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Warnstreiks bei VW an neun Standorten – Auftakt um 9.30 Uhr

Bei VW sollen heute in mehreren Werken zeitweise die Bänder stillstehen. Die IG Metall droht mit einem der härtesten Konflikte, den Volkswagen je gesehen habe – sollte es keine Bewegung geben.

Beginnen soll der Ausstand um 9.30 Uhr in Zwickau. (Archivbild)
Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Die IG Metall ruft für heute zu Warnstreiks an neun der zehn deutschen Volkswagen-Standorte auf. Beginnen soll der Ausstand um 9.30 Uhr in Zwickau, ab 10.00 Uhr folgen Wolfsburg und weitere Standorte, wie die Gewerkschaft mitteilte. Betroffen sind neben Zwickau und Wolfsburg die Werke in Hannover, Emden, Kassel-Baunatal, Braunschweig, Salzgitter und Chemnitz sowie die «Gläserne Manufaktur» in Dresden. 

In allen betroffenen Fabriken werde die Produktion «temporär auf Eis liegen», kündigte Niedersachsens IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger an. Beginnen soll der Ausstand an den meisten Standorten zeitgleich mit Wolfsburg um 10.00 Uhr, Dresden und Kassel-Baunatal folgen um 12.00 Uhr und 12.30 Uhr. 

Der Warnstreik werde „jeweils rund zwei Stunden dauern und danach in jeder Schicht wiederholt werden“, sagte ein Sprecher. „Dazwischen werde normal produziert.“

IG Metall: «Wenn nötig, einer der härtesten Konflikte»

Erst am Wochenende war bei Europas größtem Autobauer die Friedenspflicht ausgelaufen, in der Arbeitskämpfe nicht erlaubt waren. «Nun folgen Warnstreiks, die das Unternehmen nicht übersehen kann», sagte Gröger. «Wenn nötig, wird das einer der härtesten Konflikte, den Volkswagen je gesehen hat.»

Am Vormittag ist in Wolfsburg eine Kundgebung direkt am Vorstandshochhaus geplant, bei der Verhandlungsführer Gröger und Betriebsratschefin Daniela Cavallo sprechen wollen. Weitere Kundgebungen sind unter anderem in Zwickau, Emden, Chemnitz, Dresden und Salzgitter geplant, in Hannover und Braunschweig mit vorherigen Demonstrationszügen.

VW will Löhne kürzen

Im Streit geht es um die Entlohnung der etwa 120.000 Mitarbeiter in den Fabriken der Volkswagen AG, wo ein eigener Haustarif gilt. Zusätzlich gibt es mehr als 10.000 Mitarbeiter bei VW Sachsen, für die im Jahr 2021 eine Angleichung an den Haustarif vereinbart wurde.

VW hat bislang jede Erhöhung abgelehnt und fordert aufgrund der schwierigen Lage des Konzerns stattdessen zehn Prozent Lohnkürzung. Auch Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen sind im Gespräch. Am 9. Dezember findet das nächste Tarifgespräch zwischen beiden Seiten statt.

«Am Verhandlungstisch war Volkswagen nicht zu einer tragfähigen Lösung des Tarifkonflikts bereit», sagte der für Berlin, Brandenburg und Sachsen zuständige IG-Metall-Bezirksleiter Dirk Schulze. «Daher müssen Warnstreiks den Druck auf das Management erhöhen.»

Ausfall von mehr als tausend Fahrzeugen

Laut Gewerkschaftskreisen wird der zweistündige Warnstreik voraussichtlich dazu führen, dass mehr als tausend Fahrzeuge nicht gebaut werden können. Volkswagen hat eigenen Angaben zufolge Maßnahmen ergriffen, um die Auswirkungen der zeitlich begrenzten Arbeitsniederlegungen zu minimieren. Das Unternehmen hat gezielt Maßnahmen ergriffen, um eine Notversorgung sicherzustellen.

Heute gibt es keine Warnstreiks in Osnabrück. Das VW-Werk, das um seine Zukunft bangt, ist der einzige deutsche VW-Standort, der nicht unter den Haustarif fällt, für den derzeit verhandelt wird. Im Tarifkonflikt für die Metall- und Elektroindustrie gab es dort bereits Warnstreiks.

Mehr als 50.000 bei Warnstreikwelle 2018

Es gab zuletzt 2018 flächendeckende Warnstreiks an allen großen Werken in Westdeutschland. Laut der IG Metall haben sich damals mehr als 50.000 Beschäftigte in Wolfsburg, Hannover, Emden, Kassel-Baunatal, Braunschweig und Salzgitter beteiligt. Erst im Jahr 2021 wurde eine stufenweise Angleichung an den Haustarif bis 2027 für die Werke in Zwickau, Chemnitz und Dresden vereinbart.

dpa