Die Informationslage in Myanmar bleibt nach dem katastrophalen Erdbeben schwierig. Ab und zu gibt es aber Hoffnungsschimmer. Gleichzeitig lehnt die Militärjunta eine Waffenruhe ab.
Verzweifelte Lage in Myanmar – Junta plant Neujahrsfest

Fünf Tage nach dem schweren Erdbeben in Myanmar gibt es einige positive Nachrichten aus dem Katastrophengebiet. Eine Frau wurde wie durch ein Wunder nach über 90 Stunden lebend aus den Trümmern gerettet. Die 63-Jährige wurde in der Hauptstadt Naypyidaw unter den Überresten eines eingestürzten Hauses gefunden und ins Krankenhaus gebracht, wie der lokale Sender DVB TV unter Berufung auf die Rettungskräfte berichtete. Ein Mann, der in der Nähe verschüttet war, konnte nur noch tot geborgen werden.
Gemäß offiziellen Angaben der herrschenden Militärjunta hat die Anzahl der Todesopfer des 7,7 Erdbebens mindestens 2.700 erreicht. Es wird erwartet, dass diese Zahl weiter steigen wird, da es für mindestens 440 Vermisste kaum noch Hoffnung gibt. Die Lage in dem Bürgerkriegsland ist äußerst kritisch. Das Beben hat am Freitag vor allem die zweitgrößte Stadt Mandalay, die Region Sagaing und die Hauptstadt Naypyidaw erschüttert. Auch in der thailändischen Hauptstadt Bangkok waren die Erdstöße deutlich zu spüren.
Hoffnung in Bangkok schwindet
An einem eingestürzten 30-stöckigen Rohbau in der Millionenmetropole schwindet die Hoffnung, noch überlebende Arbeiter zu finden. Einem Bericht des Thai Senders Channel 8 zufolge wurde an der Unglücksstelle eine weitere Leiche geborgen. Die Zahl der Toten liege damit jetzt bei 15, acht Männern und sieben Frauen, hieß es. Mehr als 70 Verschüttete werden noch vermisst.
In Myanmar nimmt die Kritik an der Junta zu, die seit einem Putsch Anfang 2021 das ehemalige Birma mit brutaler Härte regiert. Die Generäle führen weiterhin Luftangriffe gegen Widerstandsgruppen durch, bei denen Dutzende Menschen ums Leben kamen, auch nach dem Erdbeben.
Widerstandsgruppen wollen Waffenruhe – Junta lehnt ab
Mehrere bedeutende Widerstandsgruppen sowie die NUG, eine Schattenregierung, die sich nach dem Putsch von 2021 als demokratische Alternative zur Junta formierte, haben eine einmonatige Waffenruhe angekündigt. Dies soll den lokalen und internationalen Rettungsteams ermöglichen, ohne Angst im Erdbebengebiet zu arbeiten. Junta-Chef Min Aung Hlaing hat jedoch abgelehnt, im Gegenzug die Angriffe der Armee zu stoppen.
Der General warf den Gruppen vor, dass sie in dieser Zeit Militärübungen durchführen und sich auf zukünftige Angriffe vorbereiten wollen. Er betonte, dass das Militär seine Operationen gegen den bewaffneten Widerstand fortsetzen werde.
Gleichzeitig lehnte es die Junta ab, trotz der verzweifelten Lage in den Erdbebenregionen die Feierlichkeiten zum Thingyan-Fest – dem Neujahrsfest – abzusagen. Es findet in diesem Jahr vom 13. bis 16. April statt und ist auch als Wasserfest bekannt. Thingyan markiert den Beginn des myanmarischen Mondkalenders und gilt als wichtigstes Fest des Landes. «Sie tun mehr für die Fest-Vorbereitungen als für die Erdbebenopfer», sagte ein Bürger aus Naypyidaw.