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Deutsche Bahn plant Sanierungsprogramm «S3» bis 2027

Der Konzern strebt Verbesserungen in Infrastruktur, Betrieb und Wirtschaftlichkeit an, um Verluste zu reduzieren und die Pünktlichkeit zu steigern.

Der Ärger über die Deutsche Bahn ist bei vielen Menschen groß - ob daran das Sanierungsprogramm bis 2027 etwas ändern kann? (Archivbild)
Foto: Moritz Frankenberg/dpa

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn beschäftigt sich am Mittwoch mit einem neuen Sanierungsprogramm für den Konzern. Mit dem Programm «S3» will die Bahn nach zuletzt schlechten Monaten bis 2027 die Trendwende schaffen. Die Frage ist, mit welchen konkreten Veränderungen das bundeseigene Unternehmen die gewünschten Ergebnisse erreichen kann. 

Laut der Bahn ist das Programm darauf ausgerichtet, die Infrastruktur, die betriebliche Situation und die wirtschaftliche Lage zu sanieren. In allen drei Bereichen hat das Unternehmen zuletzt ein schlechtes Bild abgegeben. Zwei aktuelle Kennzahlen verdeutlichen dies: Die Deutsche Bahn AG verzeichnete im ersten Halbjahr einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro nach Zinsen und Ertragssteuern und brachte im August nur 60,6 Prozent der Fernverkehrszüge pünktlich ans Ziel.

Pünktlichkeitsziel für 2027: Mehr als 75 Prozent im Fernverkehr

Bis 2027 soll die Situation nun schrittweise verbessert werden. Nach Informationen der dpa plant die Bahn, sich weiterhin an der seit 2019 geltenden Dachstrategie Starke Schiene (DSS) zu orientieren und grob die für 2024 geplanten Ziele drei Jahre später zu erreichen. Die Strategie umfasst auch viele Punkte, die in den letzten Monaten bereits angegangen wurden.

Zu diesen Maßnahmen gehören beispielsweise die Generalsanierungen von besonders bedeutenden Strecken oder die Implementierung eines neuen vertakteten Bausystems, um den Fahrplan vor kurzfristigen Baustellen zu schützen.

Nach Angaben der dpa wird im Fernverkehr ein Zielkorridor von 75 bis 80 Prozent für die Pünktlichkeit angestrebt, nachdem im gesamten Jahr 2023 64 Prozent erreicht wurden. Die wirtschaftliche Situation soll durch eine Reduzierung der Personalkosten oder eine Steigerung der Produktivität verbessert werden. Die Bahn hatte bereits bei ihrer Halbjahresbilanz angekündigt, die Anzahl der Mitarbeiter um 30.000 reduzieren zu wollen.

Die Transformation der Bereiche DB Fernverkehr und DB Cargo soll stattfinden – teilweise wurde bereits damit begonnen. Beide Sparten wiesen zuletzt Verluste auf. Die infrastrukturbedingten Störungen sollen auf 4900 pro Tag reduziert werden – für das laufende Jahr erwartet die Bahn 6100 solcher Verspätungen pro Tag.

Verkehrsminister fordert auch kurzfristige Verbesserungen

Der Vorstand der Bahn steht aufgrund der schlechten Bilanz des Konzerns in den letzten Monaten nun deutlich unter Druck. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hat kürzlich den bundeseigenen Konzern aufgefordert, die Pünktlichkeit und die Auslastung im Fernverkehr kurzfristig zu verbessern.

Laut Informationen von Bahn-Kreisen wird das vorgelegte Sanierungsprogramm kritisch betrachtet. Es fehlt an konkreten Maßnahmen. Letztlich sei außer dem Zieljahr 2027 nichts in der Strategie zu finden, was nicht bereits zuvor auf anderen Powerpoint-Folien aufgeführt wurde. Insbesondere bleibt unklar, wie und wo der Konzern die 30.000 Stellen abbauen möchte.

«Den Fortschritt werden wir nach festen Zielen messen und mit dem Aufsichtsrat und dem Eigentümer regelmäßig besprechen. Klar ist: Wir brauchen in Deutschland und für die DB die Trendwende zum Positiven für unsere Kundinnen und Kunden», hieß es zuletzt von einem DB-Sprecher zum Sanierungsprogramm. Die vergangenen Monate hätten die deutlichen Schwächen des Bahnsystems in Deutschland für alle spürbar aufgezeigt.

Einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» zufolge verspricht Bahnchef Richard Lutz im 110-seitigen Sanierungsprogramm mehr Pendlerverbindungen oder mehr Sprinter. Zudem will er das Flächennetz neu konzipieren. Ferner sollen die Wendezeiten der Züge verkürzt und weniger ICE in Reserve gehalten werden.

dpa