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Wiesn-Countdown: Viel Bier, kein Joint – und mehr Sicherheit

Ab Samstag herrscht in München wieder Ausnahmezustand: Oktoberfest. Nicht nur Neulinge haben Fragen: Was kostet das Bier, darf man kiffen, wie bekommt man einen Tisch – und: Ist die Wiesn sicher?

Blasmusik gehört zur Wiesn.
Foto: Lennart Preiss/dpa

Noch sind die Eingänge zum Münchner Oktoberfest versperrt. Am Samstagmorgen warten dort die ersten Fans auf die Öffnung – um dann im Sprint Richtung Bierzelte zu stürmen. Punkt 12.00 Uhr heißt es wieder «Ozapft is». Millionen Besucher werden bis 6. Oktober zur Wiesn erwartet, die als größtes Volksfest der Welt gilt. Nach den jüngsten mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlägen in Solingen und München steht die Frage nach der Sicherheit einmal mehr im Fokus.

Wie steht es auf der Wiesn um die Sicherheit?

Vorweg: Laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gibt es keine konkreten Gefährdungshinweise. Die abstrakte Gefährdungslage durch den islamistischen Terrorismus ist jedoch hoch. Die Sicherheitsbehörden sind äußerst wachsam und gehen jedem Hinweis genau nach. Für das Oktoberfest gibt es ein ausgefeiltes Sicherheitskonzept: Kontrollen an den Eingängen, ein Verbot für große Taschen, Messer und Glasflaschen, hohe Polizeipräsenz, versenkbare Poller und Beton-Blumenkübel gegen Auto-Attacken.

Als Konsequenz aus jüngsten Taten verschärft die Stadt die Maßnahmen. Bei Kontrollen werden erstmals stichprobenartig etwa 40 Hand-Metalldetektoren eingesetzt, wie Festleiter Clemens Baumgärtner (CSU) ankündigte. Rund 600 Polizisten sollen im Dienst sein. Dazu kommen mehrere Tausend Ordner, rund 1.200 bis 1.500 sind allein von der Stadt eingesetzt, hinzu kommen die der Wirte. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), der am 21. September das Fest eröffnet, unterstrich: «Was wir tun können, haben wir getan.»

Darf auf der Wiesn gekifft werden?

„Nein. Bayern hat das Rauchen von Cannabis auf Volksfesten und in Biergärten durch ein Landesgesetz verboten. Obwohl das Bundesgesetz über Cannabis das Rauchen in unmittelbarer Nähe von Minderjährigen verbietet, also faktisch auf Volksfesten, wo auch Kinder und Jugendliche unterwegs sind. Schausteller hatten dennoch eine Regelungslücke beklagt. Die Wiesn-Wirte begrüßen die strenge bayerische Regelung. Sie sorgt für Klarheit und vermeidet mögliche Auseinandersetzungen mit rauchenden Gästen.“

Was kostet das Bier?

Wie auch immer der Preis ausfällt – es wird immer gemeckert. Dieses Jahr gab es einen kleinen Aufschrei: Der Preis für die Maß überschreitet die 15-Euro-Marke. Sie liegt zwischen 13,60 und 15,30 Euro. Dabei erhält man beim speziell nach geheimen Rezepten gebrauten Wiesn-Bier mehr Alkohol für sein Geld: Der Alkoholgehalt beträgt etwa sechs Prozent. Bisher hat der Preis die Gäste nicht abgeschreckt: Laut Statistik der Stadt München wurden 2023 über 7,4 Millionen Liter Bier durch durstige Kehlen geleert. Wer nur seinen Durst stillen möchte, muss nicht zur Maß greifen und tief in die Tasche greifen. Seit dem letzten Jahr gibt es kostenloses Trinkwasser an Brunnen auf dem Gelände. Tafelwasser im Zelt kostet durchschnittlich über zehn Euro pro Liter.

Wie sehen die Preise fürs Essen aus?

Auch hier wird es teurer. Ein Grund ist die höhere Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie, die seit Januar wieder von sieben auf 19 Prozent angehoben wurde – den Wert vor der Corona-Pandemie. «Von einer Erhöhung um 15 Prozent muss ausgegangen werden; 12 Prozent entfallen dabei auf die Angleichung der Mehrwertsteuer auf das Vor-Corona-Niveau und drei Prozent auf allgemeine Kostensteigerungen», sagt Co-Wirtesprecher Christian Schottenhamel. Er verweist auf die Bundesregierung: Sie habe ihr Versprechen gebrochen, bei der 7-prozentigen Mehrwertsteuer auf Speisen zu bleiben.

Wie bekommt man einen Platz im Bierzelt?

Die verfügbaren Plätze sind fast alle reserviert. Einige Wirte behalten jedoch nicht alle Plätze für sich. Für diejenigen, die gut zu Fuß sind, besteht die Möglichkeit, am Morgen zu Beginn des Festes zum Zelt ihrer Wahl zu eilen. Kurzentschlossene haben die Chance, nicht genutzte Reservierungen auf einem Tauschmarkt anzubieten. Auf diese Weise möchten die Wirte auch den Schwarzmarkt eindämmen. Bei ihnen müssen die Gäste Verzehrgutscheine kaufen und eine geringe Gebühr zahlen. Im Schwarzmarkt hingegen werden hohe Preise verlangt – und die Plätze sind nicht immer sicher. Verbraucherschützer warnen: Hände weg.

Welches Outfit ist angesagt?

