontrollieren.
Zwei Blöcke im neuen Kalten Krieg
Im neuen Kalten Krieg formieren sich zwei konkurrierende Blöcke, die beide auf energetische Dominanz ausgerichtet sind. Auf der einen Seite stehen die Petrostaaten, deren Einfluss auf Öl und Gas die Grundlage ihrer Macht im 20. Jahrhundert bildete. Die USA unter Donald Trump, Russland sowie Golfstaaten wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate gehören zu diesem Block.
Demgegenüber stehen die Elektrostaaten, die im 21. Jahrhundert aktiv eine Abkehr von fossilen Brennstoffen anstreben und damit den Petrostaaten die Basis ihrer Macht entziehen möchten. China spielt hierbei eine führende Rolle. Die „Financial Times“ bezeichnete die Volksrepublik im Mai 2025 sogar als den „ersten Elektrostaat der Welt“. Zusätzlich rangieren die EU und mehrere lateinamerikanische Länder in diesem neuen Block. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen stehen wiederholt der Globale Süden, insbesondere Indien, Südostasien und afrikanische Staaten.
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