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Backhandwerk auf dem Rückzug – Doch die Brotindustrie wächst

In vielen Haushalten kommen regelmäßig Backwaren auf den Tisch. Aber wer backt Brot, Brezen und Brötchen eigentlich? Über eine Branche im Wandel.

Den meisten Umsatz machen mittlerweile Großbetriebe. (Archivbild)
Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Die Deutschen kaufen ihr Brot immer häufiger bei Großbäckereien oder im Supermarkt. Während das klassische Bäckerhandwerk seit Jahren schrumpfe, expandiere die Brotindustrie, teilte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) auf Grundlage einer Branchenanalyse mit. Die NGG spricht von einer «zunehmenden Dominanz von Großfilialisten und Brotindustrie».

Laut der Analyse der NGG in Zusammenarbeit mit der Hans-Böckler-Stiftung sei der Umsatz der gesamten Backwarenbranche mit 282.000 Beschäftigten im Jahr 2023 zwar auf 21,8 Milliarden Euro gestiegen, aber die Anzahl der Betriebe des traditionellen Bäckerhandwerks sei in den letzten zehn Jahren um 30 Prozent gesunken. In derselben Zeitspanne seien 20.000 Arbeitsplätze verloren gegangen.

Brot und Brötchen sind in den letzten Jahren überdurchschnittlich teurer geworden. Laut Angaben des Statistischen Bundesamts von Ende April stiegen die Preise für Backwaren von 2019 bis 2023 um gut ein Drittel. Die Backwarenbranche beklagt – wie andere Branchen auch – hohe Energiekosten, Personalmangel und viel Bürokratie.

55 Betriebe machen mehr als ein Drittel des Umsatzes

Während viele traditionelle Bäckereien verschwinden, expandieren andere. Die Zahl der großen Lieferbäckereien wie Harry Brot oder Lieken Urkorn, die Supermärkte mit abgepacktem Brot beliefern, und Großfilialisten wie Schäfers, Kamps oder Steinecke ist der Analyse zufolge von 2014 bis 2024 um rund 20 auf 133 gestiegen. «Die Branchenstruktur hat sich also weiter in Richtung der Großen verschoben, auf die auch das Gros der Umsätze entfällt», heißt es. 55 von insgesamt 8.100 Betrieben hätten mit jeweils über 50 Millionen Euro Umsatz einen Marktanteil von 36 Prozent.

Auch im Bereich der Beschäftigtenzahlen gibt es eine Verlagerung hin zu Großbetrieben. „Mittlerweile arbeiten fast 62.000 Menschen – 9.000 mehr als noch vor zehn Jahren. Hingegen sank die Zahl bei kleinen und mittleren Unternehmen um 26.000 auf 139.000.“

Zwar habe die Zahl der Beschäftigten «parallel zu der sich erholenden Geschäftsentwicklung vieler Betriebe bis 2024 insgesamt um 2.000 Beschäftigte zugenommen». Jedoch sei das Wachstum allein auf mehr Minijobs zurückzuführen. «Diese Entwicklung zeigt eine Verschiebung hin zu weniger stabilen und tendenziell schlechter abgesicherten Arbeitsverhältnissen», beklagte der NGG-Vorsitzende Guido Zeitler. 

Laut der Analyse klagen viele Mitarbeiter grundlegend über eine hohe Arbeitsbelastung – insbesondere Verkäuferinnen und Verkäufer in den Filialen. „Dies ist unter anderem auf Personalmangel und Zeitdruck zurückzuführen“, sagte der Studienleiter Stefan Stracke von wmp consult.

Fast jeder vierte Bäckerlehrling bricht die Ausbildung ab

Der Mangel an Personal und Fachkräften bleibt eine der größten Herausforderungen in der Branche. Einige Bäckereibetriebe haben bereits in Südostasien und Nordafrika nach Auszubildenden gesucht. Fast ein Viertel der Auszubildenden im Bäckergewerbe hat einen Migrationshintergrund.

Positiv bewertet die Gewerkschaft die jüngste Entwicklung bei den Auszubildenden-Zahlen. «Mehr junge Menschen wollen wieder in Bäckereien arbeiten», teilte die NGG mit. 2024 habe es 11,4 Prozent mehr Bäcker-Azubis gegeben als im Vorjahr, bei den Fachverkäufern sogar 22,5 Prozent mehr. Insgesamt waren es 11.000 Azubis und damit rund 1.000 mehr als im Vorjahr. Zuvor sei die Zahl der Auszubildenden jahrelang rückläufig gewesen. Ob dies ein nachhaltiger Trend sei, bleibe abzuwarten. 

Arbeit von der Nacht in den Tag verlagern

Viele Lehrlinge beenden auch ihre Ausbildung vorzeitig. Laut der Analyse lag die Abbruchquote bei den Bäckereifachverkäufern zwischen 25 und 29 Prozent von 2018 bis 2023, bei den Bäckerlehrlingen betrug sie 18 bis 23 Prozent.

Um das Bäckerhandwerk attraktiver zu machen, könne die Arbeit von der Nacht in den Tag verlagert werden, heißt es. In der Breite gebe es bislang eher selten Schritte zur umfassenden Verlagerung. Viele Betriebe seien jedoch bestrebt, vorbereitende Arbeiten bestmöglich tagsüber vorzunehmen. Doch es gibt Grenzen: «Nachts muss gebacken werden, auch Aufgaben wie die Auslieferung von Waren an die Filialen erfolgen weiterhin nachts beziehungsweise in den frühen Morgenstunden.»

dpa