Dirndl und Lederhose gelten als Wiesn-Uniform schlechthin. Beim Dirndl heuer farblich trendy: «Modisches Lila, helles Mint und Salbei, königliches Blau, tiefes Rot, Tannengrün bis hin zu elegantem Schwarz», wie der Geschäftsführer der Trachten-Kette Angermaier, Axel Munz, sagt. Dirndl-Designerin Angelika Zwerenz sieht auch «Lavendel und Flieder»- und hat nach dem Auftritt der Pop-Ikone Taylor Swift «Swiftie-Dirndl» designt. Für den Mann sieht Munz kurze, handgearbeitete Lederhosen in Hirsch und Wildbock «mit aufwendigen Stickereien, vielfach im Vintage-Look». 

Auf dem Weg zum Fest bieten Stände preiswerte Alternativen – für diejenigen, die sich schnell noch in Dirndl und Lederhose werfen möchten. Diese Kleidung hat wenig Ähnlichkeit mit den traditionellen Trachten, die spezifische Orte repräsentieren und manchmal sogar vierstellige Beträge kosten. Zu bewundern sind sie beispielsweise beim Trachtenumzug am Sonntag nach dem Start des Oktoberfests.

Was ist neu?

Zum Beispiel: Ein 12D-Kino mit «Live dabei»-Gefühl – drei Dimensionen plus Effekte wie Wind und Regen, erläuterte der Betreiber die auch für Mathematiker erstaunliche Zahl der Dimensionen. Neu bei den Fahrgeschäften ist die Wildwasserbahn «Jim & Jasper’s Wild Wasser», bei der minütlich 80.000 Liter Wasser durch gepumpt werden – mehr als Bier in dem Zeitraum aus den Zapfhähnen fließt. Außerdem: das «Hupferl» aus dem Jahr 1987, und der «Holzpfosten Scooter», ein Autoscooter wie in den 1960er und 1970er Jahren. Erstmals auf der Oidn Wiesn ist – nach erheblichem auch gerichtlichem Hickhack – das Musikantenzelt «Boandlkramerei». Es löst das Herzkasperlzelt ab. 

Modische Neuheiten: Käppis mit Wiesn-Logo könnten möglicherweise den unverwüstlichen Hendl-Hut ersetzen. Erstmals können Fans auch in der Küche vom Fest träumen – mit Wiesn-Geschirrtüchern.

Steilwand, Flohzirkus: Welche Attraktionen gibt es außerdem?

Die Steilwandfahrer sorgen für Nervenkitzel pur. In einer Arena mit senkrechten Wänden rasen die Artisten mit ihren Motorrädern im Kreis. Im Flohzirkus gibt es nur wenige Zuschauerplätze, die Darsteller sind ja recht klein: Hier spielen Flöhe Fußball oder ziehen ein Mini-Karussell. Ihre Mahlzeit nehmen sie am Arm des Direktors. Traditionell zur Wiesn gehören die Rutsche Toboggan, die Olympia-Looping-Achterbahn mit fünf Ringen, das Teufelsrad oder das Karussell Krinoline mit Live-Musik, benannt nach dem Reifrock der Damen. Legendär ist das Varieté Schichtl, das täglich mehrfach das Programm «Die Enthauptung einer lebenden Person auf offener, hell erleuchteter Bühne mittels Guillotine» zelebriert – im vergangenen Jahr war es die 15.000ste Köpfung. 

Ist Corona noch ein Thema?

Wahrscheinlich nicht – die Infektionen, die im Sommer zugenommen haben, sind inzwischen rückläufig. Dennoch bleibt das Oktoberfest ein Viren-Superspreader-Event. Einige Tage nach der Eröffnung beginnt regelmäßig das Husten, und die Arztpraxen in und um München füllen sich: Oktoberfest Grippe. In den engen Zelten herrschen ideale Bedingungen für Erkältungs- und Coronaviren. In den vergangenen Jahren gab es während und kurz nach dem Oktoberfest jeweils in und um München kurze, aber starke Corona-Wellen.

Geht der Wiesn-Besuch auch virtuell?

Nicht nur für Menschen mit einer Viren-Phobie gibt es die Wiesn nun digital. Zum Festbeginn startet das Virtual-Reality-Game «Oktoberfest – The Official Game» des Münchner Studios K5 Factory, bei Spieler als Avatare mit VR-Brille das Volksfest besuchen. Die Münchner Inklusionsinitiative vr4kids bietet einen virtuellen Wiesn-Besuch mit den Kindern Felix und Leah. Die beiden laufen über die Wiesn, fahren Riesenrad und nehmen ihre Gäste mit – etwa behinderte oder kranke Kinder, aber auch Ältere, die es nicht aufs Fest schaffen. Leah erzählt in Gebärdensprache. 

Wie nachhaltig ist die Wiesn?

Das Fest ist kein Energiesparevent. Trotzdem haben die Wirte der großen Zelte das ehrgeizige Ziel, bis 2028 oder sogar 2026 klimaneutral zu werden. Im letzten Jahr begannen sie damit, ihren CO2-Verbrauch zu erfassen. Essensreste wurden teilweise gemessen, um das Angebot auf den Tellern anzupassen. Seit langem wird Ökostrom genutzt und Bierkrug-Spülwasser für die Toiletten verwendet. Es gibt eine zunehmende Anzahl von vegetarischen und veganen Gerichten.

Die Frage, ob die Wiesn nur mit Bio-Produkten möglich wäre, hatten Wirte bisher abschlägig beurteilt, auch wegen der höheren Preise für Gäste. Nun wollen sie die Bio-Frage vorantreiben und kooperieren dazu mit Öko-Bauern. Zunächst wird unter anderem analysiert, ob es ausreichende Mengen gibt; in den Folgejahren soll mehr Bio auf den Teller kommen. Die Erfahrungen mit Bio-Produkten seien unterschiedlich. «Wir sind Unternehmer und werden uns immer danach richten, was die Gäste wünschen», sagt Wirtesprecher Peter Inselkammer.

dpa