Er könnte die verantwortungsvollste Aufgabe der Finanzwelt übernehmen: Der 55-jährige Kevin Warsh soll nach Trumps Willen Jerome Powell an der Fed-Spitze ablösen. Dort droht ein schwieriger Spagat.
Trumps Mann für die US-Notenbank: Wer ist Kevin Warsh?

Der Spitzenposten bei der mächtigsten Zentralbank der Welt wartet auf ihn: Gemäß Donald Trumps Wunsch soll Kevin Warsh Chef der US-Notenbank Fed werden und Jerome Powell nachfolgen, dessen Amtszeit im Mai endet. Es handelt sich um eine delikate Aufgabe, da US-Präsident Trump Powell wiederholt angegriffen, beleidigt und Zinssenkungen von der Fed gefordert hat, obwohl diese eigentlich unabhängig von politischen Weisungen handelt.
Warsh, 55 Jahre alt, ist bereits zum zweiten Mal im Rennen um den Vorsitz der US-Notenbank. Schon 2017 erwog Trump, ihn als Nachfolger von Janet Yellen zu nominieren, entschied sich aber letztendlich für Powell.
Falls der US-Senat der Nominierung zustimmt, würde Warsh an seine frühere Wirkungsstätte zurückkehren. Bereits im Jahr 2006 wurde er im Alter von 35 Jahren zum Fed-Gouverneur ernannt – als jüngstes Vorstandsmitglied in der Geschichte der Notenbank. Damals wurde die Welt von der Finanzkrise erschüttert, die Schockwellen rund um den Globus sandte. Heute ist die US-Wirtschaft weit entfernt von einer Krise, jedoch ist der Druck aus dem Weißen Haus auf die Fed enorm.
Karriere in Politik und Finanzbranche
Warsh, der Schwiegersohn des engen und langjährigen Freundes von Trump, Ronald Lauder, ist ein anerkannter Finanzexperte und hat eine beeindruckende Karriere gemacht. Geboren im Bundesstaat New York, hat er Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Wirtschaft und Statistik an der renommierten Elite-Universität Stanford studiert und im Jahr 1995 seinen Abschluss in Jura an der renommierten Harvard Law School gemacht.
Nach dieser Zeit bei der Großbank Morgan Stanley im Investmentbanking zog es ihn 2002 in die Politik. Als Sonderberater half er dem damaligen Präsidenten George W. Bush in Fragen der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Bush ernannte ihn schließlich zum Mitglied des Fed-Führungsgremiums, dem er bis 2011 angehörte und dort als Vertreter der Fed bei den G20-Staaten fungierte.
Wie tickt Warsh in Sachen Gedpolitik?
Warsh, der derzeit an der Universität Stanford tätig ist, gilt eigentlich als «Inflation Hawk», der eher zu einer restriktiveren Geldpolitik tendiert, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Warsh soll sich allerdings laut US-Medien offen für niedrigere Leitzinsen gezeigt haben. Das wäre ganz im Sinne von Trump, der mit Zinssenkungen die Wirtschaft ankurbeln will. Auch würden sie helfen, die hohe US-Staatsverschuldung zu finanzieren.
Trumps Kritik an der Fed, die zuletzt die Zinssätze stabil gehalten hat, hat auf den Finanzmärkten Bedenken geweckt, dass die Fed möglicherweise politisch beeinflusst werden könnte. Es ist kein Zufall, dass sich kürzlich mehrere Zentralbankchefs hinter Powell gestellt haben, der ins Visier der Justiz geraten ist, weil er angeblich falsche Aussagen im Zusammenhang mit der teuren Renovierung von Fed-Gebäuden in Washington gemacht haben soll.
Warsh als nächster Prügelknabe von Trump?
Warsh stehe nun vor einem schwierigen Spagat, meint Elmar Völker, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. «Einerseits muss er die nervösen Finanzmarktteilnehmer überzeugen, dass die Fed unter ihm weiterhin eine unabhängige Geldpolitik nach Lage der ökonomischen Fakten betreibt. Andererseits erwartet der US-Präsident, welcher ihn ernannt hat, in die geldpolitischen Erwägungen der Notenbank einbezogen zu werden.»
Wenn es ungünstig laufe, könne Warsh im neuen Job nur verlieren. Entweder, er könne den Zentralbankrat überzeugen, für Zinssenkungen zu stimmen. Dann drohe aber das Vertrauen der Anleger in die Fed zu erodieren. «Oder Herrn Warsh geht es wie seinem Vorgänger Jerome Powell, und er findet sich binnen weniger Monate in der Rolle des neuen Prügelknaben Donald Trumps wieder.»
Trump jedenfalls ist von Warsh fest überzeugt: «Ich kenne Kevin schon seit langer Zeit und habe keinen Zweifel daran, dass er als einer der GROSSEN Fed-Vorsitzenden in die Geschichte eingehen wird, vielleicht sogar als der beste», schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.








