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Fachkräftemangel in Deutschland: Pfleger, Erzieherinnen und Sozialarbeiter dringend gesucht

Offene Stellen werden zunehmend zur Herausforderung – Experten warnen vor weiterer Verschärfung der Situation. Es fehlen qualifizierte Arbeitskräfte.

Rund 133.000 offene Stellen in Gesundheits- und Sozialberufen können einer Analyse zufolge nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden. (Archivbild)
Foto: Marijan Murat/dpa

Pflegekräfte, Erzieher und Sozialarbeiter fehlen deutschlandweit. Laut einer Analyse gibt es im Durchschnitt des Jahres 2023 rund 133.000 offene Stellen in Gesundheits- und Sozialberufen, die nicht mit qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden können. Dies ergibt sich aus einer Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Fast ein Viertel der gesamtwirtschaftlichen Fachkräftelücke entfällt damit auf diese Bereiche. Laut Studienautor und Experte Jurek Tiedemann schwächte sich der Mangel zuletzt zwar leicht ab, die Situation sei jedoch weiterhin «sehr angespannt» und könnte sich in den nächsten Jahren sogar noch erheblich verschärfen.

Größter Engpass betrifft Erzieherinnen und Erzieher

Bei Erziehern besteht der größte Engpass. Im vergangenen Jahr fehlten durchschnittlich knapp 21.000 Fachkräfte, was zu einem bundesweiten Mangel von etwa 300.000 Betreuungsplätzen führt. Ein strukturelles Problem in Gesundheits- und Sozialberufen verschärft die Situation: Über 80 Prozent der Beschäftigten sind weiblich, mehr als die Hälfte arbeiten in Teilzeit – auch aufgrund der Fachkräftelücke, die sie indirekt dazu zwingt.

«Berufstätige Mütter reduzieren oft ihre Arbeitsstunden, um Lücken in der Kinderbetreuung auszugleichen», so Tiedemann. Eine Bereitstellung von Betreuungsplätzen sei die zentrale Stellschraube, um die Arbeitszeiten von Müttern und Vätern zu erhöhen. 

Prognose: Mindestens 280.000 zusätzliche Pflegekräfte bis 2049

Die Situation in der Sozialarbeit und -pädagogik sowie in der Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege ist ähnlich schwierig. Personen, deren Angehörige aufgrund fehlender Fachkräfte nicht betreut werden können, stehen nur begrenzt dem Arbeitsmarkt zur Verfügung, sagt Tiedemann. Aufgrund der alternden Bevölkerung wird auch hier ein steigender Bedarf erwartet. Das Statistische Bundesamt prognostiziert, dass bis 2049 mindestens 280.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt werden.

Die Experten erkennen ebenfalls positive Entwicklungen. Laut Bundesinstitut für Berufsbildung verzeichnen die Ausbildungen zur Pflegefachfrau und zum Pflegefachmann sowie zur Erzieherin und zum Erzieher die höchste Anzahl an neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Allerdings steigt der Bedarf an qualifiziertem Personal laut der Studie schneller an, als neue Fachkräfte nachkommen.

Um den Fachkräftemangel zu bekämpfen, wird vorgeschlagen, die Anreize für die Ausbildung in Gesundheits- und Sozialberufen weiter zu steigern. Eine direkte Ansprache von männlichen Arbeitnehmern könnte auch dazu beitragen, Geschlechterklischees zu durchbrechen und mehr Männer für eine Tätigkeit in einem Gesundheits- oder Sozialberuf zu gewinnen, so Tiedemann.

dpa