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Wunder bleibt aus: Handballerinnen verlieren WM-Finale

Die goldene Krönung gelingt nicht, aber Deutschlands Handballerinnen feiern mit WM-Silber den größten Erfolg seit 32 Jahren. Im Finale gibt es gegen Olympiasieger Norwegen einen Krimi ohne Happy End.

Bundestrainer Markus Gaugisch war im WM-Finale mit einigen Entscheidungen des Schiedsrichters unzufrieden.
Foto: Federico Gambarini/dpa

Die deutschen Handballerinnen konnten ihren sensationellen WM-Lauf nicht mit der Goldmedaille abschließen und das Wunder von Rotterdam verpassen. Zwei Tage nach dem Sensationssieg im Halbfinale gegen Weltmeister Frankreich verlor die Mannschaft von Bundestrainer Markus Gaugisch das Endspiel gegen die übermächtigen Norwegerinnen nach großem Kampf mit 20:23 (11:11).

Vier Tore von Emily Vogel, Viola Leuchter und Alina Grijseels waren nicht genug, um die DHB-Frauen vor etwa 8.500 Zuschauern zum zweiten gesamtdeutschen Titel nach 1993 zu führen. Trotzdem stellt die Silbermedaille den größten Erfolg des deutschen Frauenhandballs seit mehr als drei Jahrzehnten dar – und wird mit einer DHB-Rekordprämie von insgesamt 300.000 Euro belohnt.

Norwegens Triple: Titel bei Olympia, EM und WM

Die Norwegerinnen mussten bis zum Ende zittern, aber sie haben erneut ihren Status als nahezu unantastbare Übermannschaft im Welthandball bestätigt. Nach Olympia-Gold und dem EM-Titel im letzten Jahr ist der WM-Triumph bereits der dritte Erfolg bei einem Großturnier in Serie.

Das Star-Ensemble um die zweimalige Welthandballerin Henny Reistad hat bereits den sechsten Titel innerhalb der letzten fünf Jahre gefeiert. Zuvor hatte Titelverteidiger Frankreich mit einem 33:31-Sieg nach Verlängerung über Co-Gastgeber Niederlande Bronze gewonnen.

«Ergebnis ein Boost für die ganze Bewegung»

Für Deutschlands Handballerinnen war die WM nicht nur aus sportlicher Sicht ein Riesenerfolg. Die Vorrunden- und Hauptrundenspiele vor Heimpublikum in Stuttgart und Dortmund sollten genutzt werden, um die Sichtbarkeit und Wertigkeit des Frauenhandballs nachhaltig zu steigern und Mädchen für Handball zu begeistern. «Das sportliche Ergebnis ist ein Boost für die ganze Bewegung», resümierte DHB-Sportvorstand Ingo Meckes schon vor dem Anpfiff.

DHB-Präsident Andreas Michelmann sagte, dass die Erwartungen übertroffen wurden. Rückraumspielerin Emily Vogel betonte, dass Erfolg die größte Anziehungskraft hat. Es gibt viele Anzeichen dafür, dass diese WM-Silbermedaille keine Eintagsfliege ist – wie die Altersstruktur des Teams, das noch viele Jahre in nahezu gleicher Besetzung zusammen spielen könnte.

Große Hoffnung aufs «Weihnachtswunder»

Norwegen hatte im Turnier kein größeres Problem als die deutsche Auswahl. Die Abwehr war sehr aufmerksam und stahl immer wieder Bälle. Trotzdem stand es nach 15 Minuten nur 8:7, auch aufgrund einiger vergebener Chancen von Rechtsaußen Jenny Behrend. Die 45-jährige Rekord-Nationalspielerin Katrine Lunde aus Norwegen entschied das Duell der Torhüterinnen eindeutig für sich. Erst in der 13. Minute gelang es Katharina Filter, ihre erste Parade zu verbuchen.

Weil Norwegen sich aber ungewohnt viele Fehler leistete, lag Deutschland bis zur Pause fast durchweg in Führung – teilweise sogar mit drei Toren. «Was für eine erste Halbzeit. Was die Mädels abreißen, ist Wahnsinn. So müssen wir weitermachen. Ich glaube an das Weihnachtswunder», sagte Teammanagerin Anja Althaus in der Halbzeit am ARD-Mikro.

Deutschland trifft kaum noch

Die gesamte deutsche Bank spürte, dass an diesem Tag etwas gegen die Übermannschaft aus Norwegen passierte. Der Außenseiter hatte jedoch immer mehr Schwierigkeiten im Angriff, je länger das Spiel dauerte. Zwischen der 20. und 35. Minute erzielte die DHB-Riege nur drei Tore – und Norwegen ging zum ersten Mal mit drei Toren in Führung (15:12).

Im Stil eines Spitzenteams ließ Deutschland den Favoriten nicht entkommen und glich in der 47. Minute zum 17:17 aus. Die DHB-Mannschaft kämpfte unermüdlich und die deutschen Fans tobten auf der Tribüne. Das Finale wurde zu einer Abwehrschlacht, sechs Minuten vor Schluss führte Norwegen nur mit einem Tor (20:19). Doch selbst eine Siebenmeterparade von Filter reichte nicht aus, um den Traum vom Gold wahr werden zu lassen.

dpa