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Spanien: Tragödie nach Unwetter, Hilfspaket angekündigt

Trostloses Bild in Katastrophengebiet, erste gute Nachricht für Flutopfer: 10,6 Milliarden Euro Hilfspaket angekündigt.

Beim Jahrhundert-Unwetter gab es mehr als 200 Todesopfer. (Foto aktuell)
Foto: Emilio Morenatti/AP/dpa

Eine Woche nach dem verheerenden «Jahrhundert-Unwetter» im Osten Spaniens mit mehr als 200 Todesopfern bietet das Katastrophengebiet weiterhin ein trostloses Bild. Trotz der inzwischen auf Hochtouren laufenden Bergungs- und Aufräumarbeiten sind viele Straßen der über 60 schwer betroffenen Gemeinden in der Region Valencia immer noch mit Schlamm bedeckt. Überall lagen Müll, kaputte Möbel und aufgestapelte Autos, wie die Kameras des TV-Senders RTVE und anderer Medien zeigten.

Zumindest gab es seit den Überschwemmungen und Erdrutschen eine erste gute Nachricht für die Flutopfer: Die Zentralregierung kündigte ein Hilfspaket in einer Gesamthöhe von 10,6 Milliarden Euro an. Die vorgesehenen Direkthilfen und Bürgschaften für Haushalte und Unternehmen seien nur «ein erster Schritt», betonte Ministerpräsident Pedro Sánchez.

Schlimmer Gestank am «Ground Zero» der Tragödie

Die Not bleibt: «Der Gestank ist hier noch sehr schlimm», sagte in Paiporta unweit der Provinzhauptstadt Valencia eine RTVE-Reporterin. Die Gemeinde mit rund 27.000 Einwohnern und etwa 70 Todesopfern gilt als das «Ground Zero» der Tragödie. Anwohner berichteten dort und in anderen fast komplett zerstörten Ortschaften, man benötige noch mehr Hilfe. «Es gibt schon Ratten», klagte ein Mann im Gespräch mit RTVE. Andere Betroffene weinen und schimpfen. Paiporta-Bürgermeisterin Maribel Albalat bat vor allem um «mehr schwere Maschinen». Es sei «sehr schwierig, das Chaos zu bewältigen».

Die offizielle Zahl der Todesopfer wurde von 217 auf 215 korrigiert – 211 Leichen wurden bisher allein in der Provinz Valencia gefunden, die auch bei deutschen Urlaubern beliebt ist. Es wird erwartet, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigen wird, da noch viele Menschen vermisst werden. Eine offizielle Zahl liegt nach wie vor nicht vor.

Suche nach Vermissten nur noch unter der Erdoberfläche

Die Suche nach den Opfern konzentriert sich jetzt auf Tiefgaragen und andere überflutete unterirdische Einrichtungen wie Tunnel und Passagen. „Über der Erdoberfläche gibt es keine Leichen mehr“, wurde berichtet. Es wird befürchtet, dass einige Opfer in Flussmündungen oder ins Mittelmeer gespült wurden, wie RTVE berichtet. Seit Dienstag unterstützt ein Amphibienschiff der Marine die Such- und Bergungsarbeiten.

Trotz der Sorge um die Vermissten konzentriert sich der Fokus zunehmend auf das Madrider Hilfspaket und die Frage, ob es ausreichend ist. Die Regionalregierung hatte sogar am Vorabend um Hilfszusagen in Höhe von über 30 Milliarden Euro von Madrid gebeten. Dieser Betrag entspricht ungefähr dem gesamten Jahresetat der Region.

In Valencia gab es am Dienstag der vergangenen Woche in einigen Ortschaften innerhalb weniger Stunden so viel Regen wie normalerweise in einem Jahr. Mittlerweile scheint in der Katastrophenzone die Sonne – und das soll auch in den kommenden Tagen so bleiben.

dpa