Eine hochpathogene Vogelgrippe-Variante ist in der Antarktis nachgewiesen worden und breitet sich unter Seevögeln und anderen wildlebenden Tieren aus. Experten warnen vor extrem hohen Sterberaten in infizierten Populationen und möglichen langfristigen Konsequenzen für das fragile antarktische Ökosystem.
Vogelgrippe bedroht die Tierwelt in der Antarktis – alle Tiere könnten sterben

Eine hochpathogene Form der Vogelgrippe, verursacht durch das H5N1-Virus, breitet sich in der Antarktis deutlich weiter aus und alarmiert Forscher weltweit. Wissenschaftler berichten, dass der Erreger inzwischen bei mehreren Tierarten nachgewiesen wurde und dort eine hohe Sterblichkeit verursacht – in Einzelfällen könnten infizierte Regionen laut Forschenden „nahezu alle Tiere“ innerhalb kürzester Zeit töten.
Verbreitung über Küstenregionen und Arten
Die gefährliche Variante wurde erstmals im April 2024 bei Raubmöwen (Skuas) entdeckt und hat sich seitdem entlang großer Teile der antarktischen Westküste ausgebreitet. In jüngeren Expeditionen fanden Forscher das Virus nicht nur bei Skua-Populationen, sondern auch bei Kormoranen, Sturmvögeln, Pinguinen sowie bei Antarktisseebären und anderen seelebenden Arten.
Ein führender chilenischer Veterinärmediziner erklärte, dass das Virus in den beobachteten Populationen innerhalb von ein bis zwei Tagen bis zu 90 – 100 % der infizierten Tiere töten könne. Besonders problematisch ist laut ihm die Tatsache, dass viele dieser Arten in relativ kleinen, dichten Kolonien brüten, was ein rasches Ausbreiten des Erregers begünstigt.
Erreger in der Antarktis – wie kam er dorthin?
Lange Zeit galt die Antarktis als einer der letzten unberührten Kontinente – doch bereits Ende 2023 wurde dort das H5N1-Virus erstmals aufgetaucht. Genetische Analysen deuten darauf hin, dass die Vogelgrippe durch Zugvögel aus Südamerika eingeschleppt wurde, die regelmäßig zwischen südamerikanischen Küstenregionen und antarktischen Brutgebieten pendeln.
Seitdem haben epidemiologische Studien gezeigt, dass sich die hochpathogene Form des Virus – die seit 2020 in weiten Teilen der Welt weite Verbreitung gefunden hat – weiter ausbreitet und zunehmend auch neue Arten infiziert.
Auswirkungen auf Ökosysteme und Forschung
Bisher sind erste bestätigte Todesfälle durch die Vogelgrippe in der Antarktis dokumentiert worden, etwa mehr als 50 tote Raubmöwen, bei denen die Infektion als Todesursache nachgewiesen wurde. Obwohl bislang nicht bei allen Arten der Virusnachweis eindeutig ist, zeigen Totfunde und Labordaten, wie massiv der Erreger in wildlebenden Populationen wirken kann.
Wissenschaftler warnen, dass diese Entwicklung nicht nur für einzelne Arten, sondern für ganze antarktische Ökosysteme eine tiefgreifende Gefahr darstellen könnte. Da viele Arten in geschlossenen, kolonialen Brutstätten leben, könne ein hohes Maß an Sterblichkeit schnell zur Schwächung oder zum Zusammenbruch lokaler Populationen führen.
Weiterer Kontext nach weltweitem Ausbruch
Das H5N1-Virus ist Teil einer weltweiten Ausbruchswelle, die seit 2021 zahlreiche Vögel und auch Säugetiere betroffen hat. Unter anderem kam es zu Massensterben von Wildvögeln in mehreren Kontinenten und zu Infektionen bei Meeressäugern in der südamerikanischen Pazifikküste.
Trotz dieser besorgniserregenden Entwicklung gilt die Vogelgrippe für Menschen weiterhin als selten übertragbar, doch der Einfluss auf die Tierwelt und biologische Vielfalt ist enorm – und die Ereignisse in der Antarktis rücken diese Auswirkungen besonders eindrücklich in den Fokus.








