Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Geringe Apfelernte treibt Preise für Lebensmittel

Die Apfelernte fällt in diesem Jahr mau aus. Auch andere Obstsorten sind knapp. Für die Verbraucher dürfte das höhere Preise bedeuten – und nicht nur bei Tafeläpfeln.

Ein paar Äpfel sind dann doch dran. Die Obstbauern erwarten aber eine schwache Gesamternte. (Archivbild)
Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Verbraucher in Deutschland müssen aufgrund des schlechten Wetters und der mangelhaften Ernten mit höheren Preisen für Äpfel und verarbeitete Produkte rechnen. Die Apfelernte in Deutschland wird in diesem Jahr so niedrig ausfallen wie seit sieben Jahren nicht mehr, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Auch andere Obstsorten sind in diesem Jahr knapp.

Die Obstbaubetriebe erwarten eine Menge von 734.000 Tonnen, die weit unter dem Durchschnitt liegt, wie die Statistikbehörde auf der Grundlage einer Schätzung aus dem Juli berichtet. Dies entspricht einem Rückgang von rund 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und liegt 26,3 Prozent unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Die Agrar-Informations-Gesellschaft AMI geht von einer etwas höheren Menge von etwa 800.000 Tonnen aus.

Ernteausfälle bis zu 90 Prozent

Vor allem in den südöstlichen Bundesländern wie Thüringen und Sachsen führten Spätfröste dazu, dass die Blüten erfroren, Hagel beschädigte zahlreiche Fruchtansätze. Starke Niederschläge und die oft feuchtkühle Witterung behinderten später im Jahr die Fruchtentwicklung. Die Ernteausfälle belaufen sich auf bis zu 90 Prozent. In Nordrhein-Westfalen wurde die Apfelernte im Vergleich zum Vorjahr halbiert.

Voraussichtlich werden im Jahr 2024 drei Viertel der deutschen Apfelernte aus den großen Anbaugebieten in Baden-Württemberg (Bodensee) und Niedersachsen (Altes Land) stammen. Diese beiden Länder vereinen gut 60 Prozent der gesamtdeutschen Anbaufläche für Äpfel auf sich.

Im benachbarten Ausland ist die Situation etwas besser: Laut der AMI-Prognose ist die diesjährige Apfelproduktion in Europa nur um elf Prozent geringer als im Vorjahr. Die Apfelernte begann im August. Dank dieser Schätzung weiß die Branche eigenen Angaben zufolge ziemlich genau, wie viel Obst auf den Markt kommen wird. Auch bei vielen anderen Früchten wie Kirschen, Birnen, Zwetschgen und Mirabellen sind demnach unterdurchschnittliche Ernten zu erwarten.

Laut AMI-Marktexperte Helwig Schwartau sind Äpfel die beliebteste Obstsorte in Deutschland. Es wird erwartet, dass etwa 100.000 Tonnen mehr importiert werden müssen als bisher. Der durchschnittliche Ladenverkaufspreis dürfte um etwa zehn Prozent steigen und in der Regel die Marke von zwei Euro pro Kilo überschreiten, schätzt Schwartau. Für im Mittelmeerraum produzierte Sorten wie Golden Delicious oder Gala werden stabile Mengen erwartet, während es bei aus dem Norden stammenden Sorten wie Jonagored oder Elstar ein Defizit geben soll.

«Wasser ist der entscheidende Faktor»

«Wegen des Klimawandels müssen wir uns darauf einstellen, dass in den kommenden Jahren in Europa weniger Obst produziert wird», sagt Schwartau. Um die Schwankungen bei Hitze und Frost auszugleichen, benötigten die Obstbauern Bewässerungsanlagen. «Wasser ist der entscheidende Faktor. Aber nicht in allen Regionen gibt es die nötigen Vorkommen.»

Die geringen Erträge haben auch Auswirkungen auf verarbeitete Produkte wie Fruchtsäfte und Smoothies. Der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie (VdF) gibt an, dass sich die Preissteigerungen beim Apfelsaft noch nicht abschließend beziffern lassen. Im Jahr 2023 haben die Verbraucher in Deutschland bereits weniger Fruchtsaft und -nektar konsumiert. Dies war auf die gestiegenen Preise zurückzuführen. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes liegt der Preis für Apfelsaft derzeit 33 Prozent höher als 2020, für Orangensaft sogar 57 Prozent.

Höhere Preise schwer durchsetzbar

Vor ähnlichen Problemen stehen die Apfelwein-Keltereien rund um Frankfurt, die ohnehin schon unter höheren Energiekosten leiden. «Für die Produktion ist es schwierig, die Äpfel zusammenzubekommen, die man für ein Jahr braucht», sagt Ralf Walther vom Verband der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien. Die Früchte müssten dann aus anderen Regionen bezogen werden. «Das heißt, wir müssen tiefer in die Tasche greifen.» Zugleich fehle den Kunden oftmals die Bereitschaft, mehr Geld auszugeben. «Sie wollen Gold haben, aber nur Blei bezahlen.»

Auch Hersteller von Apfelmus und Apfelmark, von Konfitüre, Marmeladen, Obstkonserven und fruchthaltigen Brotaufstrichen sind betroffen. Laut Christoph Freitag, dem Geschäftsführer des Bundesverbandes der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK), müssen diese Unternehmen höhere Preise an den Handel weitergeben, um Verluste zu vermeiden.

Bisher ist nicht bekannt, wie hoch die Preiserhöhungen für Verbraucher sein werden. Der Verband der Großbäckereien schätzt, dass bei Kuchen und Gebäck mit Obst Preissteigerungen von bis zu fünf Prozent möglich sind. „Dies hängt jedoch auch von der Preisentwicklung bei anderen Zutaten wie Mehl und Zucker ab“, sagt Geschäftsführer Tobias Schuhmacher.

Kleinere Pfirsiche und Aprikosen

Der BOGK beschreibt die Lage als «drastisch». In Polen, dem wichtigsten Lieferland für Erdbeeren, wurde nur die Hälfte der sonst üblichen Menge geerntet. In anderen Ländern sei es ähnlich. Ein Ausweichen auf andere Obstsorten sei in diesem Jahr nicht möglich, weil diese ebenfalls knapp sind. So sind auch andere rote Beerenfrüchte betroffen, bei Pfirsichen und Aprikosen sind kleinere Früchte und Qualitätsprobleme die Folge der kühleren Witterung.

Aufgrund der geringen Verfügbarkeit von Rohstoffen können die üblichen Produktionsmengen nicht erreicht werden. Laut Verbandsgeschäftsführer Freitag sind die verfügbaren Früchte aufgrund der knappen Mengen auch deutlich teurer. Darüber hinaus sind auch die Produktionskosten gestiegen – beispielsweise für Energie, Personal und Logistik.

dpa