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Deutsche Autokonzerne in der Krise

Deutsche Autokonzerne verzeichneten 2024 Umsatzrückgang und hinken bei Gewinnentwicklung hinterher. Herausforderungen durch schwache Nachfrage und globale Konflikte.

Für die deutschen Autohersteller lief es 2024 schlechter als für viele ihrer Wettbewerber. (Archivbild)
Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Im vergangenen Jahr schnitten die deutschen Autokonzerne schlechter ab als viele ihrer Konkurrenten, wie aus einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervorgeht. Nur bei Stellantis war die Umsatzentwicklung noch schlechter. Opel verzeichnete einen Rückgang von 17 Prozent. VW erzielte 2024 noch ein leichtes Umsatzplus, während BMW und Mercedes-Benz weniger Umsatz machten. Insgesamt sanken ihre Erlöse um 2,8 Prozent.

Verglichen damit stieg der Umsatz aller analysierten Unternehmen im Jahr 2024 um 1,6 Prozent und überstieg die Marke von zwei Billionen Euro. Das deutsche Trio machte zwar immer noch etwa 30 Prozent aus, mit einem Umsatz von fast 613 Milliarden Euro. Der Anteil am Gesamtumsatz sank jedoch im Vergleich zum Vorjahr.

Auch hinsichtlich des operativen Gewinns lagen VW, BMW und Mercedes deutlich hinter den meisten anderen Konzernen zurück. Besonders japanische Hersteller und US-Autobauer entwickelten sich besser als die deutschen Unternehmen.

EY-Experte: Der Wind hat sich gedreht

Für die deutschen Hersteller läuft es laut EY-Marktbeobachter Constantin Gall nicht rund: «Der Absatz entwickelt sich schwach, die hohen Investitionen in die Elektromobilität amortisieren sich nicht, weil die Nachfrage bei weitem nicht so stark ist wie erhofft.» Hinzu kommen ihm zufolge hausgemachte Probleme wie teure Software-Fehlschläge, Restrukturierungskosten und Rückrufe. 

Im Jahr 2023 sei es laut Gall den Premiumherstellern noch gelungen, hohe Preise durchzusetzen. Doch mittlerweile habe sich die Situation geändert. Die Wirtschaftslage und globale Konflikte führten zu einem deutlichen Rückgang der Nachfrage. Der Wettbewerb finde nun verstärkt über den Preis statt. Zudem bereiten den Deutschen vor allem asiatische Hersteller mit ihren innovativen und gleichzeitig preiswerten Fahrzeugen immer größere Sorgen.

Krise in der Autoindustrie

Die Autoindustrie befindet sich aufgrund der schwachen Konjunktur in einer Krise und leidet vor allem unter der geringeren Nachfrage nach E-Autos. In den letzten Monaten haben mehrere Hersteller und Zulieferer bereits Sparprogramme mit Stellenabbau angekündigt.

Durch den Handelsstreit mit den Vereinigten Staaten dürfte sich die Situation deutlich verschärfen: Letzte Woche hat US-Präsident Donald Trump seine Drohungen wahr gemacht und Zusatzzölle in Höhe von 25 Prozent auf alle Autoimporte für Anfang April angekündigt. Insbesondere für die deutschen Hersteller kommt dies zur Unzeit, da die USA laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts ihr wichtigster Exportmarkt sind. Kein anderes Land hat so viele neue Pkw aus Deutschland importiert wie die Vereinigten Staaten.

Gall: «Man kann sich nicht gesund sparen»

In laufenden Jahr rechnet Gall nicht mit einer positiven Trendwende – weder beim Absatz noch bei Umsatz und Gewinn: «In Europa lahmt die Konjunktur, in den USA dürften die jetzt eingeführten Zölle erhebliche Absatzeinbußen zur Folge haben und in China herrscht ein erbitterter Verdrängungswettbewerb, der stark über den Preis ausgetragen wird». Die Unternehmen müssten jetzt ihre Hausaufgaben machen. An einer strategischen Neuausrichtung und einer Fokussierung auf den Markenkern führe kein Weg vorbei. Ein Sparkurs könne nur Mittel zum Zweck sein, um die eigene Transformation zu finanzieren «Man kann sich nicht gesund sparen», sagte Gall.

dpa