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Umwelthilfe: Methan-Ausstoß aus Tagebau höher als angenommen

Nach einer Untersuchung von Umweltexperten könnten die Methan-Emissionen aus dem Braunkohletagebau in Deutschland um ein Vielfaches höher ausfallen als bislang offiziell bekannt.

Abraumhalden und ein Absetzer sind im Braunkohletagebau Welzow-Süd der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG) zu sehen. Der Methan-Ausstoß ist in Deutschland deutlich höher als angenommen.
Foto: Patrick Pleul/dpa

Laut einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und des Instituts Ember Climate ist der Ausstoß von klimaschädlichem Methan aus dem Braunkohletagebau in Deutschland wesentlich höher als bisher angenommen. Deutschland könnte in diesem Sektor laut der Studie etwa 184-mal mehr Methan ausstoßen als offiziell angegeben. Diese Schätzung basiert auf Satellitendaten, so die DUH.

Deutschland gibt bisher an, im Jahr 2022 für 1390 Tonnen Methan-Emissionen aus dem Braunkohletagebau verantwortlich zu sein – das entspricht einem Prozent der EU-weiten Methan-Emissionen aus diesem Bereich. Die Studienautoren gehen davon aus, dass es ihren Berechnungen zufolge knapp 256.000 Tonnen sein müssten. Sie weisen auch darauf hin, dass die deutsche Braunkohleproduktion im Jahr 2022 mehr als 40 Prozent der gesamten Produktion des Brennstoffs in der EU ausgemacht hat.

Veraltete Zahlen aus den 80ern

In Deutschland und in zahlreichen anderen Ländern gibt es bisher keine zuverlässigen Messungen zur Methan-Belastung aus dem Braunkohletagebau, wie es weiter heißt. Die offizielle Emissionsberichterstattung beruht auf veralteten Daten der RWE-Tochtergesellschaft Rheinbraun AG, die in den 80er Jahren erhoben wurden. Ehemalige Tagebaue, die auch nach ihrer aktiven Zeit Methan ausstoßen, werden zum Beispiel nicht erfasst.

Für die Untersuchung wurden unter anderem Satellitenbilder des Tagebaus Hambach im Rheinischen Braunkohlerevier, des Tagebaus Welzow-Süd in der Lausitz sowie von den Tagebauseen des Lausitzer Seenlands analysiert. Dort wurden besonders hohe Methan-Emissionen gemessen, wird berichtet.

«Nur ein leeres Versprechen»

«Um die 1,5-Grad-Grenze noch einzuhalten, müssen die weltweiten Methan-Emissionen massiv sinken», mahnte DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner an. Das sei aber «nur ein leeres Versprechen, solange Deutschland gleichzeitig einen wesentlichen Teil seiner Emissionen um einen möglicherweise dreistelligen Faktor zu niedrig angibt», kritisierte er. Die Umwelthilfe forderte die Bundesregierung auf, für Methan eine sektorenübergreifende Minderungsstrategie vorzulegen.

Heute wird im Europäischen Parlament über eine Verordnung zur EU-weiten Verringerung von Methanemissionen abgestimmt. Die Verordnung sieht strengere Regeln für Emissionen aus dem Energiesektor vor. Betreiber von Öl- und Gasanlagen sollen beispielsweise verpflichtet werden, regelmäßig nach größeren Methanlecks zu suchen und diese zu beheben.

Laut dem Umweltbundesamt ist Methan nach Kohlenstoffdioxid (CO2) das zweitwichtigste Treibhausgas. Die Tierhaltung in der Landwirtschaft ist eine bedeutende Quelle für Methan. Darüber hinaus entstehen Emissionen bei der Gewinnung, Förderung und Verteilung von Brennstoffen.

dpa