Die steigenden Diebstahlverluste im deutschen Einzelhandel erreichen mit über 4,3 Milliarden Euro einen neuen Höchststand. Experten warnen vor zunehmender Aggressivität der Täter und einem besorgniserregenden Anstieg des Kundendiebstahls.
Alarmierende Zahlen: Steigende Diebstähle im deutschen Einzelhandel und ihre Ursachen

Die Schäden durch Diebstahl im deutschen Einzelhandel haben im Jahr 2025 die Marke von 4,3 Milliarden Euro überschritten, was einem Anstieg von 3,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dies ist der vierte Anstieg in Folge und stellt eine erhebliche Belastung für die Branche dar.
Wachsende Herausforderungen für den Einzelhandel
Die Studie des Handelsforschungsinstituts EHI zeigt, dass sowohl Kunden als auch Mitarbeiter und externe Dienstleister für die steigenden Verluste verantwortlich sind. Frank Horst, ein EHI-Experte, bezeichnete den organisierten und gewerbsmäßigen Diebstahl als die größte Herausforderung für die Handelsunternehmen. „Die Diebe werden immer aggressiver“, erklärte Horst und verwies auf die zunehmenden Übergriffe auf Beschäftigte.
Ursachen für den Anstieg
Die Zunahme von Diebstählen wird unter anderem auf die hohen Lebenshaltungskosten zurückgeführt. „Die aktuelle politische Lage und die wirtschaftlichen Aussichten setzen viele Verbraucher und Beschäftigte unter finanziellen Druck, was zu mehr Gelegenheitsdiebstählen führt“, sagte Horst. Der Handelsverband Deutschland (HDE) hebt zudem hervor, dass der Respekt vor fremdem Eigentum schwindet und die Strafverfolgung Defizite aufweist.
Statistiken und Daten
Der größte Teil der Diebstähle entfällt mit rund 3,05 Milliarden Euro auf Kundendiebstahl, wobei ein Drittel dieser Summe organisierten Tätergruppen zuzuordnen ist. Die Schäden durch eigene Mitarbeiter belaufen sich auf 910 Millionen Euro, während externes Personal wie Handwerker und Reinigungskräfte weitere 370 Millionen Euro verursachte.
Insgesamt stiegen die Inventurdifferenzen, die auch organisatorische Fehler wie falsche Preisauszeichnungen umfassen, 2025 um 3,2 Prozent auf 5,11 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Verlust von etwa einem Prozent des Umsatzes für die Händler, was dem deutschen Staat jährlich Umsatzsteuereinnahmen in Höhe von etwa 590 Millionen Euro entgehen lässt.
Produkte im Fokus der Diebe
Die am häufigsten gestohlenen Produkte variieren je nach Geschäftstyp:
- Lebensmittelhandel: alkoholische Getränke, Tabakwaren, Kaffee, Rasierklingen und Parfums.
- Drogeriemärkte: Kosmetikprodukte, Babynahrung und Rasierklingen.
- Bekleidungshandel: Jeans, Schuhe und Accessoires.
- Unterhaltungselektronik: Konsolen, Videospiele und Smartphones.
- Baumärkte: hochwertige Handwerkzeuge und Elektromaschinen.
Maßnahmen der Handelsunternehmen
Um den Diebstählen entgegenzuwirken, investierte der Einzelhandel 2025 insgesamt 3,3 Milliarden Euro in Präventionsmaßnahmen. Das umfasst unter anderem Schulungen, Videoüberwachung und die Anstellung von Ladendetektiven. Händler ziehen zunehmend in Betracht, begehrtes Diebesgut in Vitrinen zu sichern.
Der Hauptgeschäftsführer des HDE, Stefan Genth, fordert eine konsequente Verfolgung und Bestrafung von Ladendieben, um das Vertrauen in die Strafverfolgungsbehörden wiederherzustellen. Er schlägt vor, die Mindeststrafe für bandenmäßigen Diebstahl auf ein Jahr zu erhöhen.
Quellen: n-tv








