Die aktuelle Hitzewelle wird von Klimaleugnern mit Falschinformationen relativiert. Während Experten vor extremer Hitze warnen, kursieren in sozialen Netzwerken irreführende Behauptungen über die Berichterstattung und Wetterdarstellungen.
Meinungsbildung unter Druck: Falsche Informationen zur Hitzewelle

Die gegenwärtige Hitzewelle in Deutschland wirft eine zentrale Streitfrage auf: Wie wird der menschengemachte Klimawandel in der öffentlichen Diskussion wahrgenommen? Während die Temperaturen in die Höhe schnellen, versuchen einige Stimmen, die Realität der extremen Wetterbedingungen zu relativieren und den Klimawandel zu leugnen.
Konflikt um die Wahrnehmung der Hitzewelle
In den sozialen Medien kursieren zahlreiche Kommentare, die die aktuelle Hitzewelle als übertrieben darstellen. Äußerungen wie „Schönen Sommer an alle Klimahysteriker“ oder „Normale Menschen freuen sich über ein paar schöne Tage statt in Hysterie zu kippen“ sind weit verbreitet. Diese Äußerungen stehen im Widerspruch zu den Warnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD), der vor extremer Hitze in Deutschland warnt.
Positionen der Klimawandelleugner
Ein Vorwurf, der seit Jahren im Sommer aufkommt, ist, dass die öffentlich-rechtlichen Medien den Klimawandel zu drastisch darstellen. Kritiker behaupten, dass Hitzetote erfunden würden oder die Wetterdarstellungen manipuliert seien. So äußert das Onlineportal „Auf 1“ etwa, dass „Hitze-Hysterie in der System-Presse“ verbreitet werde und die „Mainstream-Medien wieder Hitzetote erfinden“. In einem Post auf X wird sogar behauptet, dass die Wetterkarten in leuchtend roten Farben dargestellt würden, um die angebliche Erwärmung visuell zu verstärken.
Fakten zur Wetterberichterstattung
Die Behauptungen über eine Manipulation der Wetterkarten sind jedoch unbegründet. In den sozialen Netzwerken kursieren Bilder und Videos, die diese Vorwürfe untermauern sollen. Unter anderem werden KI-generierte Fakes geteilt, die Wetterkarten in Flammen oder mit glühender Lava zeigen. Tatsächlich wurde das Design der tagesschau-Wetterkarten in den Jahren 2005 und 2014 zur besseren Erkennbarkeit verändert. Die Farben werden seitdem kontrastreicher dargestellt, jedoch nicht röter.
Die tagesthemen sehen sich ebenfalls dem Vorwurf ausgesetzt, die Hitze in Deutschland dramatischer darzustellen als früher. Eine seit 2019 kursierende Collage stellt Wetter- und Temperaturkarten nebeneinander, um den Eindruck zu erwecken, dass die aktuellere Karte alles rot darstellt. Wetterkarten zeigen jedoch die erwarteten Wetterverhältnisse, während Temperaturkarten die vorhergesagten Temperaturen anhand einer Farbskala darstellen. Hohe Werte werden typischerweise in Rot- oder Dunkelrottönen dargestellt, niedrigere in Blautönen.
Steigende Anzahl heißer Tage
Um den Klimawandel zu verharmlosen, wird oft behauptet, dass es in der Vergangenheit ebenfalls heiße Tage gegeben habe. Die Fakten zeigen jedoch einen klaren Trend. Nach der Definition des Deutschen Wetterdienstes gilt ein Tag als heiß, wenn die Temperatur mindestens 30 Grad Celsius erreicht. Zwischen 1951 und 1990 gab es lediglich ein Jahr, in dem in Deutschland mehr als zehn heiße Tage registriert wurden. In den darauffolgenden Jahrzehnten war dies hingegen bereits 14 Mal der Fall, wobei zehn dieser Jahre allein im Zeitraum von 2010 bis 2025 liegen. Der bisherige Höchstwert wurde im Jahr 2018 mit insgesamt 20,4 heißen Tagen verzeichnet.
Missverständliche Schlagzeilen aus der Vergangenheit
Häufig werden ältere Schlagzeilen deutscher Medien verbreitet, um zu belegen, dass es in der Vergangenheit sehr heiße Tage gegeben habe. Eine oft zitierte Titelseite der Bild-Zeitung aus dem Jahr 1957 mit der Schlagzeile: „56 Grad! Ganz Deutschland ein Brutofen!“ bezieht sich jedoch nicht auf die Lufttemperatur, sondern auf die Temperatur im Bahnhof von Wanne-Eickel, wo die Bahnhofsuhr bei 56 Grad im Gehäuse ausgefallen sein soll. Tatsächlich wurde in Deutschland bislang noch nie eine Lufttemperatur von über 50 Grad Celsius gemessen.
Eine weitere Schlagzeile aus dem Jahr 1975, die häufig geteilt wird, lautet: „40 Grad Hitze. Jetzt wird das Wetter lebensgefährlich!“ Diese Aussage bezieht sich auf eine Wetterprognose für die Stadt Essen, wo ein Diplom-Meteorologe erklärte, es „könnten 40 Grad im Schatten werden“. Letztlich wurde an diesem Tag jedoch nur eine Temperatur von 30,8 Grad Celsius gemessen.
Quellen: tagesschau








