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Verzweifelte Suche nach Lebenszeichen in Bangkok

In Bangkok warten Angehörige von Verschütteten sehnlichst auf Nachrichten, nachdem das Erdbeben einen Rohbau zum Einsturz brachte. Retter suchen mit Baggern und Hunden. Ein Besuch am Unglücksort.

Von dem Rohbau ist nur ein riesiger Berg aus Schutt übrig geblieben.
Foto: Carola Frentzen/dpa

Ein Berg aus Trümmern und Schutt ist das Einzige, was vom geplanten Regierungsgebäude in Bangkok noch übrig ist. Eingestürzte Pfeiler, Betonplatten, Kabel und Drähte ragen aus dem riesigen grauen Trümmerhaufen. 33 Stockwerke für das State Audit Office (SAO) – die staatliche Finanzkontrolle – sollten hier entstehen. Aber als am Freitag die Erde in der thailändischen Hauptstadt zu beben begann, fiel der Rohbau wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

Zwei Tage später sind etwa zehn Bagger, Kräne und eine Hundestaffel im Einsatz, um nach Überlebenden zu suchen. Noch werden über 80 Personen vermisst – größtenteils Burmesen, die in Thailand als günstige Arbeitskräfte angestellt sind. Laut Stadtverwaltung haben die Teams bisher zehn Opfer geborgen. Doch es besteht noch Hoffnung, sagen die Rettungskräfte.

«Wir haben noch etwas Zeit»

«Meine Hündin Blue hat schon gestern einen Menschen in den Trümmern erschnüffelt», sagt Hundeführerin Rapun, während ihr schwarz-weißer Vierbeiner still neben ihr sitzt und auf den nächsten Einsatz wartet. Die Bagger müssten erst das Geröll abtragen, um an die betreffende Stelle zu gelangen. Glaubt sie denn, dass noch Überlebende gefunden werden könnten? «Ja, noch haben wir etwas Zeit. Ich hoffe sehr, dass wir noch Verschüttete lebend bergen können.»

Es wird allgemein angenommen, dass ein Mensch ohne Nahrung und Wasser etwa 72 Stunden überleben kann, wenn er genug Luft zum Atmen hat. Es bleibt also noch etwas Zeit. Dies wissen auch die verzweifelten Angehörigen, die in wenigen Metern Entfernung zum Trümmerfeld sehnsüchtig auf Nachrichten warten.

Wie sieht es im Katastrophengebiet aus?

In der Nähe des Unglücksortes wirkt es momentan wie in einem gut organisierten Zeltlager. Die Atmosphäre ist ruhig und geordnet. Zahlreiche Krankenwagen stehen bereit, ebenso wie eine mobile Klinik und ein Erste-Hilfe-Zelt. Es wurde auch eine Art Pressezentrum für Reporter und Fotografen eingerichtet. Regelmäßig kommen hochrangige Politiker vorbei, um sich über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren.

Für Familienangehörige, Helfer und Journalisten, die aus der ganzen Welt angereist sind, gibt es verschiedene Essensstände, überall werden Wasserflaschen verteilt. Es wurden auch schattenspendende Planen aufgespannt. Das ist auch dringend erforderlich, denn die Hitze ist fast unerträglich.

Menschen kollabieren wegen Hitze

Gefühlt liegen die Werte im Stadtteil Chatuchak, wo es kaum Bäume gibt, in diesen Tagen bei weit über 40 Grad. Und die Luft scheint zu stehen, es weht kein Lüftchen. «Gestern sind hier mehrere Leute kollabiert», sagt ein Augenzeuge. Die meisten Wartenden sind patschnass geschwitzt. Einige haben sich Ventilatoren organisiert.

Auf den umliegenden Gebäuden liegt eine dicke Staubschicht vom Einsturz. Auch das bekannte Einkaufszentrum JJ Mall gegenüber der Unglücksstelle ist vorerst geschlossen. Die Polizei regelt den Verkehr großräumig.

Einige Schritte weiter geht das Leben jedoch schon weiter, als ob das Erdbeben der Stärke 7,7 mit dem Epizentrum nahe der Stadt Mandalay in Myanmar nie stattgefunden hätte. Touristen machen sich am Morgen auf den Weg zum Chatuchak-Markt, dem größten Wochenendmarkt in Thailand und einem bekannten Anziehungspunkt für Besucher. Es scheint, dass viele nicht bemerken, dass sich nur wenige Meter entfernt gerade eine schreckliche Tragödie abspielt.

dpa