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Apple öffnet App-Marktplätze und Bezahlmethoden für iPhones in der EU

Nutzerinnen und Nutzer von iPhones in der Europäischen Union können nun alternative App-Marktplätze nutzen und Bezahlmethoden ihrer Wahl verwenden, dank der neuen EU-Gesetzgebung.

Apple reagiert auf rechtliche Vorgaben durch das neue EU-Gesetz über Digitale Märkte.
Foto: Fabian Sommer/dpa

Apple hat am Donnerstag in Cupertino angekündigt, dass Nutzerinnen und Nutzer eines iPhones in der Europäischen Union zukünftig nicht nur Anwendungen aus dem App-Store von Apple installieren können, sondern auch alternative App-Marktplätze nutzen dürfen.

Gleichzeitig erlaubt das Unternehmen, das iPhones herstellt, konkurrierende Bezahlsysteme und alternative Technologien für Webbrowser, die bisher von Apple aufgrund von Sicherheitsrisiken nicht erlaubt waren. Um von den neuen Funktionen Gebrauch machen zu können, muss auf dem Gerät die aktuellste Version des Betriebssystems iOS 17.4 installiert sein.

Kontrolle bleibt bei Apple

Apple reagiert damit auf rechtliche Vorgaben durch das neue EU-Gesetz über Digitale Märkte (Digital Markets Act/DMA). Danach müssen große und dominante Anbieter, sogenannte «Gatekeeper», App-Stores anderer Anbieter zulassen. Bisher konnte man auf iPhones Apps nur aus der hauseigenen Download-Plattform des Konzerns herunterladen.

Apple behält allerdings auch künftig teilweise die Kontrolle über die Installation von Anwendungen, auch wenn diese außerhalb des eigenen App Stores stattfindet. Die Apps können nicht wie beim Google-System Android einfach mit dem Browser heruntergeladen und auf eigenes Risiko installiert werden. Vielmehr müssen die Kunden dafür «beglaubigte» Marktplätze verwenden. Das sind iPhone-Anwendungen, die mit dem Segen von Apple wiederum andere Apps installieren dürfen.

Im Gespräch mit der dpa verwies Apple-Topmanager Phil Schiller auf die Risiken, die mit einer direkten Installation verbunden seien. «Wenn jede beliebige Website Apps auf das Gerät herunterladen kann, stellt dies eine große Gefahr für die Sicherheit und den Datenschutz der Nutzer dar», sagte Schiller der dpa. Mit dem nun eingeführten System mit einem Beglaubigungsprozess erfülle man auch die Anforderungen des EU-Gesetz über Digitale Märkte. Insgesamt seien Nutzer in Europa allerdings durch die mit dem DMA erzwungenen Maßnahmen einem höheren Risiko ausgesetzt als Anwender außerhalb der EU.

Mit der aktuellen Ankündigung von Apple wird es in Zukunft möglich sein, auch auf alternativen Marktplätzen alle Apps automatisch auf bekannte Schadsoftware und andere Sicherheitsbedrohungen zu überprüfen. Jedoch werden die Geschäftspraktiken, die mit den Apps verbunden sind, oder die Inhalte, die dort gezeigt werden, nicht überprüft.

Andere Web-Browser zukünftig möglich

Parallel zu den Anpassungen bei den App-Stores führt Apple auch weitere Änderungen ein, um Monopol-Vorwürfen der EU entgegenzutreten. So können europäische Anwenderinnen und Anwender künftig den Standard-Browser im iPhone frei festlegen. Bislang öffnet der Apple-Browser Safari automatisch alle Web-Links. Künftig kann diese Aufgabe auch von Browsern wie Google Chrome, Firefox, Microsoft Edge, Brave, Opera oder DuckDuckGo übernommen werden. Die Wettbewerber werden auch nicht mehr dazu gezwungen, in ihren Apps die von Apple favorisierte Technik «WebKit» zur Darstellung von Webseiten zu verwenden, sondern dürfen ihre eigenen «Web-Engines» benutzen.

Auch das Apple-Monopol bei kontaktlosen Zahlungstransaktionen mit dem iPhone fällt in der EU. Bislang konnte nur der hauseigene Bezahldienst Apple Pay die NFC-Funktion («Near Field Communication») des iPhones nutzen, um eine Bezahlung an der Supermarktkasse oder anderen Bezahlterminal vorzunehmen. Die Anwender können künftig selbst festlegen, welche Bezahl-Anwendung standardmäßig starten soll.

Apple hat bei der umstrittenen Umsatzbeteiligung für Bezahl-Apps oder In-App-Käufe nur wenig Entgegenkommen gezeigt. Bisher verlangt Apple von kleineren Entwicklern und bei Langzeit-Abonnements eine Umsatzbeteiligung von 15 Prozent. Anbieter mit einem Jahresumsatz von über einer Million US-Dollar müssen sogar 30 Prozent abführen. Diese Provisionen werden nun auf 10 Prozent und 17 Prozent gesenkt. Wenn die Entwickler die Zahlungsabwicklung des App Stores nutzen, fallen zusätzlich drei Prozent an. Als Zugeständnis gegenüber der EU erlaubt Apple den Entwicklern nun, einen alternativen Zahlungsdienstleister in ihrer App zu verwenden oder die Nutzer auf eine Website zu verlinken, um Zahlungen ohne zusätzliche Gebühren von Apple zu verarbeiten.

Neu eingeführt wird eine «Kern-Technologie-Gebühr» für Apps, die sehr oft installiert wurden. Sie beträgt für jede erste jährliche Installation, die über einer Schwelle von einer Million liegt, 50 Euro-Cent. Apple geht davon aus, dass künftig nur weniger als ein Prozent der Entwickler diese Gebühr für ihre EU-Apps zahlen müssen.

dpa