In Deutschland haben wieder mehr junge Menschen eine Berufsausbildung begonnen. Der Einbruch durch Corona ist aber nicht ganz aufgeholt. Die Bundesagentur für Arbeit sieht Probleme bei der Mobilität.
Ausbildung wird für junge Leute wieder attraktiver

Das Tal der Coronazeit scheint größtenteils überwunden zu sein: Eine traditionelle Berufsausbildung – sei es als Handwerker, im Dienstleistungssektor oder in der Industrie – ist für Jugendliche wieder attraktiver geworden. Im letzten Jahr begannen laut dem Statistischen Bundesamt in Deutschland mehr junge Menschen eine Ausbildung als 2022. Die Anzahl der neuen Ausbildungsverträge stieg um 10.000 (2,1 Prozent) auf 479.900, wie die Statistiker in Wiesbaden berichteten.
Dies ist der dritte Anstieg in Folge – nach 466.200 im Jahr 2021. Allerdings ist der starke Rückgang infolge der Corona-Krise noch nicht vollständig aufgeholt. Im Vorkrisenjahr 2019 hatten noch 510.900 junge Menschen eine Ausbildung begonnen, 2020 war die Zahl auf 463.300 eingebrochen.
Positive Entwicklung im laufenden Ausbildungsjahr
Im laufenden Ausbildungsjahr 2023/2024 zeigt der Trend nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit erneut nach oben. Bis März hätten der Ausbildungsvermittlung 52.000 Bewerberinnen und Bewerber mitgeteilt, eine Stelle gefunden zu haben. Das sind 1000 mehr als vor einem Jahr. 190.000 Bewerber – 4000 mehr als im Vorjahr – gelten derzeit als unversorgt. Sie haben noch keine Lehrstelle, aber auch keine Alternative, etwa eine Möglichkeit für weiteren Schulbesuch, ein freiwilliges soziales Jahr oder ein Studium. Hinzu kommen 30.000, die zwar eine Alternative hätten, aber lieber eine Lehre beginnen würden. Demgegenüber stehen noch 281.000 unbesetzte Ausbildungsplätze, die den Arbeitsagenturen gemeldet wurden. Das sind 16.000 weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.
Die Zahlen spiegeln nicht das Gesamtbild wider: Laut der Bundesagentur nutzen derzeit lediglich 59 Prozent der Bewerber, aber 75 Prozent der Lehrbetriebe die Ausbildungsvermittlung – die übrigen suchen eigenständig. Darüber hinaus ist der Markt momentan noch sehr dynamisch. Ein Gesamtbild für das aktuelle Ausbildungsjahr wird erst im September von den Nürnberger Statistikern erwartet.
Die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur, Andrea Nahles, beklagt zunehmend sogenannte Passungsprobleme – in regionaler, aber auch in inhaltlicher Hinsicht. «Freie Stellen sind dort, wo die jungen Menschen nicht sind und umgekehrt», sagte Nahles der Deutschen Presse-Agentur. «Die Herausforderung liegt nun darin, die Jugendlichen dabei zu unterstützen, regional, aber auch überregional mobiler zu werden.» Der seit 1. April mögliche Mobilitätszuschuss für junge Leute in Ausbildung sei deswegen ein Fortschritt.
Berufsausbildung bleibt wichtig für Fachkräftesicherung
Nahles betonte, Berufsausbildung bleibe eine wesentliche Stellschraube, um Fachkräfte im Inland zu sichern. «Eine Berufsausbildung ist noch immer der beste und nachhaltigste Schutz vor Arbeitslosigkeit», sagte sie. «Die Arbeitslosenquote von Menschen ohne Berufsabschluss ist mit 19,8 Prozent rund siebenmal höher als die Arbeitslosenquote von Menschen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung», sagte Nahles.
Laut dem Statistischen Bundesamt schlossen im Jahr 2023 signifikant mehr Männer einen Neuvertrag ab – mit einem Anstieg von 2,8 Prozent war dieser fast dreimal so hoch wie bei den Frauen (plus 1,0 Prozent). Auch im Bereich der Handwerksberufe gab es eine positive Entwicklung: Die Anzahl der Ausbildungsverträge stieg um 1,9 Prozent auf 129.800. Dies konnte jedoch den Rückgang des Vorjahres nicht vollständig kompensieren.
Die Anzahl der Auszubildenden in Deutschland blieb im Jahr 2023 im Vergleich zum Vorjahr stabil. Zum Jahresende befanden sich 1.215.500 Personen in einer Berufsausbildung. Dies entsprach einem Rückgang von lediglich 0,1 Prozent gegenüber dem Jahr 2022. Somit verlangsamte sich der Trend sinkender Ausbildungszahlen aus den Vorjahren.








