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Eisheilige im Test: Wo bleibt die Kälte im Mai?

Heftige Kälteeinbrüche im Mai werden oft den „Eisheiligen“ zugeschrieben. Doch neue Daten zeigen, dass diese Bauernregel wenig Aussagekraft hat und Zufälle sind. Der Mythos wird kritisch hinterfragt.

Bauernregel auf dem Prüfstand: Die
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In der Zeit um Christi Himmelfahrt erleben die Menschen in Deutschland häufig einen markanten Temperaturabfall. Oft wird dieser Rückgang als das Phänomen der „Eisheiligen“ bezeichnet. Doch stellt sich die Frage, ob es sich hierbei um ein tatsächliches Wetterereignis handelt oder ob es sich lediglich um einen alten Aberglauben handelt.

Temperatursturz im Mai

Bereits zu Beginn des Mai 2026 erfreuten sich viele an sommerlichen Temperaturen. Doch nur eine Woche später kam es zu einem unerwarteten Kälteeinbruch, der sogar Nachtfrost und in einigen Regionen Schnee mit sich brachte. Solche plötzlichen Wetterwechsel werden häufig den „Eisheiligen“ zugeschrieben. Doch was steckt wirklich hinter diesem Brauch, und lässt sich die Legende durch meteorologische Daten untermauern?

Herkunft der Eisheiligen

Der Begriff „Eisheilige“ bezieht sich auf fünf katholische Heilige: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia, deren Namenstage zwischen dem 11. und 15. Mai im julianischen Kalender gefeiert werden. Es gibt zahlreiche Bauernregeln, die besagen, dass in diesem Zeitraum die Wahrscheinlichkeit für späte Frostnächte steigt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) stellt jedoch fest, dass die Eisheiligen im Vergleich zu anderen Wetterphänomenen wie dem „Siebenschläfer“ oder dem „Weihnachtstauwetter“ keine signifikante Vorhersagekraft besitzen.

Kälteeinbrüche im Mai

Obwohl es tatsächlich vorkommen kann, dass es im Frühling und bis in den Mai hinein zu plötzlichen Kälteeinbrüchen kommt, geschieht dies zufällig und die Wahrscheinlichkeit nimmt im Laufe des Monats ab. Der aktuelle Kälteeinbruch, der auf den 11. Mai fällt, ist reiner Zufall. Zudem ist zu beachten, dass die Eisheiligen nach der gregorianischen Kalenderreform von 1582 erst eine Woche später gefeiert werden sollten, da damals zehn Tage aus dem Kalender gestrichen wurden.

Wetterdatenanalyse

Eine Analyse der Wetterdaten der letzten 50 Jahre zeigt, dass an den Namenstagen der Eisheiligen keine signifikante Häufung von Kälteeinbrüchen zu verzeichnen ist. Der DWD hat die Daten ausgewertet und festgestellt, dass die Bauernregel nur in etwa einem Drittel der Fälle zutrifft, was für eine Wetterregel als unzureichend gilt. Zum Vergleich: Das Weihnachtstauwetter tritt in mehr als zwei Dritteln der Fälle ein.

Die Eisheiligen als Mythos

„Tatsächlich scheinen die Eisheiligen als meteorologische Singularität also eher ein Mythos zu sein, der auf regionalen Sondererfahrungen aus dem Mittelalter fußt und keinesfalls Allgemeingültigkeit besitzt“, so das Fazit des DWD.

Dennoch haben die Eisheiligen als „mystischer Platzhalter“ eine gewisse Daseinsberechtigung. Sie erinnern die Menschen an die Gefahr von Spätfrösten im Mai, die durch den Klimawandel sogar zunehmen kann.

Auswirkungen auf die Landwirtschaft

Für die Landwirtschaft sind späte Kälteeinbrüche ein ernstes Problem, da Frostschäden erhebliche Ernteverluste verursachen können. Durch den Klimawandel beginnen Pflanzen früher zu blühen und zu wachsen, während das Risiko von Frostnächten weiterhin besteht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Eisheiligen zwar in der Volkskultur verankert sind, jedoch aus meteorologischer Sicht nicht als zuverlässige Wetterprognose dienen können. Die tatsächlichen klimatischen Bedingungen und deren Veränderungen sind entscheidend für die Beurteilung von Wetterphänomenen.


Quellen: n-tv, wetter

Bildquelle: depositphotos

TS