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WM 2034 in Saudi-Arabien: FIFA vergibt Endrunde an umstrittenes Königreich

FIFA-Präsident Infantino spricht von Einheit, trotz Kritik von Menschenrechtsorganisationen. DFB stimmt für die Vergabe ohne Gegenkandidaten.

Die FIFA hat die Weltmeisterschaften 2030 und 2034 vergeben.
Foto: Michael Buholzer/KEYSTONE/dpa

Die Fußball-WM 2034 wird in Saudi-Arabien ausgetragen. Der Kongress des Weltverbandes FIFA vergab die Endrunde 2030 an Spanien, Marokko und Portugal sowie jeweils ein Eröffnungsspiel nach Argentinien, Paraguay und Uruguay. Die Vergabe erfolgte online in einer Abstimmung für beide Endrunden per Akklamation, auch der Deutsche Fußball-Bund stimmte zu. Es gab keine Gegenkandidaten.

FIFA-Präsident Gianni Infantino sprach während seiner Eröffnungsrede von einer «unglaublichen Botschaft der Einheit», die an eine Welt geschickt werde, in der man das Gefühl habe, es gebe keine Einigkeit mehr. «Wir wollen jetzt Geschichte schreiben, wir wollen die Welt vereinen mit dem Fußball, durch den Fußball», sagte der Schweizer.

Deutliche Kritik an Saudi-Arabien

Saudi-Arabien war in den vergangenen Monaten immer wieder von Menschenrechtsorganisationen kritisiert worden. Human Rights Watch schrieb zuletzt von «eklatanten Menschenrechtsverletzungen» in dem Königreich. Die FIFA hatte dem Bewerber dagegen nur ein «mittleres» Risiko in Menschenrechtsfragen bescheinigt. Saudi-Arabien verspricht in seinen Bewerbungsunterlagen weitreichende Reformen.

Es ist völlig unklar, wann im Jahr 2034 das Spiel stattfinden wird. Ähnlich wie in Katar, dem Gastgeber der WM Ende 2022, herrscht in Saudi-Arabien während der traditionellen WM-Monate im Juni und Juli große Hitze. Die Verlegung in den Spätherbst würde zu großen Problemen bei den Spielterminen der Ligen und internationalen Club-Wettbewerben führen. Zu Beginn des Jahres, im Februar 2034, finden die Olympischen Spiele statt.

Sechs Gastgeber bei WM 2030

Die Rückkehr in die Golfregion nur zwölf Jahre nach der Katar-WM wurde möglich, weil FIFA-Präsident Gianni Infantino die Vergabe der Endrunde 2030 an Länder in drei Kontinenten durchgesetzt hatte. In Südamerika wird zum Auftakt wegen des 100-Jahre-Jubiläums der Weltmeisterschaften gespielt. Spanien und Portugal werden die ersten Gastgeber aus dem Gebiet der Europäischen Fußball-Union UEFA seit Russland 2018. «Die Welt wird stillstehen und diese 100 Jahre (der Weltmeisterschaften) feiern», sagte Infantino.

Aufgrund der Tatsache, dass die nächste WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada stattfinden wird, war gemäß den FIFA-Regularien nur ein Gastgeber aus der asiatischen Konföderation für das Turnier 2034 möglich. Australien, der einzige potenzielle Gegenkandidat von Saudi-Arabien, hatte aufgrund kurzfristig angesetzter Bewerbungsfristen auf eine Kandidatur verzichtet. Somit stand Saudi-Arabien der Weg frei.

Die FIFA hatte ursprünglich angekündigt, nach der skandalumwitterten Doppelvergabe im Jahr 2010 an Russland für die WM 2018 und Katar für die WM 2022 auf ein solches Verfahren verzichten zu wollen.

Die Erklärung des DFB

DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte in der vergangenen Woche angekündigt, trotz der Kritik an Saudi-Arabien bei der Doppelvergabe dafür zu stimmen. «Uns allen ist die Situation der Bürgerrechte und auch der Repressalien in Saudi-Arabien bewusst. Das ist nichts, was wir in irgendeiner Form gutheißen», sagte Neuendorf. Mit einer Ablehnung oder gar einem Boykott würde aber nicht das erreicht werden, was man erreichen wolle. «Ich glaube, wir können den Einfluss nur dann geltend machen, wenn wir sagen: Ja, wir stimmen zu, aber wir wissen, es gibt Defizite», sagte Neuendorf.

dpa