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Postbank-IT-Migration sorgt für Kritik bei Deutscher Bank

Kunden im Regen stehen lassen, Brand in Privatkundenbank, Rechtsstreit belastet Konzernergebnis.

Die Zentrale der Deutschen Bank im Frankfurter Bankenviertel: Die Übertragung des Kundengeschäfts der Postbank auf die Computersysteme der Deutschen Bank hat nicht reibungslos funktioniert.
Foto: Helmut Fricke/dpa

Das Postbank-Durcheinander hat der Deutschen-Bank-Führung viel Kritik von Aktionärsseite eingebracht. «Die Probleme bei der IT-Migration der Postbank sind eine Blamage. Eine Bank darf ihre Kunden nicht so im Regen stehen lassen, wie das bei der Postbank geschehen ist», sagte Fondsmanagerin Alexandra Annecke von Union Investment bei der Hauptversammlung, die erneut nicht als Präsenzveranstaltung stattfand.

Deka-Vertreter Andreas Thomae bilanzierte, in der Privatkundenbank habe es im vergangenen Jahr «lichterloh gebrannt»: «Die vielen Kundenbeschwerden im Zuge der Postbank-Integration haben Sie nicht nur Geld, sondern auch Reputation gekostet.»

Die Integration des Kundengeschäfts der Postbank in die Computersysteme der Deutschen Bank im letzten Jahr verlief nicht reibungslos. Es gab Phasen, in denen Kunden nicht auf ihre Konten zugreifen konnten, Baufinanzierungen verzögert wurden und Menschen mit Pfändungsschutzkonten vorübergehend nicht an dringend benötigtes Geld kamen. Angesichts der zunehmenden Probleme entsandte die Finanzaufsicht Bafin einen Sonderbeauftragten.

Sowohl Aufsichtsratschef Alexander Wynaendts als auch Konzernchef Christian Sewing bekräftigten in ihren bereits vorab veröffentlichten Reden zur Hauptversammlung, die Bank sei in diesem Fall ihrem Qualitätsanspruch nicht gerecht geworden und habe Kunden enttäuscht. Klar sei, dass die Bank «noch mehr Arbeit» vor sich habe, um ihren «Kundenservice weiter zu verbessern», führte Sewing aus.

Weiterer Ärger mit der Postbank

In Bezug auf die Postbank gab es jedoch kürzlich weitere Probleme für Deutschlands größte Bank: In einem langjährigen Rechtsstreit mit ehemaligen Postbank-Aktionären deutete das Oberlandesgericht Köln an, dass es zugunsten der Kläger entscheiden könnte. Aus diesem Grund hat die Deutsche Bank vorsorglich 1,3 Milliarden Euro zurückgestellt – eine Belastung für das Konzernergebnis des laufenden Jahres.

Im Wesentlichen geht es darum zu klären, ob die Zwangsabfindung der Minderheitsaktionäre im Jahr 2010 angemessen war und ob die Deutsche Bank bereits vor dem öffentlichen Übernahmeangebot für die Postbank im Jahr 2010 tatsächlich die Kontrolle über das Bonner Institut hatte.

Deka-Vertreter Thomae zeigte sich angesichts der plötzlichen Milliardenrückstellung, die die Bank nur einen Tag nach einem rekordverdächtigen Quartalsergebnis öffentlich machte, verärgert: «Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: 1,3 Milliarden Euro. Quasi aus dem Nichts. Wie konnte es zu solch einer Fehleinschätzung von Ihrer Seite kommen, Herr Sewing?»

Konzernchef Sewing betonte: «Wir sind nach wie vor der Meinung, dass die Deutsche Bank vor dem Wirksamwerden des Kaufvertrages und auch vor Freigabe des Kaufvertrages durch die Kartellbehörden und die Bafin noch keine Kontrolle über die Postbank hatte.»

dpa