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Investitionen in Deutschland sinken weiter, Deutschland verliert an Attraktivität für ausländische Investoren

Deutschland verzeichnete den niedrigsten Stand seit 2013 mit 733 Investitionsprojekten, während Frankreich und Großbritannien ihre Investitionen steigerten. EY warnt vor anhaltender Abwärtstrend.

Eine Analyse von EY zeigt: Internationale Investoren haben im vergangenen Jahr ihr Engagement in Deutschland erneut zurückgefahren. Notwendig seien deshalb eine echte Steuerreform und ein Abbau von Regulierung (Symbolbild).
Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Laut einer Studie haben internationale Investoren im vergangenen Jahr erneut ihr Engagement in Deutschland reduziert. Unternehmen aus dem Ausland kündigten 2023 hierzulande 733 Investitionsprojekte an – zwölf Prozent weniger als im Vorjahr. Dies ist der niedrigste Stand seit 2013 und der sechste Rückgang in Folge, wie aus der Analyse des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY hervorgeht.

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern behält Deutschland den dritten Platz bei, aber der Abstand zu Frankreich als Spitzenreiter hat sich erneut vergrößert. Laut EY gab es dort zwar fünf Prozent weniger Vorhaben, aber immer noch 1194. Großbritannien, das kein EU-Land mehr ist, folgt mit 985 Projekten (plus sechs Prozent). EY verzeichnete im Jahr 2017 die höchste Anzahl ausländischer Investitionen in Deutschland mit 1124 Vorhaben. Vor der Corona-Pandemie im Jahr 2019 lag die Zahl bei 971. EY führt diese Studie seit 2006 durch. Es wurden keine Angaben zum Investitionsvolumen gemacht.

EY-Chef: Deutschland wird abgehängt

Der Vorsitzende der EY-Geschäftsführung, Henrik Ahlers, hält den Rückgang für eine beunruhigende Entwicklung: «Das ist ein Alarmsignal. Deutschland wird abgehängt, andere europäische Standorte entwickeln sich viel dynamischer», wird er in einer Mitteilung zitiert. Seit 2017 sei die Zahl der Investitionsprojekte in Deutschland um 35 Prozent gesunken, in Großbritannien betrug das Minus in dem Zeitraum 18 Prozent. Frankreich legte hingegen um 20 Prozent zu. «Frankreich ist der große Brexit-Gewinner. Deutschland hingegen hat sogar noch mehr Investitionen verloren als Großbritannien», sagte Ahlers.

Ahlers macht für das schwache Abschneiden Deutschlands mehrere Gründe aus, darunter die hohe Steuerbelastung, hohe Arbeitskosten, teure Energie sowie die Bürokratie im Land. «Das Ergebnis: Die Investitionen sinken, die Stimmung bei Verbrauchern wie Unternehmen ist im Keller, die Konjunktur entwickelt sich so schwach wie in keinem anderen Industrieland».

Auch in ganz Europa verlangsamte sich das Wachstum, jedoch nicht so stark wie in Deutschland. Im Jahr 2023 sank die Anzahl der angekündigten Projekte um vier Prozent auf insgesamt 5694. Besonders dynamisch entwickelten sich die Türkei (plus 17 Prozent) und die Schweiz (plus 53 Prozent). Trotzdem wurde das Niveau vor der Pandemie weiterhin in ganz Europa nicht erreicht. Die Anzahl der Projekte lag elf Prozent unter dem Wert von 2019.

US-Investoren fahren Engagement zurück

US-Unternehmen waren vergangenes Jahr zwar immer noch die wichtigsten Investoren in Europa und Deutschland – die Zahl der Projekte schrumpfte aber um 15 Prozent, hierzulande sogar um 22 Prozent. Ahlers macht dafür milliardenschwere Subventionsprogramme wie den Inflation Reduction Act (IRA) verantwortlich. «Die US-Standortpolitik zeigt Wirkung», sagte er. «US-Konzerne investieren offenbar verstärkt im eigenen Land und seltener in Europa.»

US-Investoren hätten den Standort Deutschland zwar keineswegs abgeschrieben, das Vertrauen sei aber erschüttert. Top-Prioritäten der deutschen Politik und Wirtschaft sollte sein, dieses wieder herzustellen, sagte Ahlers. Um einen Subventionswettlauf könne es aber nicht gehen. Vielmehr müssten die Rahmenbedingungen verbessert werden. Ahlers zeigte sich jedoch skeptisch, ob das schnell gelingen kann: «Die Probleme in Deutschland liegen tief und sind auch struktureller Art. Eine Trendwende wird daher nicht von heute auf morgen gelingen», sagte er. Notwendig seien eine echte Steuerreform und ein Abbau von Regulierung.

dpa