Die Bahn verhandelt mit der GDL im Tarifstreit. Unpünktlichkeit und Investitionsbedarf stellen große Herausforderungen dar.
Deutsche Bahn: Bilanz und Ausblick auf 2024

Die Deutsche Bahn präsentiert heute ihre Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr und gibt einen Überblick über die bevorstehenden Projekte für 2024 und die folgenden Jahre.
Bei einem besonders belastenden Thema zeichnet sich vor allem für die Fahrgäste eine Lösung ab: Seit einigen Tagen verhandeln die Bahn und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) wieder im seit Monaten laufenden Tarifstreit.
Seit November haben sechs Arbeitskämpfe zu erheblichen Einschränkungen im Schienenverkehr geführt. Vor ein paar Tagen äußerten sich die Tarifparteien optimistisch, dass sie bald zu einer Einigung kommen könnten.
Viele Verspätungen
Das vergangene Jahr war für die Bahn und ihre Kunden vor allem von hoher Unpünktlichkeit geprägt. Fast jeder dritte Fernzug hatte eine Verspätung von mindestens sechs Minuten. Dies liegt an der überlasteten und an vielen Stellen sanierungsbedürftigen Infrastruktur, die mit der stark gestiegenen Nachfrage auf der Schiene in den letzten Jahren nicht mehr mithalten kann. Neben den Tarifrunden mit der GDL und der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) war dies ein zentrales Thema.
Mit der Ankündigung, in den kommenden Jahren rund 40 Milliarden Euro in die Modernisierung des Netzes zu investieren, hatte die Bundesregierung im letzten Jahr für Optimismus gesorgt. Die Bahn plant, mit diesem Geld zahlreiche stark befahrene Strecken umfassend zu erneuern und so in den nächsten Jahren wieder für mehr Zuverlässigkeit zu sorgen. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Herbst sorgte jedoch für Ernüchterung. Der Bund zog sich zurück. Bis 2027 sollen nun noch etwa 30 Milliarden Euro investiert werden.
Weitere Herausforderungen
Im Vergleich zu den Investitionssummen der Vorjahre ist dies immer noch eine beträchtliche Menge. Die Bahn schätzt den Investitionsbedarf für diesen Zeitraum auf etwa 45 Milliarden Euro, was deutlich höher ist. Zuletzt ist eine Diskussion darüber entstanden, ob der Neu- und Ausbau von Strecken zugunsten der Sanierung zurückgestellt werden soll.
Es gibt zusätzliche Herausforderungen: Die Güterverkehrssparte steckt in einer Krise. DB-Cargo-Chefin Sigrid Nikutta plant, das Unternehmen neu zu organisieren, was zu Spannungen mit Betriebsräten und der Gewerkschaft EVG geführt hat. Außerdem sucht die Bahn einen Käufer für die Logistiktochter DB Schenker. Das Unternehmen verzeichnete zuletzt deutliche Gewinneinbußen nach Jahren des Wachstums. Diese werden sich voraussichtlich auch auf die Bilanz des Gesamtkonzerns auswirken.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) stellte dem Konzern mit Blick für das vergangene Jahr ein ungenügendes Zeugnis aus. «Der aktuelle Geschäftsbericht der Deutschen Bahn zeigt ein Unternehmen in Schieflage», teilte Verbandschefin Ramona Pop mit. Unpünktliche Züge, komplizierte, oft nur digitale Angebote und ein schlechter Kundenservice – für viele Fahrgäste im öffentlichen Verkehr seien das alltägliche Erlebnisse. «Damit die Deutsche Bahn zukunftsfähig wird, müssen Kundenbedürfnisse endlich stärker berücksichtigt werden», hieß es.








